Dana S. Eliott – Die magische Schriftrolle (Buch)

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Die Magische Schriftrolle (Buch) Cover@ Droemer KnaurHinter dem Pseudonym Dana S. Eliott verbergen sich die Nachwuchsautorinnen Sandra Dageroth und Diana Kruhl aus Ostwestfalen, die auf der Selfpublishing-Plattform des Droemer Knaur Verlags Neobooks ihren Fantasy-Roman „Die magische Schriftrolle“ vorgestellt haben. Geschrieben wird hier im Wettbewerb mit Schreiberkollegen, die sich gegenseitig mit Sternen und Fliegern bewerten, schließlich wird das beliebteste Buch eines Genres gekürt. Belohnt wird die Mühe des Bewertens und Schreibens mit einer E-Book Publikation, für die Neobooks alles Organisatorische übernimmt und mit etwas Glück winkt der Verlagsvertrag. „Die magische Schriftrolle“ konnte nicht nur die Neobooks Mitstreiter überzeugen, sondern auch die Lektoren des Droemer Knaur Verlags. Und so erschien der Auftaktroman der Tetralogie „Taberna Libraria“ zunächst im Taschenbuchformat, danach als sechsteilige Kindle-Ausgabe. Was viele Käufer verärgerte, glaubten sie doch, damit die Fortsetzung des Auftaktbandes zu erwerben. Doch worum geht es nun?

Die zwei jungen Buchhändlerinnen Corrie und Silvana aus London möchten einen eigenen Laden eröffnen, das Startkapital stellt Corries wohlhabender Vater zur Verfügung. Im kleinen Nest Woodmoore by the Sea werden sie fündig. Ein altes Haus, das zuvor schon einen Buchladen beherbergte, erscheint ideal für das Vorhaben. So werden die beiden schnell mit dem Makler Watson handelseinig, obwohl auch er keine Erklärung dafür hat, dass eine der Kellertüren verschlossen ist und keiner der Schlüssel passt. Zunächst müssen die Damen renovieren und staunen nicht schlecht, dass währenddessen bereits zahlreiche Bücherbestellungen eingehen. Die Einwohner Woodmoores scheinen die Wiedereröffnung kaum erwarten zu können und bevorzugen Bücher, die man nicht in den Verlagskatalogen findet.

Zwei Tage vor der Eröffnung des Ladens sitzt plötzlich ein Mann in der Küche und erzählt, dass der verstorbene Vorbesitzer ein Geheimnis gehütet hat. Kurz darauf erscheinen gruselige Kreaturen, die der geheimnisvolle Yazeem Feuerwölfe nennt. Auf der Flucht in den Keller öffnet er die verschlossene Tür. Sie führt zur Buchhandlung „Die Magische Schriftrolle“, die sich im Reich der hundert Inseln auf Amaranthina befindet. Corrie und Silvana treffen Geschöpfe, die sie bisher nur aus Büchern kannten, neben dem Werwolf Yazeem den Faun Vincent, den Greif Cryas sowie die Vampirbrüder Donn und Talisienn. Aus den neuen Freunden werden schnell Lebensretter. Denn mit dem Erwerb des Ladens an der Schnittstelle zur Anderswelt rührten auch die Frauen an einem Geheimnis, das beide Welten gefährdet. Eine dunkle Magie kehrt zurück.

Mit den üblichen Versatzstücken der Urban-Fantasy haben Dana S. Eliott ihren Roman „Die magische Schriftrolle“ bestückt. Von neuen Autoren wünscht man sich Innovation und viele schaffen es, auch bereits etablierten Figuren und bekannten Themen ungewohnte Facetten zu entlocken. Da werden Orks zu klugen Strategen und Sympathieträger oder Trolle zu humorvollen Poeten. Der Leser freut sich, wenn es im vertrauten Terrain etwas Neues zu entdecken gibt. Um es vorweg zu nehmen, hinsichtlich dieser Art von Innovation  kann „Die magische Schriftrolle“ nicht überzeugen.

Die beiden Autorinnen versuchen durchaus, die Hauptakteurinnen charakterlich voneinander abzugrenzen, was aber nur oberflächlich gelingt. Corrie ist die mutige Draufgängerin, Silvana zumeist übervorsichtig. Corrie kommt aus wohlhabendem Haus und erhält von ihren exzentrischen Eltern volle Unterstützung, Silvana scheint dagegen kein enges Verhältnis zu ihrer Familie zu haben. Die Autorinnen statten beide Frauen mit übernatürlichen Fähigkeiten aus, die sich in Woodmoore entfalten. Silvana hat bereits in ihrer Kindheit die Stimmen der Gargoyles gehört und wurde deswegen für verrückt gehalten, so ignorierte sie diese Gabe. Ihre neuen Freunde aus der Anderswelt ermuntern sie jedoch, diese zu nutzen. Dieser innere Konflikt mit ihrer Vergangenheit verleiht Silvana zumindest ein wenig Tiefe.

