Serien-Quickie – Kurzrezensionen zu Alphas S2, Parenthood S3, Motive S2, Covert Affairs S3

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Serienquickie (Foto © privat)Aus unterschiedlichen Gründen beruflicher und gesundheitlicher Natur (nachzulesen hier, wobei sich das ein oder andere Unschöne noch bis in den Dezember gezogen hat) sind die Rezensionen immer mehr ins Hintertreffen geraten, und es ist ein unangenehmes Gefühl, die Filmlabels und Buchverlage immer wieder vertrösten zu müssen. Einige der Releases liegen auch schon eine halbe Ewigkeit zurück.

Um das Ganze ein wenig aufzuholen und die ein oder andere Serie nicht hinten herunterfallen zu lassen, hielt ich es für das beste, zu jeder Serienstaffel zumindest ein Kurzreview zu verfassen. So erschienen in den letzten Monaten die jeweils zweiten Staffeln von Motive und Alphas sowie die jeweils dritten Staffeln zu Covert Affairs und Parenthood.  Sämtliche Staffeln kamen in Deutschland ausschließlich auf DVD auf den Markt.


 

Covert Affairs Staffel 3 (Cover © Universal Pictures Home Entertainment)Covert Affairs (Staffel 3, 4 DVDs, 16 Episoden)

Der Auftritt des CIA-Agenten Jai Wilcox (Sendhil Ramamurthy) in der dritten Staffel bleibt kurz – denn von ihm bleibt nach dem Tod durch eine Autobombe nicht mehr viel übrig. Der blinde Auggie Anderson übernimmt fortan dessen Abteilung. Eines der Ziele ist ganz klar, den Täter zu ermitteln, und so gerät das Team rund um Annie Walker (Piper Perabo) in ein schier undurchdringliches Dickicht aus Verstrickungen und begibt sich einmal mehr in Lebensgefahr. Zu allem Überfluss wird Annie eine neue Chefin, Lena (Sarah Clarke) vorgesetzt – auf ihre Order hin soll sie gemeinsam mit Auggie undercover nach Marrakesch reisen, da der Businessman Simon Fischer ganz offenbar dort untergetaucht ist. Wer sich an die zweite Staffel erinnert, wird wissen, dass zwischen Walker und Fischer eine Affäre lief – doch nun wird sie ihn von einer ganz anderen Seite kennen lernen und muss ihre Maske wahren. Privat haben es die Protagonisten nicht einfach, denn Auggie möchte mit seiner Angebeteten Parker endlich Nägel mit Köpfen, sprich Finger mit Ringen machen, während Annies gemeinsames Zuhause mit ihrer Schwester Danielle – ihr einziger Hafen der Sicherheit und Geborgenheit – wohl bald nicht mehr sein könnte, da Danielle mit ihrem Mann nach Kalifornien zu ziehen erwägt.

Im Gegensatz zu den ersten beiden Staffeln, die vorwiegend aus procedurallastigen Episoden bestand, besteht die dritte Staffel aus mehreren parallel verlaufenden Erzählsträngen, die sich allesamt bis zur letzten Episode erstrecken. Das tut der Serie enorm gut, denn anstatt den Fehler zu begehen, wieder nach dem Muster „Fall der Woche“ zu verfahren, wird die Spannung nun aufrecht erhalten und man als Zuschauer deutlich intensiver in die Story hineingesogen. Das Storywriting ist deutlich dichter geworden, die manchmal etwas zu geplant zufälligen Szenen (huch, da liegt ja ein Eisenrohr, na so was, mit dem braten wir dem Schurken mal eins über, zack, Fall in letzter Sekunde gelöst) beschränken sich auf ein Minimum, und auch schauspielerisch haben sich die Darsteller*innen endlich komplett in ihre Rollen eingefunden – selbst Perabo, der man ihre Rolle nicht immer so ganz abnahm, ist nun endlich angekommen. Somit ist „Covert Affairs“ in der dritten Staffel so spannend und authentisch wie nie – sofern man hinsichtlich CIA & Co. + TV-Serie überhaupt von Echtheit sprechen kann. Es macht einfach eine Menge Spaß, sich dem Binge-Watching hinzugeben, zumal auch dieses Mal der Humor nicht zu kurz kommt. Zwar sparsamer dosiert, aber immer im rechten Moment kommend. 

