Flight (Spielfilm, DVD/Blu-Ray)

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Flight (Film, DVD-Cover)Im Jahr 2000 ereignete sich mit dem Alaska-Airlines- Flug 261 eine unfassbare, grauenvolle Flugzeugkatastrophe, bei welcher alle achtundachtzig Menschen, die sich an Bord der McDonnell Douglas MD-83 befanden, dank fehlerhafter Wartung ums Leben kamen. Und lose an eben jenes Unglück angelehnt ist „Flight“, das neueste Werk, das unter der Regie von Robert Zemeckis („Contact“, „Cast Away“, „Forrest Gump“ sowie alle „Zurück in die Zukunft“-Teile) entstanden war. Der Fokus in diesem über zweistündigen Streifen wird hierbei auf den Piloten Whip Whitaker (Denzel Washington) gerichtet, und die gesamte Story wurde auf kinodramafähiges Format zugeschnitten und dem Mann im Cockpit entsprechend ein verfilmungstaugliches Schicksal auf den Leib geschrieben.

Bilderschau: Weckerklingeln, Ächzen, Brüste,  Alkohol, iPhone, ein verschlafener Whitaker, dann der komplett nackte Körper der Stewardess Katerina Marquez. Damit er am Morgen nach einer wilden Nacht mit viel Sex, Drogen und Alkohol wieder cockpitfähig wird, da sowohl er als auch Marquez einen gemeinsamen Flug mit einem Passagierflugzeug bestreiten müssen, zieht Whitaker dann erst mal eine Linie Kokain – Willkommen in den ersten wenigen Filmminuten von „Flight“. Whip genießt das Leben in vollsten Zügen, nimmt dabei auf seine Gesundheit keinerlei Rücksicht, und der absolut von sich überzeugte Pilot steigt dennoch in den SouthJet mit der Flugnummer 227, von Orlando nach Atlanta. Um an Bord den Pegel zu halten, lässt er sich auch dort nicht davon abhalten, sich einige Schlucke Wodka einzuflößen.

Kaum ist der Kerosinvogel in der Luft, ereignen sich schwere Turbulenzen, und das schlecht gewartete Flugzeug hält diesen nicht stand, denn während der Versuche, die Maschine wieder unter Kontrolle zu bringen, ereignet sich am Höhenleitwerk ein fataler Defekt, welcher dafür sorgt, dass sich das mit insgesamt einhundertzwei Personen besetzte Passagierflugzeug im praktisch unabwendbaren Sturzflug befindet. Doch Whitaker behält die Nerven und bringt die Maschine in Rückenfluglage, damit diese im Gleitflug erst einmal halbwegs sicher in der Luft bleibt – und durch ein extrem waghalsiges Manöver gelingt es dem Piloten mit Hilfe des Copiloten und einer weiteren Stewardess schließlich, das Flugzeug so zu Boden zu bringen, dass nur sechs Personen ihr Leben verlieren – darunter leider auch jene Frau, mit der er kurz zuvor noch das Bett teilte. Die restlichen sechsundneunzig Personen überleben, und Whitaker erlangt das Bewusstsein verhältnismäßig leicht verletzt im Krankenhaus wieder, welches er recht bald wieder verlässt.

In den Medien wird er fortan als Held bejubelt, doch hinter den Kulissen nagt die Justiz an seiner Existenz, denn bei den Untersuchungen werden ihm jene Substanzen, die er zuletzt zu sich genommen hatte, mittels toxikologischem Test nachgewiesen. Ihm droht lebenslange Haft. Der Pilotengewerkschaft verdankt er es jedoch, dass der Drogentest erfolgreich angefochten wird, und gerade Anwalt Hugh Lang (Don Cheadle) sowie sein Freund Charlie (Bruce Greenwood) setzen sich für ihn massiv ein, um ihn auf die in naher Zukunft liegende Befragung vorzubereiten.

Während seines Krankenhausaufenthalts lernte er zudem die drogensüchtige Nicole kennen, welche sich durch eine Heroin-Überdosis beinahe ins Jenseits befördert hätte – doch während sie, nachdem sie sich nach ihrer beider Entlassung immer wieder treffen,versucht, von ihrer Sucht wegzukommen und ihr Leben in den Griff zu kriegen, lässt sich „Whip“ trotz seiner heimischen Aufräumaktion, in welcher er sämtliche Alkoholika und Drogen entsorgt, nicht belehren und betrinkt sich Tag für Tag weiter. Schließlich, so denkt er, ist er doch nicht abhängig. Sein gesamtes Heldentum basiert demnach auf einer großen Lüge, und so muss sich der einen selbstzerstörerischen Lebenswandel führende Pilot bald entscheiden, ob er diese Lüge weiterlebt oder sich der Wahrheit stellt.