Corrie erfährt, dass sie die Fähigkeit hat, Geschehnisse durch Wünsche zu beeinflussen, deshalb entdeckt sie oft die gerade benötigten Dinge. Diese Eigenschaft benutzen die Autorinnen, um die Geschichte voran zu bringen, wenn sie gerade auf der Stelle tritt. Corrie findet aus dem Nichts eine durchlässige Wand zu geheimen Räumen, Tarot-Karten, die zur Lösung eines Rätsels führen und dergleichen mehr. Von einer Entwicklung der Ereignisse fehlt hier jede Spur und das ist ärgerlich. Für den Leser erscheint das Geschehen wie von Zufalls Hand gesteuert und daher langweilig. Auch oder gerade in einem Fantasy-Roman möchte man einem unerwarteten und dennoch einleuchtenden Handlungsaufbau folgen. Dazu kommt, dass Corrie oft so unfassbar naiv agiert, das es schwerfällt, sie überhaupt ernst zu nehmen. Insgesamt lässt die Geschichte eine handlungsinterne Logik vermissen.

Etwas differenzierter haben Dana S. Eliott einige der Nebencharaktere gezeichnet, Yazeem der Werwolf und der blinde aber alles andere als hilflose Vampir Talisienn wissen wenigstens hin und wieder zu überraschen. Jedoch fehlt in dem gesamten, sehr umfangreichen Ensemble wenigstens ein Charakter, der nicht eindeutig als ‚Guter‘ oder ‚Böser‘ gekennzeichnet ist.

Sowohl die  Storyidee als auch die spontan erscheinenden wundersamen Phänomene erinnern an die  „Harry Potter“-Romane. Doch selbst die Kinderbuchreihe von J.K. Rowling enthält Charaktere, über die man rätseln kann und die nicht in ein schwarz-weißes Schema passen. Typen wie Professor Snape sucht man in „Die magische Schriftrolle“ bisher leider vergeblich.

Pluspunkte erhalten Dana S. Eliott für den Weltenbau. Die Welt der hundert Inseln steckt voller interessanter Ideen und ist liebevoll detailliert gezeichnet. Das Liber Panscriptum als magische Variante einer Buchdatenbank ist einer dieser gelungenen Einfälle. Und Taschendrachen sind als Überbringer eiliger Botschaften ein passender Ersatz für die moderne Kommunikation. Auch der Ausgangspunkt der Geschichte, eine phantastische und eine gewöhnliche Buchhandlung als Schnittpunkt einer dies- und jenseitigen Welt zum Schauplatz des Abenteuers zu machen, klingt vielversprechend. Aber leider scheitert die Story an der dürftigen Logik, dem mangelnden Bezug zum Hintergrund und vor allem an fehlenden Entwicklungen. Die überwiegend flachen Charaktere gleichen diese Schwächen leider nicht aus. Und so wird die Rezensentin voraussichtlich darauf verzichten, die Reihe „Taberna Libraria“ weiterzuverfolgen.

Cover © Droemer Knaur Verlag

  • Autor: Dana S. Eliott
  • Titel: Die magische Schriftrolle
  • Teil/Band der Reihe: Band 1 der Reihe Taberna Libraria
  • Verlag: Droemer Knaur
  • Erschienen: 12/2013
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 512
  • ISBN: 978-3-426-51438-2
  • Sonstige Informationen:
    Erwerbsmöglichkeit beim Verlag

Wertung: 6/15 dpt

 

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Über den Autor

Eva Bergschneider

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Evas Nerd-Schreibtisch

Ich bin gebürtige Ostwestfälin und seit über 20 Jahren Wahlkölnerin. Verdiene mein täglich Brot im Labor eines Biotechnologie-Unternehmens, bin verheiratet und Mutter einer erwachsenen Tochter. Mich begeistern Kino, Musik, Sport und Internet, vor allem aber BÜCHER. Ich lese viele Phantastik- und Kriminalromane, halte aber eigentlich nicht viel von Genre-Einteilungen und bin in Bezug auf Literatur offen für (fast) alles. 

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[…] Jahr ohne literarische Enttäuschungen, die größte im Jahr 2014 war für mich “Die magische Schriftrolle” vom Autorenteam Dana S. Elliott.  Der Roman entstand im Rahmen des Neobooks.Projekts des […]

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von Eva Bergschneider Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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