Club der roten Bänder – Staffel 2 (Serie, 3 DVD/2 BD)

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Club der Roten Bänder Cover Staffel 2 © Universum Film/VOXKein ganzes Jahr ist vergangen, seitdem VOX ein Ausrufezeichen in die deutsche Fernsehlandschaft gesetzt hat. Passend zum (gerade vergangenen) Weihnachtsfest ist nun Staffel zwei von „Club der roten Bänder“ erhältlich, die in den Wochen zuvor ihre Erstausstrahlung gefeiert hatte. Ist den Quoten Glauben zu schenken, hält der Erfolg an, und auch die Fans sind mit dem Gezeigten zufrieden. Wer die Serie weiter verfolgt, wird schnell verstehen, warum dem so ist – im Guten wie im Schlechten. Die Verantwortlichen nehmen sich aber auch ein Herz und werfen ein wenig Ballast ab, was der Krankenhausreihe merklich gut tut.

Die zweite Staffel beginnt mit guten Nachrichten: Die Mitglieder des Clubs sind allesamt auf ihre Weise auf dem Weg der Besserung. Während es die einen im jugendlichen Ehrgeiz kaum erwarten können, wieder zu genesen und es zuweilen übertreiben, heißt es für die anderen Abschied zu nehmen und ins Leben zurückzukehren. Eine erwartbare Wendung, allerdings kommt sie vergleichsweise früh. Sie hilft aber dabei, dass die Serie erwachsener wirkt, denn es werden deutlich weniger Geschichten erlebt, die zu unwahrscheinlich erscheinen.

Der Serie tut es gut, dass sie sich mehr der Realität zuwendet und fragt, wie lange die Freundschaft bzw. die Liebe hält, sobald das Krankenhaus nicht mehr das vorübergehende Zuhause darstellt. In dieser Fokussetzung findet „Club der roten Bänder“ dafür eine ganze Palette an Antworten, die größtenteils erwartbar ist und von der kompletten Isolation bis zum täglichen Besuch reicht. Dennoch fällt es allen schwer, die gemeinsame, durch tiefe Freundschaften geprägte Zeit hinter sich zu lassen, was die Erinnerungen an die traumhaften Erlebnisse aus der ersten Staffel verdeutlichen sollen.

Nicht neu, aber sicherlich interessant sind dabei die Parallelen zum Gefängnis. Den Jugendlichen fällt es schwer, nach Monaten oder Jahren im Krankenhaus in den Alltag zurückzukehren, gerade weil in diesem Alter wichtige Ereignisse stattfinden und sich das Leben rasch ändern kann. Doch so schwer der Wiedereinstieg auch fällt, zurückzukehren in die doch recht abgeschottete Welt des Hospitals bleibt die letzte Variante. Dementsprechend abweisend bleiben die Reaktionen, wenn es darum geht, ein Verhältnis zu den kranken Freunden aufrecht zu erhalten, zumeist aus Selbstschutz vor dem Hintergrund der noch fehlenden Distanz zur eigenen Krankheit.

Auch im Krankenhaus geht es bergauf, doch hier wirkt alles vertrauter, was auch damit zusammenhängt, dass sich die Macher der Serie treu bleiben – im Guten wie im Schlechten. Der jungen und am Mainstream orientierten Zielgruppe geschuldet, wendet sich „Club der roten Bänder“ hauptsächlich allgemeineren Themen zu, weswegen auch die Erzählstränge größtenteils vorhersehbar und klischeebeladen bleiben. Die zum Teil staksigen und oberflächlichen Dialoge hindern die Schauspielerinnen und Schauspieler daran ihr ganzes Potenzial abzurufen, dennoch legen die meisten ansehnliche Performances hin. Immer noch wird in manchen Momenten zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt, doch trotzdem schafft es die Serie, einen emotional zu berühren. Nach Toni wird nun auch Benito inkonsistent dargestellt. Seine Alzheimer-Erkrankung dient verdächtig häufig dem Geschehen, zum Schluss, als es praktisch nur noch um Erinnerungen geht, ist er über Wochen völlig klar und ist sich nachweislich kleinster Details aus seinem Leben bewusst.

Diese Zweischneidigkeit setzt sich in der Serie fort. Das Zusammenführen der Erzählstränge funktioniert nicht immer ohne Reibungen, der Fortgang einzelner Schicksale wird ausgebremst und dem größeren Ganzen untergeordnet. Während in der ersten Staffel alles ein wenig zu schnell ging, entwickeln sich hier manche Plotteile langsam, nur damit sie besser mit anderen zusammenfinden. Immerhin gelingt es in der neuen Staffel deutlich besser, eine Geschichte über mehrere Folgen hinweg zu erzählen und ein Seriengefühl zu etablieren, das über die Stärke einzelner Episoden hinausgeht. Neue Charaktere werden eingeführt, sind mal länger und mal kürzer zu sehen und auch mal mehr und mal weniger gut eingebunden. Beispielsweise stellt das Auftauchen eines Naturheilers, der den Eltern eines krebskranken Jungen zu einer alternativen Therapie rät, interessante Fragen, doch das Potenzial wird schon alleine deswegen nicht ausgeschöpft, weil der Mann zweifellos als Scharlatan entlarvt wird. Das Plädoyer für den Weg der klassischen Medizin hätte stärker nachgewirkt, wenn der Heiler ambivalent dargestellt worden wäre, denn er reißt ein Thema an, das sicherlich in den kommenden Staffeln stärker bearbeitet werden wird: Welche Rolle spielen die familiären Verhältnisse in der Krankheitsgeschichte der Protagonistinnen und Protagonisten?

