Z Nation – Staffel 1 (TV-Serie, 4DVD)

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Z-nation-dvd-coverWenn „The Walking Dead“ so etwas wie der Alternative-Rock-Star in der Zombie-Arena ist, spielt „Z-Nation“ die Rolle des räudigen Heavy-Metal-Cousins aus der Provinz, Abteilung Grindcore.  Für den passenden, dreckigen Look sorgt als Co-Poduzent und gelegentlicher Regisseur  neben anderen der famose „Universal Soldier“-Erneuerer John Hyams.

Es geht gleich mittemang ins Gekröse.  Drei Jahre nach Beginn der Zombie-Apokalypse werden im Keller einer militärischen Forschungsstation Strafgefangene zwangsgeimpft. Geht fast als zynischer Kommentar zum politischen Tagesgeschehen durch. Nicht, was das Geschwurbel von Impfgegnern angeht sondern bezüglich des Umgangs mit Menschenrechten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die angesichts wandelnder Toter natürlich noch weniger wert sind als in der Gegenwart vor dem Ausbruch.

Die Probanden haben nach der Impfung keine Probleme mit der Zombiefizierung, sie sterben am Serum selbst. Bis auf Murz-nation-s01_e0105_15_141294780354phy, der das Medikament verträgt, Zombiebisse absorbiert und später von den wandelnden Toten nicht behelligt wird, sie gar manipulieren kann. Vorerst gelingt ihm in Begleitung von Lt. Mark Hammond die Flucht aus der Militärbasis, die gerade von Untoten überrannt wird. Sie stoßen auf eine Gruppe Zivilisten, angeführt von dem kampferprobten Nationalgardisten  Sgt. Charles Garnett und der dunkelhäutigen Amazone  Roberta Warren (sagt da jemand Michonne? Nein, Roberta hat kein Samuraischwert dabei, nur eine Machete manchmal. Metal eben), die sich fortan um Murphy, den möglichen Retter der Menschheit kümmern müssen.
Angeleitet werden sie von „Citizen Z“, der allein in einem riesigen NSA-Bunker in Alaska sitzt und die Geschicke der Gruppe via Satelliten (die erstaunlicherweise alle noch funktionieren, ebenso wie Telefone und Elektrizität überhaupt) so unbehelligt wie möglich Richtung Kalifornien steuert. Was sich als ein, wie sollte es anders zu erwarten sein,  schwieriges Unterfangen herausstellt.

Unsere kleine Heldenbande, mit dem zunächst feigen, egoistischen und egozentrischen Murphy im Gepäck (sagt da jemand Eugene? Nein, kein Vokuhila, erst Vollbart dann Glatze), stößt auf die allseits beliebten Hemmnisse wie Kannibalen,  religiöse und feministische Fanatiker, Nepper, Schlepper, Bauernfänger, durchgeknallte Militärs, üble Winde und Horden von Zombies. Sie werden getrennt, finden wieder zueinander, gehen eigene Wege und fallen aus der Handlung raus (das Pärchen Addy und Mack, bis auf einen kurzen Schnitt zum Finale,  in den letzten beiden Folgen). Citizen Z wacht mit wechselhaftem Erfolg und massiven Verbindungslücken über seine Schäfchen, wenn er nicht selbst mit seinen Dämonen zu kämpfen hat („Zombiewelle“).  

