Horst Evers – Der König von Berlin (Hörbuch, Autorenlesung)

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Horst Evers - Der König von Berlin - Hörbuch - Cover © argon VerlagLanner, ein junger Kommissar, der noch viel Erfahrung und Erfolg sammeln möchte, war bislang lediglich im niedersächsischen Cloppenburg im Einsatz – doch eines Tages wird er unverhofft nach Berlin versetzt. Dort angekommen, sieht er das als Gelegenheit, auf der Karriereleiter noch ein paar Sprossen emporzuklimmen. Allerdings er hat die Rechnung ohne seine neuen Kollegen gemacht, denn wenngleich er sich vorbeugend als Dorfsheriff vorstellt und ihnen so auf selbstironische Weise den Wind aus den Segeln zu nehmen versucht, macht man sich über ihn lustig. Auch mit dem doch typisch ruppigen Umgang der Einwohner Berlins mit ihm hat er so seine Probleme.

Dennoch ruft die Arbeit: Der Boss der größten Schädlingsbekämpfungsfirma der Hauptstadt ist auf wundersame Weise ums Leben gekommen. Kurz zuvor findet ein kleines Mädchen im Sandkasten eines Hinterhofgartens beim Spielen eine tote Ratte. Die Kammerjäger werden gerufen, und im Sandkasten des Hinterhofgartens wird daraufhin von den herbeigerufenen Kammerjägern Toni und Georg ein seit einem halben Jahr toter Miethai ausgegraben. In dessen Wohnung findet sich zudem eine Menge Bargeld. Damit jedoch nicht genug, denn in Berlin bahnt sich eine wahrlich heftige Rattenplage an. Nun versucht Lanner undercover – als Kammerjäger-Aushilfe getarnt – Licht ins mysteriöse Dunkel zu bringen und diese Fälle aufzudecken. Er ahnt nicht, dass er damit in ein brummendes Wespennest sticht und ihm sich Verstrickungen offenbaren, die er sich nicht hätte erträumen lassen.

Dass Horst Evers nicht nur ein begnadeter, angenehm unhysterischer Kabarettist ist, der mit Feingeist agiert, zeigt er immer wieder live auf radio eins oder mit diversen schönen Büchern und auch Tonträgern, die quantitativ über seine Bibliographie hinausreichen. Mit seinem sechsten Druckwerk „Der König von Berlin“, welches er in vorliegender Hörbuchform auch selbst liest, präsentiert der in Berlin lebende, gebürtige Niedersachse einen kurzweiligen Kriminalroman – sein erster Roman überhaupt -, der mit zahlreichen originellen Figuren gespickt ist und durch eine Vielschichtigkeit zu glänzen weiß, die selbst so manchen reinen Krimiautoren blass aussehen lässt.

Anstatt nämlich eine lineare Story zu erzählen, die mit Füllstoff aufgebläht wird, lässt Evers den Leser/Zuhörer gerne auch mal um mehrere Ecken denken und lockt ihn ein ums andere Mal äußerst clever auf den Holzweg, sodass inhaltlich in den siebeneinviertel Stunden deutlich mehr passiert und man seine Ahnungen wesentlich häufiger überdenken muss, als es bei ähnlich gelagerten Veröffentlichungen der Fall ist. Auch weiß zu gefallen, dass der Autor stets einen guten Mittelweg zwischen Spaß und Spannung findet, sodass es nie in ein Extrem ausufert.

Neben der filigranen Durchdachtheit wissen auch die zackigen Dialoge zwischen den Figuren zu begeistern – Gefasel ohne Gehalt findet man in „Der König von Berlin“ praktisch überhaupt nicht. Erfrischend ist auch, dass der eigentlich als Gerd Winter zur Welt gekommene, seit mehr als zwei Dekaden fleißige Schelm nicht nur Augenmerk auf die Protagonisten legt, sondern auch den Nebencharakteren ungewöhnlich viel Platz einräumt, wodurch die Geschichte zusätzliche Lebendigkeit erfährt.

An die Erzählstimme Evers‘, die ein wenig hart tönt, muss man sich, wenn man ihn als Sprecher noch nicht zu Ohren bekommen hat, erst ein wenig gewöhnen, doch da sie nicht wirklich unangenehm klingt, geschieht dies relativ bald. Ohnehin weiß der 1967er gerade bei den verschiedenen Figuren, in die er sprechend schlüpft, zu punkten – doch wenngleich dies manchmal comichaft-skurril geschieht, findet Evers immer das korrekte Maß an komödiantischer Darbietung.

Bedenkt man nun noch, dass es sich bei vorliegender Veröffentlichung um Evers‘ Romandebüt handelt, kann man nur respektvoll nicken – mann kann durchaus behaupten, dass die Art, wie der Mittvierziger diese Story zusammengesponnen hat, auf jeden Fall das deutsche Durchschnittsniveau bei weitem überschreitet. Im Kopf spielt sich bei der (Audio-)lektüre demnach nicht unbedingt Stoff der Marke „Sat.1-Dienstagsfilm“ ab, sondern gut und gerne auch etwas, was des Kinos definitiv würdig ist. Oder um es mit Kammerjäger Tonis Worten zu sagen: „Ist gutt.“

 Cover © agron Verlag

 

 

Wertung: 11/15 dpt

 

 

 

 

 

 

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Über den Autor

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Chris‘ Nerd-Schreibtisch

Gebürtiger Mannheimer. Jahrgang 1974. Lebt seit 2001 mit Frau und zwei Töchtern südwestlich von Kassel. Besessen von Büchern, Serien, Hörbüchern, Kaffee und Königsberger Klopsen. Schätzt tiefgründige Gespräche und meidet belanglosen Smalltalk. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.

 

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1 Kommentar zu "Horst Evers – Der König von Berlin (Hörbuch, Autorenlesung)"

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Evelyn
Besucher
Evelyn
2 Jahre 11 Monate her

Wenn man Horst Evers kennt und auf der Büühne auch schon erlebt hat, ist es der Wunsch seine Geschichten auch von seiner Stimme zu hören. Ich musste rercht lange auf das Hörbuch zu seinem Roman warten. Es hat sich gelohnt.

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