Julian Hartmann – Schluss mit luschig! Anleitung zum Mannsein (Buch)

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Julian Hartmann - Schluss mit luschig! (Cover © rowohlt)Der Mann post millennnium befindet sich fürwahr in einer Zwickmühle. Was soll er denn nun sein? Männlich? Zärtlich? Weich? Hart? Familienpapa? Verständnisvoll und nachgiebig? Dominant und Alphatier? Sind Mann und Frau nun gleichberechtigt, und wenn ja, wo und inwiefern? Der heutige Mann ist verwirrt. Was wollen sie denn nun, die Frauen? Wie bleibt man(n) denn nun ein männlicher Mann? Wo ist die Grenze zum Softie einerseits und zum vor Testosteron zerberstenden „echten Kerl“ andererseits? Oder, wie es auf der Buchrückseite prangt: »Aber wie soll er denn nun sein, der moderne Mann?«

In satirischer, höchst (selbst-) ironischer Form geht die fiktive Figur Julian Hartmann (ja, genau der, der das Blog schlussmitluschig.de betreibt und der Protagonist in Bernhard Blöchls „Für immer Juli“ ist) all diesen Männerfragen auf den Grund und ist der Meinung: Die Emanzipation (mit einem ’n‘) ist nun weitestgehend vollendet, nun wird es Zeit für die Emannzipation  (mit zwei ’n‘), denn die Frau wünscht sich zwar keinen »Testosteron-Toni«, sondern jemanden, der sich gut in sie einfühlen kann, und zwar nicht nur in physischer Hinsicht. Sie wünscht sich keinen Macker, sondern jemanden, der auch zuhört, liebevoll, aufmerksam, verständnisvoll und anpassungsfähig ist. Aber sie wünscht sich auch kein Weichei, das sich lenken lässt oder gelenkt werden muss, sondern jemanden, der Entscheidungen auch selbstständig treffen kann, der auch mal „macht“. Sie wünscht sich keinen Typen, der sich „Uga! Titten! Bier!“ schreiend auf die Brust klopft, allerdings möchte sie auch keinen Waschlappen an ihrer Seite, keine Lusche, die allen Problemen aus dem Weg geht und in etwa so dynamisch und kraftvoll ist wie eine aufgeweichte Toastscheibe.

Meist mit einem ein- bis zweiseitigen Text voller Gedankengänge einleitend, bekommt man in diversen eigenständigen sowie in mehrteiligen Kapiteln wie „ProtoTypen“, „Expeditionen ins Männerreich“, „Expeditionen ins Frauenreich“ und „Expeditionen ins Pärchenreich“ die verschiedenen Geschlechterklischees in zuweilen wunderbar überzogener, stets schelmisch angehauchter Form präsentiert, und zwar deutlich charmanter und feinsinniger als es diverse, im Privatfernsehen höchst erfolgreiche (warum eigentlich?) Komiker darzubieten in der Lage sind.

Bestandteile dieser Kapitel sind zudem diverse fünfschrittige Crashkurse für Mann, Frau und Pärchen (Dandy, Metrosexueller, It-Girl, Desperate Housewife. Glücksrausch-Eltern, um nur einige zu nennen), sogenannte Manntras (Zitate prominenter und/oder legendärer Personen) sowie zahlreiche 33er-Listen (33 Dinge/Gründe/Sätze/Irrtümer und was nicht alles) sowie Thesen zum modernen Machismo – perfekt also für die Lektüre zwischendurch, denn die Kapitel lassen sich als Häppchen in angenehmer Größe fix weglesen.

Schön an „Schluss mit luschig!“ ist, dass sich der Autor (beziehungsweise der Autor hinter dem Autoren) selbst nicht bierernst nimmt, sondern ein gutes Mittelmaß findet zwischen ernstem Unterton und Unterhaltung, denn einerseits bringt Hartmann respektive Blöchl seine Leser zum Schmunzeln und Lachen (wobei mit „Lesern“ auch Frauen und Paare gemeint sind, die hier – der Rezensent ist dazu verleitet, hier eine Garantie auszusprechen – mächtig Spaß haben werden), andererseits bringt er beiderlei Geschlechter auch ein wenig zum Nachdenken, denn die Fehler muss man nicht nur beim anderen finden (und nach ihnen suchen), sondern auch bei sich selbst suchen (und auch finden), und auch wenn der Titel den Mann in den Fokus stellt, könnte auch die ein oder andere Frau hier ein wenig über sich oder den Mann lernen.

„Schluss mit luschig!“ ist gleichzeitig sowohl ein Kopfschütteln über die Spezies Frau als auch eine Liebeserklärung an sie, gleichzeitig sowohl eine Kampfansage an all die Testosteronbomber und Schluffis als auch die breitgefächert formulierte, äußerst berechtigte Frage, wo dazwischen (oder besser gesagt: wo jenseits der Verbindungslinie) er selbst sich nun am richtigen Fleck befindet. Es finden sich Tipps, die man sich gerne zu Herzen nehmen kann, aber auch solche, die köstlicher Unfug sind. Ein wenig »Hört mal, Jungs und Mädels…« , ein wenig Augenzwinkern und auch viel Menschlichkeit und Herz.

Denn: Sowohl Männer als auch Frauen sind kompliziert. Und Menschen sind sie beide. Und sie sind eben Mann beziehungsweise Frau. Biologisch, menschlich – und sie sind sich meist doch ähnlicher, als es uns der rosa-hellblau-süß-herbe Gender-Wahn, der leider überall herrscht und einen Rückschritt in der Gesellschaft darstellt, weismachen will. Man muss nur sich und einander wahrnehmen. Und Emanzipation (mit einem ’n‘) soll wieder bedeuten: „pro Frau“ statt „anti Mann“ – und die Emannzipation (mit zwei ’n‘) eben „pro Mann“ statt „anti Frau“.

Cover © rororo/rowohlt

Wertung: 12/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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