Wertung: 13/15 dpt


 

Parenthood Staffel 3 (Cover © Universal Pictures Home Entertainment)Parenthood (Staffel 3, 5 DVDs, 18 Episoden)

In Großfamilien wird es nie langweilig. Besonders nicht beim Braverman-Clan, wo es stets drunter und drüber geht – die vier Braverman-Geschwister Adam, Crosby, Julia und Sarah kämpfen sich alle mit ihren Partnern/Ehepartnern so durch, ebenso die Eltern Camille und Zeek. Doch auch der Nachwuchs der Geschwister hat so manches Päckchen mit sich herumzutragen. Während der mittlerweile arbeitslose Adam einen neuen Job sucht, damit er seine Kinder Haddie und Max sowie seine Frau Kristina versorgen kann, die obendrein wieder schwanger ist, haben es Haddie und vor allem der autistische Max nicht einfach. Julia und Joel verzweifeln ebenfalls, allerdings, was ihren Nachwuchs betrifft: Denn auf herkömmlichem Wege ist dies leider kein weiterer Braverman-Zwuckel mehr möglich – also wagen sich die beiden an das Thema Adoption, welches sich als sehr kompliziert erweist.

Crosby kämpft um seinen und Jasmines Sohn Jabbar, denn die Beziehung der beiden gerät erheblich ins Wanken – gerade er begibt sich immer wieder auf gefährliches Terrain und ist Meister im Mist bauen. Denn er will einerseits ein freies Leben führen, auf seinem Boot, unabhängig von allem – doch von ihm wird auch Erwachsensein gefordert. Etwas, das er dringend benötigt, damit er ein echter Familienvater werden kann. Auch sein Verhältnis zu Adam wird kompliziert, denn mit ihm möchte er endlich die Geschäftsidee eines Tonstudios verwirklichen, und die Zeichen stehen zuerst noch gut… und im schlimmsten Fall könnte alles, wenn es schief gehen sollte, sowohl Adams als auch Crosbys Familienleben erheblich beeinflussen. Sarah wiederum intensiviert ihr sehr gutes Verhältnis zu Lehrer Mr. Cyr, womit die Kinder Amber und Drew anfangs so ihre Probleme haben. Auch tut sich Sarah nicht leicht, zuzusehen, wie Amber nun langsam tatsächlich erwachsen ist. Schwierig wird es, als Ex-Mann Seth (Vater von Amber und Drew, mittlerweile offenbar wieder clean und trocken) wieder auf der Matte steht, zumal die Kids selbst unsicher sind, ob sie ihm gegenüber dieses Vatergefühl verspüren oder nicht.

Zu keiner Zeit wirkt diese dritte Staffel (in den USA ist man mittlerweile bei Staffel sechs angelangt) gekünstelt. Die Irrungen und Wirrungen sind Grundbestandteil von „Parenthood“, und einmal mehr ist das Chaos eines der Markenzeichen dieser Serie – nicht nur die einzelnen Situationen und damit einhergehenden Komplikationen, sondern auch die wilden Durcheinanderdialoge, die ständigen Einmischungen, all das typisch familiäre Tohuwabohu. Am Rezept der Serie hat man offenbar nichts geändert, und das ist gerade in diesem Fall auch nicht verwerflich. Nein, das ist sogar gut so.

Wie in den vergangenen beiden Seasons wird dem Zuschauer hier eine hochexplosive Mischung aus Soap, Familiendrama und Comedy geboten. Während man bei manchen Situationen und Erzählsträngen mit den Augen rollen muss („Herrje, nein, mach es NICHT!“), muss man anhand der Komik mancher Szenen lauthals lachen, möchte bei anderen wiederum vor Scham in der Sofaritze verschwinden oder erwischt sich dabei, wie der Kloß in den Hals rutscht und sich ein zarter Tränenfilm über die Augäpfel zieht – was gerade dann passiert, wenn die Serie wieder mit einem ihrer Hauptwirkstoffe zu punkten weiß: Der Herzenswärme.

Es ist ein Jammer, dass eine solch wunderbare Familienserie im deutschen Fernsehen lediglich unter ferner liefen im Pay-TV läuft. Denn „Parenthood“ wäre nahezu perfekt für die abendliche Primetime, um sich selbst gemeinsam mit der Familie vor die Glotze zu setzen.

Wertung: 14/15 dpt


 

Alphas Staffel 2 (Cover © Universal Pictures Home Entertainment)

Alphas (Staffel 2, 4 DVDs, 13 Episoden)

