Oliver Uschmann & Sylvia Witt – Wenn Männer baden gehen (Buch)

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Oliver Uschmann & Sylvia Witt - Wenn Männer baden gehen (Buch) Cover © Lappan VerlagKenner der „Hui-Welt“, also des „Hartmut und ich“-Universums, dürften bei der bloßen Erwähnung des Wortes „Badewanne“ aufhorchen, denn eine sehr häufig wiederkehrende Szene in den Büchern aus jener Reihe ist die, wenn sich der namenlose „ich“ wieder einmal in das sanitäre Etwas begibt. Was auch immer Oliver Uschmann und Sylvia Witt, die beiden Erschaffer dieser Buchreihe sowie dreier Jugendbücher, der „Finn“-Kinderbuchreihe und diverser Sachbücher (zwei „Überleben auf…“-Sammelsurien und „Fehlermeldung“), dabei geritten haben mag, nun ein komplettes Buch über badende Männer auf den Markt zu bringen: Es ist schön, dass sie es einfach in die Tat umgesetzt haben.

Im schlanken, 128-seitigen „Wenn Männer baden gehen“ werden dem Leser elf Kurzgeschichten kredenzt, die sich beispielsweise „Der badende Mann und das Kranksein“, „Der badende Mann und der Sex“, „Der badende Mann und die Prokrastination“ oder „Der badende Mann und die Musik“ nennen und anhand fiktiver Charaktere in der Regel das „worst case scenario“ in des Lesers Kopf zaubern. In der Short Story „…und das Kranksein“ wird Sören porträtiert, wie er durch einen lächerlichen Wackelkontakt in der körpereigenen Gesundheitsmaschine zum lebensunfähigen, wimmernden, armen Würstchen verkümmert, während in „…und die Trauer“ Miguels Hilflosigkeit aufgrund des Todes der Tante seiner Freundin in den Mittelpunkt rückt. Heiner wiederum hat seine ganz eigene Definition von Romantik, während Tobias, nun, während Tobias eine… Mutter hat.

Kleine, blaue, eingeschobene „Merke:“-Absätze lockern die Geschichtchen immer wieder auf, und am Ende jeder Kurzgeschichte gibt Sylvia Witt in einem „Und das sagt die Frau:“-Part ihren unterhaltsamen Senf dazu, bevor ein wieder blau gedrucktes Fazit über den sich jeweils in der Badewanne befindlichen Herrn das Kapitel beschließt. Und da auch eine Bewertung nicht fehlen darf, erhält jeder der Männer einen Grad des Badengehens in Form von einer bis fünf „Selbstmitleid“-Badeschaumflaschen.

Bei der Lektüre fällt auf, dass das Buch in gewisser Form auch eine Art liebevolle Stichelei des Autoren-Ehepaars untereinander ist, denn während die einzelnen Fälle sehr wahrscheinlich die Extremversion (hoffentlich) abgeschwächter oder früher existenter Uschmann-Macken und -Eigenschaften darstellen, schreibt sich Witt in ehrlicher „Das geht ja gar nicht“-Manier das Entsetzen und Unverständnis von der Seele, plaudert gerne mal frech aus dem Nähkästchen, lobt ihren Herrn Gemahl aber bei den zahlreichen „So ist meiner aber nicht (mehr)!“-Passagen und geizt auch nicht mit – wenn auch subtilen – Respektbekundungen und Liebeserklärungen. Als besonders rührend erweist sich da zum Beispiel der präfazitäre Absatz in „Der badende Mann und die Trauer“, der doch sehr privat ist und durch seine Herzlichkeit ein warmes Gefühl in den Brustkorb und hinter die glasig werdenden Augäpfelchen zaubert.

Bei den einzelnen Geschichten wird mit viel Feinsinn und Ironie, jedoch nie bloßstellend, ein Persönlichkeitsprofil des jeweiligen Protagonisten gezeichnet, das trotz Übertreibungen (die manchmal vielleicht nicht mal welche sind?) stets authentisch bleibt und gerne auch eine nachdenkliche Note mitschwingen lässt. So birgt beispielsweise „Der badende Mann und die Vergänglichkeit“ ungeachtet aller humorigen Elemente auch eine recht tragische Note in sich, denn ist Rubens, der Macher, der echte Kerl, der smarte Typ, der für seinen Beruf fast alles opfert, wirklich glücklich? Erreicht er das, wonach er strebt? Und wenn ja: Macht es ihn zu einem Mann, der ein ausgefülltes Leben lebt? Ist er ein Jammerlappen, wenn er sich fragt: „So, und wofür ist das jetzt?“

Oder ist Peer („Der badende Mann und der Alkohol“) wirklich jemand, der die Trinkerei bewusst gewählt hat – oder ist er nur einer Gewohnheit verfallen?

Wie bei zahlreichen seiner anderen (ohnehin praktisch stets gemeinsam erschaffenen) Bücher schlägt das Autorenpaar eine stabile Brücke zwischen Unterhaltung und ein wenig Nachdenklichkeit – sicherlich findet sich hier und dort auch einiges an herrlichem Unfug wieder, doch nie artet das Ganze in eine Nonsens-Aneinanderreihung aus. Vielmehr werden auf vielschichtige Art und Weise ein paar Extremfälle beleuchtet, über die man sich, wenn auch mit gelegentlich bebendem Zwerchfell, bei der Lektüre so seine Gedanken machen wird.

Schöne Zwischendurchlektüre, die optimalerweise einen Platz im Badezimmer verdient hat.

Cover © Lappan Verlag

  • Autor: Oliver Uschmann & Sylvia Witt
  • Titel: Wenn Männer baden gehen
  • Verlag: Lappan
  • Erschienen: 01.10.2013
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 128
  • ISBN: 978-8-8303-3339-5
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite mit Erwerbsmöglichkeit

Wertung: 12/15 dpt

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Über den Autor

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Chris‘ Nerd-Schreibtisch

Gebürtiger Mannheimer. Jahrgang 1974. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Besessen von Büchern, Serien, Hörbüchern, Computerkram, Kaffee und Königsberger Klopsen. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.

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[…] Spacemen Spiff.” Kommt noch. Jetzt erstmal: Spielfreude. Bei ihm, bei mir. Ich bringe viel Wenn Männer baden gehen und ein paar erste Kostproben aus Überleben beim Fußball. Ein tätowierter Mittzwanziger am Tisch […]

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Oliver Uschmann & Sylvia Witt – Wenn …

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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