Markus Mörth – Die Surrealisten (Buch)

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Markus Mörth - Die Surrealisten Cover © edition keiperIst es im Leben nicht oft so, dass sich Menschen in jungen Jahren, gehäuft gegen Ende der Schulzeit, fragen und vorstellen: wie geht es weiter im meinem Leben? Welche Pläne habe ich in der Zukunft? Und oft sind es hochtrabende Ziele; nonkonformistische Lebensplanungen sind nicht selten. Hauptsache anders, gegen den Mief gebürstet und mit Gedanken von Freiheit und »wir werden es euch noch gründlich zeigen…« – so auch die drei Freunde Max, Otto und Paul in Markus Mörths Roman „Die Surrealisten“. Alles wollten sie anders machen, es allen zeigen, wie sie als Künstler, vielleicht auch Lebenskünstler ihr Leben gestalten können, fernab von Konventionen und Verpflichtungen. Nun, Jahre später, kommen sie zusammen, und was ist geblieben?

Paul kommt aus einer Beziehung mit einer Tänzerin, hat ein Kind namens Rosina und taucht völlig verzweifelt und quasi mittellos bei Max auf. Redend und trinkend treffen die beiden aufeinander. Max versucht dann, Paul über eine bekannte Galeristin wieder zur Kunst und zu Ausstellungen zu bringen. Paul hat auf diesem Gebiet seit Jahren nicht mehr gearbeitet. Und seltsamerweise nähert sich Max Rosina an. Erkennt in diesem kleinen Kind seine Verantwortung. Ausgerechnet er, dieser Zyniker und Besserwisser, entdeckt eine zarte Seite an sich. Und er erkennt die Verantwortung, die gegenüber Kindern besteht – Paul hat sie, zumindest in dieser Phase seines Lebens, nicht.

Und dann ist da noch der Dritte beziehungsweise Vierte im Bunde, Otto.

Otto, schon ein sehr schräger Charakter, hatte mal Geld, ist aber nun hart an null, also völlig pleite. Wen wundert es, hat er doch eine große Hochzeit ausrichten wollen. Seine eigene, nicht weiter schlimm, so denkt der geneigte Leser, wenn da nicht ein Haken wäre: Die Braut will gar nicht. Noch weiter: sie weiß von der Hochzeit nichts! Und so ist Otto gezwungen, alles abzusagen – mit der Folge eines heftigen Schadens.

Und so trifft letztendlich dieses Trio aufeinander.

Markus Mörth erzählt die Geschichte durchgehend gelungen. Hat man am Anfang noch ein bisschen den Eindruck, es schlage beim Autor das Bildungsbürgertum durch, so nimmt der Roman doch gut Fahrt auf. Zu Beginn sind die Bilder noch etwas schräg und an einigen Stellen an Vorbildern in Film und Literatur orientiert. Da könnte man als Leser durchaus denken: hoffentlich geht das so nicht weiter, nicht ein Roman gespickt mit Zitaten aus Literatur und Filmen.

Zum Glück lässt Mörth dies früh genug sein und besinnt sich auf seine Fähigkeit, zu schreiben. Das kann er – die Sätze sind treffend, weder schwülstig noch übertrieben. Die drei Männer bemitleiden sich nicht, sie werden vom Autor nicht als „arme Kerle“ dargestellt. Angenehm ist das. Nicht weinerlich, bisweilen nachvollziehbar. Immer ein wenig das „Entlanghangeln“ am Abgrund. Am Abgrund der eigenen Seele und deren Irrungen und Wirrungen. Keiner kommt so richtig gut weg. Nicht die Männer, nicht die Frauen. Und alle müssen sich eingestehen, dass sie am Ende… ja, was sind?

Sicherlich keine Gewinner, aber auch keine richtigen Verlierer. Einfach nur Menschen, die viel falsch gemacht und an bestimmten Stellen ihres Lebens die vielleicht falschen Wege eingeschlagen haben. Nichts läuft gerade und vor allen Dingen meistens nicht so, wie gedacht und geplant. Diese Darstellung ist Markus Mörth mit „Die Surrealisten“ vortrefflich geglückt!

Cover © edition keiper

Wertung: 13/15 dpt

 

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Über den Autor

Laurent Piechaczek

Nicht mehr ganz der Jüngste. Literatur und Musik sowieso. Neuerdings sehr fotointeressiert. Wohnort: Ruhrgebiet, genauer in der Kulturhauptstadt von 2010! Beruf: zur Zeit leider zu viel!

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