znation-citizenzDer exzentrische Citizen Z ist eine der (wenigen) eigenen Ideen der „Z Nation“. DJ Qualls ist zwar etwas zu jung für die gewichtige Position, spielt den NSA-Informatiker aber passend als Mixtur aus pubertärem Videospiele-Geek, besorgtem Aufpasser und freakigem Discjockey. Ansonsten hangelt sich der Plot an den „The Walking Dead“-Vorgaben entlang, mit dem Unterschied, dass die Konflikte, die dort eine halbe oder komplette Staffel in Anspruch nehmen, hier binnen einer bis anderthalb Folgen abgehandelt werden (Kannibalengang, fundamentalistische Fanatiker, abgeschottete Siedlung mit eigenen Regeln). Tiefgang ist eindeutig nicht das Metier und Anliegen der Serie. Die Zombies werden beim Namen genannt, sind kaum mehr als Schießbudenfiguren, explizit in der Redneck-Folge „Scz-nation-glowingzombiehießübungen“, philosophische Exkurse über Menschlichkeit, Tod und alles was damit zusammenhängt, finden kaum statt. Hier wird gerannt, gerettet und gekillt, auf so kreative und blutige Arten wie möglich. Und wenn eine Freiheitsglocke dafür herhalten beziehungsweise rollen muss. Manchmal überschreitet es die Grenze zur Parodie. So leuchten radioaktive verseuchte Untote glibbergrün – als wären sie einer Halloween-Folge der Simpsons entsprungen.

z-nation-episode-1x05-home-sweet-zombie-5Dass in der „Zombiewelle“- Folge stolz auf „Sharknado“ angespielt wird, ist bei einer Asylum/Syfy-Produktion obligatorisch. Nicht so selbstverständlich ist hingegen, dass Design, Special Effects, Soundtrack, Bildgestaltung, eigentlich die gesamte Technik, angesichts der knappen Budget- und Zeitvorgaben und dem vorauseilenden Ruf der Resteverwertungsstätte Asylum, recht ansprechend geraten sind. Augenscheinlich waren hinter und neben der Kamera etliche engagierte Menschen am Werkeln. Produzent Karl Schaefer hat gar Kultpotential war er doch für kleine, leider gerne unterschätzte, Highlights wie „Eerie Indiana“ und „Strange Luck“ zuständig und verfasste Drehbücher für „Dead Zone“, „Monk“ oder „Eureka“.

z-nation-s01e02Die bei „The Walking Dead“ so beliebten Flaschenepisoden, die nur einen Teil der Mitwirkenden zum Inhalt haben, während der Hauptcast ausgeblendet wird, bleiben bei der ersten Staffel von „Z Nation“ ein einmaliges Erlebnis. Was zur besten Folge führt. In „Albträume“ erleben Addy und Mack ein eigenes „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Zombies. Zwar leicht vorhersehbar, trotzdem voller Witz, Nähe zu seinen Protagonisten (die ansonsten leider oft fehlt), leicht surreal  und spannend. Mehr davon.

Was „Z Nation“ mit „The Walking Dead“ (und „Game Of Thrones“, dessen Autor George R.R. Martin in Staffel 2 einen Cameo haben wird – wie bereits bei „Sharknado 3“.) eint: Es gibt keine Gewähr, als Hauptfigur die nächste Folge zu erleben. Harold Perrineau, der zunächst nach MC-Ich-sage-wo’s-langgeht aussieht, gibt bereits während seines Einstands den Löffel ab, weitere Hauptcharaktere werden folgen. Hier zumindest ist die Produktionsgesellschaft berechenbar: Je bekannter (=teurer) ein Mitwirkender ist, umso wahrscheinlicher ist sein Hinscheiden in absehbarer Zeit. Ein Gastauftritt Sean Beans würde höchstwahrscheinlich fünf Minuten kaum überschreiten.

znation-temptranspoWas aber kaum ins Gewicht fällt, denn die Figuren gehen einem ziemlich am Allerwertesten vorbei. Das ist nicht schlecht gespielt, keineswegs, aber jede Gefühlsregung, jedes Zaudern und Zagen, jeder Gewissensentscheid wird allzu formelhaft abgehakt, sodass man sich wie in einer TV-Werbung fühlt, in der das sichtbare Gewissen der Hausfrau zu einem anderen Waschmittel rät. Ausnahmen sind Murphy (Keith Allan), der das wandelbare Arschloch zum Besten gibt und der Filmdebütant Nat Zang als 10K, der die Mischung aus kaltblütig killendem Scharfschützen und rührend gefühlsverwirrtem Teenager untadelig hinbekommt.  Anastasia Baranova aka Addy hat zunächst die besten Oneliner, weicht aber im Staffelverlauf leider auf.