Bemerkenswert ist hingegen weiterhin der Wille zu unpopulären Entscheidungen. Nachdem Alex in Staffel eins recht unerwartet verstorben war, erscheint er den restlichen Mitgliedern des Clubs als eine Art Geist und spricht ihnen immer wieder Mut zu. Neu dazu kommt Kim (Nele Schepe), die mitten in ihrer Pubertät Brustkrebs bekommt. Sich in einem Alter, in dem die ersten Versuche in Sachen Liebe und Sex anstehen, die Haare abrasieren und mit einer Brust weniger auskommen zu müssen, ist eine Angelegenheit, der man sich ungerne stellt, die aber gerade deswegen angesprochen gehört. Dass „Club der roten Bänder“ die richtige Plattform für diese Art von Geschichten bietet, wird auch daran klar, dass Kim und Leo eine interessante Beziehung zueinander entwickeln und sich auf ganz außergewöhnliche Weise näher kommen.

Die wahre Kraft der Serie wird deutlich, wenn sie sich selbst zitiert – beziehungsweise Albert Espinosa. Das Buch, das zur Vorlage zahlreicher Serien auf der ganzen Welt wurde und in dem Espinosa seinen Werdegang beschreibt, lebt davon, dass es einen anderen Blickwinkel auf das Krankenhaus eröffnet und vielen schwer kranken Kindern und Jugendlichen bis heute eine Stütze ist. „Club der roten Bänder“ nimmt diesen Effekt auf und zeigt (wie es sich wohl auch im wahren Leben zutrug), wie sich durch Mundproganda ein Narrativ vom Club entwickelt, das neuen Patientinnen und Patienten dabei hilft, die eigene Situation besser zu verarbeiten.

Diese schönen und mutigen Seiten werden zum Ende hin dann aber doch wieder durch das „Zuviel“ getrübt, das schon aus der ersten Staffel bekannt ist. Das Problem dabei ist nicht, dass die Serie diese vielleicht sogar in der Realität geschehenen Ereignisse zeigt, sondern dass sie sie nicht richtig einordnet. Es geschehen Dinge, bei denen es nicht damit getan ist, einfach ein Auge zuzudrücken. Aber selbst diese Einordnung findet nicht statt, sodass eine Serie, die sich zuvor eine heilende Wirkung auf die Fahnen geschrieben hat, die Verantwortung dieser Aufgabe und die Vorbildfunktion für die Kinder und Jugendlichen vergisst. Schlussendlich sind es eher die kleinen, fast schon alltäglichen Gesten, die die größte Wirkung haben, das wäre die richtige Lehre für die Zielgruppe. Trotzdem wird es durchaus spannend sein, wie es mit der Serie weitergehen wird, denn soviel sei verraten: Das Finale hält genügend Cliffhanger bereit.

Fazit: „Club der roten Bänder“ bleibt sich treu, wird aber auch etwas erwachsener. Die Fokusverschiebung auf das Verhältnis zwischen dem Leben im und dem Leben außerhalb des Krankenhauses ermöglichen es, wichtige Fragen anzugehen, die vielleicht nicht neu, aber trotzdem wichtig sind. Die Fans der Serie werden sich kaum umstellen müssen, gute wie schlechte Trademarks bleiben erhalten. Neben den manchmal platten Dialogen fällt zum Ende der Serie auch wieder auf, dass manchmal Geschehnisse gezeigt werden, die an der Realität vorbeigehen und/oder für die junge Zielgruppe nicht richtig eingeordnet werden. Trotz der Schwächen bleibt „Club der roten Bänder“ eine willkommene Abwechslung in der deutschen Serienlandschaft, Staffel drei darf aber ruhig noch erwachsener werden.

Cover & Stills © VOX/Universum Film

  • Titel: Club der roten Bänder – Staffel 2
  • Produktionsland und -jahr: D, 2016
  • Genre:
    Drama
    Krankenhausserie
  • Erschienen: 23.12.2016
  • Label: Universum/VOX
  • Spielzeit:
    474 Minuten auf 3 DVDs
    474 Minuten auf 2 Blu-Rays
  • Darsteller:
    Luise Befort
    Ivo Kortlang
    Timur Bartels
    Damian Hardung
    Nick Julius Schuck
    Tim Oliver Schultz
    u.v.m.
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    1,78:1 (16:9 anamorph)
    Sprachen/Ton
    :
    D
    Untertitel:
    D
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    1,78:1 (1080i/25)
    Sprachen/Ton
    :
    D
    Untertitel:
    D
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite

Wertung: 10/15 dpt


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von Norman R Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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