Die Idee, eine Crimeserie mit Science-Fiction zu kreuzen, ist nicht unbedingt neu – und doch hat „Alphas“ bereits in der ersten Staffel seinen Reiz offenbart. Geführt von Neurologe und Psychiater Lee Rosen ermittelt ein Team mit speziellen übernatürlichen Fähigkeiten gegen diverse Verbrecher, und zu allem Überfluss haben sie es staffelübergreifend mit dem Superschurken Parish zu tun. Gelingt es Rosen, gemeinsam mit Gary (Autist, der Elektroströme empfangen kann und sich unter anderem in Netzwerke hacken kann), Cameron (extreme ballistische Skills sowie exzellente Körperbeherrschung und Geschwindigkeit), Nina (Meisterin der mentalen Manipulation), Bill (extreme Körperkraft), Rachel (ausgeprägtes Gehör und extremer Geruchssinn) und der neu hinzugestoßenen Kat (die sich bestimmte Fähigkeiten nur durch Zuschauen selbst bis zur Perfektion beibringen kann und diese nach einem Monat wieder vergisst), all die Übeltäter hinter Gitter zu bringen? Vor allem aber stellt sich die Frage, ob es ihnen als Team gelingt, Parish auszuschalten.

Im Grunde ist die zweite Staffel die logische Weiterführung der ersten, doch es machen sich bereits hier ein paar Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Man ahnt manchmal schon zu Beginn einer Episode, welche „Superhelden“ dieses Mal gefragt sind. Zwar zeigt sich „Alphas“ weiterhin als solide Serie, aber man hat sich doch sehr frühzeitig in ein Strickmuster begeben, das die Serie in die Proceduralschublade bugsiert. Ebenfalls nutzt sich die Idee des bei Procedurals gern genutzten staffelübergreifenden „Oberkackvogels“ so langsam ab – Parish ist zwar eine charismatische und hassenswerte Figur, aber letztendlich hätte man der Serie eine deutlich persönlicher Note geben können, beispielsweise indem man die einzelnen Figuren des Teams intensiver porträtiert. Denn auch wenn hier sehr viel Wert auf Ausdrucksstärke gelegt wurde, bleiben sämtliche Figuren irgendwie… nun… unvollständig.

Doch gerade bei „Alphas“ ist all das nur ein „hätte, wäre, wenn“, denn Syfy hat die Serie mit der zweiten Staffel abgesetzt. Demnach endet diese finale Staffel mit einem ärgerlichen Cliffhanger. Das ist insofern schade, weil trotz der nicht ganz so starken zweiten Staffeln noch eine Menge Potenzial vorhanden war.

Wertung: 11/15 dpt


 

Motive Staffel 2 (Cover © Universal Pictures Home Entertainment)Motive (Staffel 2, 4 DVDs, 13 Episoden)

Kein Schnickschnack, einfach eine waschechte Crime-Serie ohne überflüssiges Drumherum. Dies war sinngemäß das Fazit in unserer Rezension (übrigens bei Wikipedia zitiert) zur ersten Staffel, und dieses Rezept wird auch in vorliegender Staffel numero zwei weitestgehend verwendet. Hauptmerkmal der Serie ist, dass man hier sowohl Opfer als auch Täter gleich zu Beginn erfährt, und danach beginnen Angie Flynn und Oscar Vega (exzellent gespielt von Kristin Lehman und Louis Ferreira) mit den Ermittlungen. Der Plot der Episoden von „Motive“ ist also nicht das „Whodunnit“, sondern das „Warum“ – und darin liegt die Spannung.

Meistens. Denn während die meisten der Fälle der ersten Staffel noch authentisch wirkten, schleicht sich in Staffel zwei so mancher Fall ein, die ein wenig zu konstruiert wirkt – und das nimmt den neuen dreizehn Episoden mitunter ein wenig den Zauber. Auch wurde das „ohne Schnickschnack“ ein klein wenig aufgeweicht – denn den persönlichen Geschichten der beiden Protagonisten wurde doch ein klein wenig mehr Platz eingeräumt. Vor allem der Neuzugang Mark Cross (mit dem Flynn früher mal eine Affäre hatte), gespielt von Warren Christie, sorgt für einige Unruhe.

„Motive“ ist und bleibt letztendlich zwar gute Krimikost, doch nach dieser zweiten Staffel fehlt der Serie ein klein wenig Extradurchschlagskraft – eben das gewisse Etwas. Und so bleibt zu hoffen, dass die dritte Staffel (eine vierte ist bereits in Planung) die Serie wieder in die richtige Spur bringt. Denn immer nur geradeaus kann manchmal schon ein klein wenig ermüdend wirken…

Wertung: 10/15 dpt

Sämtliche Serieninfos sowie Kauflinks findet ihr auf Universal Pictures Home Entertainment.

Sämtliche abgebildeten Coverbilder © Universal Pictures Home Entertainment

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Chris‘ Nerd-Schreibtisch

Gebürtiger Mannheimer. Jahrgang 1974. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Besessen von Büchern, Serien, Hörbüchern, Computerkram, Kaffee und Königsberger Klopsen. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.

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Serien-Quickie – Kurzrezensionen zu Alphas…

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 7 min
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