Technisch ist der Film Zemeckis-typisch höchst professionell, actionreich und voller imposanter Bilder, doch es gibt leider so einige Kritikpunkte, die den ihn nicht so recht zu dem Epos werden lassen, für welches er weitläufig gehalten wird. Oftmals muss man das Gefühl haben, dass der Streifen künstlich in die Länge gezogen wurde, denn obgleich versucht wird, die Momente in puncto Intensität zu betonen, wirken diese eher langatmig und stellenweise gar wie Füllmaterial. Auch ist „Flight“ beinahe ein an Denzel Washington betriebener Personenkult, denn er wird in seiner Rolle als William Whitaker dermaßen in den Vordergrund geschoben, dass die Coprotagonisten und auch die Nebencharaktere (die mit Don Cheadle, John Goodman, Kelly Reilly und Bruce Greenwood ja nun wahrlich nicht gerade mit unbedeutenden Darstellern besetzt wurden) beinahe zu blassen, persönlichkeitsarmen Statisten degradiert werden. Das mag der Whitaker-Figur einiges an Profil bescheren, doch filmübergreifend wirkt dieses doch sehr penetrant nach außen gekehrt. Hier hätte etwas mehr Feingefühl gut getan, denn auch wenn es sich selbstverständlich primär um das Schicksal des Piloten dreht, sollte nicht vergessen werden, dass eben auch sein Umfeld aus Persönlichkeiten besteht. Und diese Einseitigkeit bringt den Film letztendlich qualitativ in leichte Schieflage. Auch hat man sich bei der Erschaffung der spektakulären Bilder ein wenig verhoben – nicht etwa, weil sie nicht gelungen sind, sondern weil sie vieles der Multitexturalität, die eigentlich vermittelt werden soll, überdeckt, wodurch die Grenze zur Effekthascherei leider hier und dort ein wenig überschritten wird.

Speziell in der deutsch synchronisierten Version erweist sich zudem die Lautstärkeaussteuerung als oftmals problematisch, denn während die lauten Szenen extrem laut aus den Boxen donnern, sind die Dialoge manchmal dermaßen leise abgemischt, dass man wirklich sämtliche Außengeräusche vermeiden muss, um die Texte akustisch zu verstehen. Somit ist man eigentlich permanent mit den Fingern an den Lautstärketasten der Fernbedienung zugange, weil „Flight“ entweder gerade zu laut oder aber viel zu leise ist. Für den Kinoeffekt oder ein High-Tech-Soundsystem im Wohnzimmer mag das, wenn man nicht gerade lautstärkeempfindliche Nachbarn hat, in Ordnung gehen, doch diesen Film auf normaler Zimmerlautstärke laufen zu lassen, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

„Flight“ offenbart demnach einiges an Positiva, aber auch an Negativa, welche die guten Ansätze amortisieren. Die permanent nach unten geklappte Kinnlade bleibt ebenso aus wie der direkte emotionale Draht hin zum Zuschauer. Während man sich selbst in zahlreichen ähnlich gelagerten Dramen wie der unsichtbare Freund oder Beobachter fühlt, existiert bei diesem manchmal eine unangenehme Distanz. Und das liegt nicht einmal an der unsympathischen Art des Protagonisten (denn so etwas darf generell niemals als Qualitätskriterium gelten!), sondern an einer Art Mauer, die der Film um sich herum errichtet. Ob das im Sinne der Macher war?

All diese Unwuchten sind keinesfalls als dramatisch zu werten, doch sie sorgen unterm Strich dafür, dass „Flight“ beileibe nicht als das angepriesene Spektakel angesehen werden kann, sondern bestenfalls als gehobenes Mittelmaß im Hollywood-Sektor. Zwar geben die über vierzig Minuten Bonusmaterial einiges an Aufschluss bezüglich offener Fragen, und man merkt, wie enthusiastisch das Team an dieser Produktion gearbeitet haben mag, doch letztendlich können diese ausführlichen Extras nicht viel an den Empfindungen nachjustieren, die man während des Films verspürte – oder eben nicht verspürte.

Cover © STUDIOCANAL

 

  • Titel: Flight
  • Originaltitel: Flight
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2012
  • Genre:
    Katastrophenfilm
    Drama
  • Erschienen: 20.06.2013
  • Label: Studiocanal
  • Spielzeit:
    133 Minuten auf 1 DVD
    139
    Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Denzel Washington
    Kelly Reilly
    Don Cheadle
    Bruce Greenwood
    John Goodman
    Brian Geraghty
    Tamara Tunie
    Nadine Velazquez
    Melissa Leo
    Ravi Kapoor
  • Regie: Robert Zemeckis
  • Produktion:
    Walter F. Parkes
    Laurie MacDonald
    Steve Starkey
    Jack Rapke
  • Drehbuch: John Gatins
  • Ausführende Produktion:  Cherylanne Martin
  • Kamera: Don Burgess, ASC
  • Szenenbild: Nelson Coates
  • Kostüm: Louise Frogley
  • Casting: Victoria Burrows
  • Visuelle Effekte (Überwachung): Kevin Baillie
  • Schnitt: Jeremiah O’Driscoll
  • Extras:
    Making of
    Fragen und Antworten
    Anatomie eines Flugzeugabsturzes
    Die Entstehung von FLIGHT
    (insgesamt 40+ Minuten)
  • Technische Details (DVD)
    Bild: 2,40:1 (anamorph)
    Sprachen/Ton:
    D, GB (5.1 DD)
    Untertitel:
    D
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Bild: 2,40:1 1080/24p Full HD
    Sprachen/Ton:
    D, GB (5.1 DTS-HD MA)
    Untertitel:
    D
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Info zum Film
    Erwerbsmöglichkeit DVD

    Erwerbsmöglichkeit Blu-Ray

 

Wertung: 9/15 dpt

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Über den Autor

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Chris‘ Nerd-Schreibtisch

Gebürtiger Mannheimer. Jahrgang 1974. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Besessen von Büchern, Serien, Hörbüchern, Computerkram, Kaffee und Königsberger Klopsen. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.

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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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