Doch warum meckern und all die Unbekümmertheiten, Unwahrscheinlichkeiten und Unmöglichkeiten in nahezu jeder Folge aufführen: „Z Nation“ ist eine launige Serie, die man fein nebenher schauen kann, die oZNation_recap_203ptisch in ihrer farbreduzierten Hässlichkeit reizvolle Momente besitzt, einen ordentlichen Soundtrack aufweist und gelegentlich abgedreht und äußerst komisch ist (wenn auch nicht immer gewollt). Taugt als galliger Kommentar zum großen, ernsthaften Vorreiter „The Walking Dead“ und bietet ein paar eigene Entwürfe, die nicht von schlechten geistigen Eltern sind.  Zwar lässt die Spannung zu wünschen übrig, aber Action und Gore sorgen für unterhaltsamen Ausgleich.

Das Setting ist dreckig, die Schauspieler sind dreckig, draußen regnet es, beste Gelegenheit, um die Zombiespiele beginnen zu lassen. Ist Fast Food, liegt aber nicht schwer im Magen.

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Wie es sich für solch einen tittenaffengeil geschriebenen Zombieschatz gehört, gibt es mehr als nur einen referenziellen Satz, sprich Dialog:

„Ich habe noch nie einen Porno gesehen.“
„Noch nie?“
„War vor meiner Zeit.“ (Tommy „10k“ ist so knuddelig und jung.)

„Du siehst schön aus!“
„Ich seh‘ wie eine postapokalyptische Stripperin aus.“ (Addy  hat recht, Alter. Wenn sie recht hat, hat sie recht. Und sie hat recht.)

Der Beste zum Schluss:
„Wie sieht’s draußen aus?“
„Wolkig, mit Aussicht auf Zombies!“z-nation-s01e05

Cover & Szenenfotos © Universal Pictures Home Entertainment

  • Titel: Z Nation
  • Staffel: 1
  • Episoden: 13
  • Originaltitel: Z Nation
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2014
  • Genre:
    Horror, Action
  • Erschienen: 03.12.2015
  • Label: Universal Pictures Home Entertainment
  • Spielzeit:
    ca. 533 Minuten auf 4 DVDs
  • ca. 555 Minuten auf 4 Blu-Rays
  • Darsteller:
    DJ Qualls
    Keith Allan
    Harold Perrineau
    Tom Everett Scott
    Kellita Smith
    Anastasia Baranova
    Michael Welch
    Nat Zang
    Russell Hodgkinson
    Regie: 
    John Hyams
    Luis Prieto
    Michael Robison
    Tim Andrew u.a.
  • Extras:
    Gag Reel, Preparing for the ZN1 Virus,
    Race for the Cure,
    Making of a Znado and More,
    Creating the Gore, Music of the Apocalypse,
    Z Kill Reel
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    1,78:1
    Sprachen/Ton
    :
    DD 5.1 (D, GB)
    Untertitel:
    D, GB
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    1,78:1 Widescreen in High Definition
    Sprachen/Ton
    :
    DTS-HD Master Audio 5.1 (D, GB)
    Untertitel:
    D, GB
  • FSK: 18
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 10/15 dpt

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Über den Autor

Jochen König

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Jochens Nerd-Schreibtisch

Stationen: Aufgewachsen in Siegen, weitergezogen nach Münster, dann nach Berlin und wieder zurück nach Idyllistan, sprich Münster. Meinen ersten Roman „Mitternachtsblues“ (sowie diverse Sachbücher mit Beiträgen von mir) gibt es tatsächlich noch zu kaufen; ob man die Hörspiele aus meiner Berliner Zeit noch empfangen kann, ist eher zweifelhaft. Ansonsten bin ich Sachbearbeiter, Teilzeit-Buchhändler und war sieben Jahre für die, sogar mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete, Krimi-Couch tätig.

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