Wolfgang Jeschke – Dschiheads (Buch)

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Wolfgang Jeschke - Dschiheads (Buch)2005 wurde Wolfgang Jeschkes Zeitreise-Erzählung „Das Cusanus-Spiel“ sowohl mit dem Kurd-Laßwitz-Preis als auch dem Deutschen Science Fiction-Preis ausgezeichnet. Jetzt ist sein neuer Roman „Dschiheads“ bei Heyne erschienen. Die futuristische Abenteuergeschichte wurzelt mit ihren Details, Anspielungen, Charakteren und Ereignissen in dem Konflikt von Wissenschaft und Religion. Eingeschlagen in die poetischen Darstellungen von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang des Planeten Hot Edge eröffnet sich ein Universum, das nach mehreren großen Glaubenskriegen einen fragwürdigen Frieden gefunden hat.

Auf Hot Edge leben die Dschiheads. Sie sind die letzten Gottesgläubigen. Nachdem sich die Menschheit in religiös motivierten Kämpfen beinahe ausgelöscht hatte, war die Wissenschaft dazu übergegangen, den Ursprung des Gottesglaubens zu untersuchen. Man fand ihn in einem Hirnareal und erklärte dieses vor dem Hintergrund der Glaubenskriege zum Defekt. Falls man dazu neigte, an Gott zu glauben, wurde einem nahegelegt, sich operieren zu lassen.

Auf dieser so sozialisierten Bühne erzählt Jeschke in seinem Roman die Geschichte zweier Wissenschaftler, der Exobiologen Ailif und Maurya, sowie die der Dschihead-Jungen Suk und Anzo. Dabei dreht sich alles zunächst um die Dongos, eine außergewöhnliche Wasserlebensform, die nur in Hot Edges gigantischem Fluss, der Lebensader des Wüstenplaneten, dem ‚Ontos‘ zu finden ist. Ailif und Maurya haben ihre abenteuerliche Forschungsfahrt angetreten, weil berichtet wurde, dass die Dongos eine Art von Kunst betreiben würden. Sollte das wirklich der Fall sein, so wäre dies ein sicheres Zeichen nicht-menschlicher Intelligenz. Aber sowohl den Dschiheads als auch der übrigen wissenschaftlich-aufgeklärten Bevölkerung scheint dieser Umstand ziemlich egal zu sein.

Während die Nachforschungen der Wissenschaftler neben den extremen Wetterbedingungen auch von anderer Stelle torpediert werden, gelangen Suk und Anzo in der technisch wie sozial rückständigen Dschihead-Enklave ebenfalls zunehmend in Schwierigkeiten. Ihr Oberhaupt, der Großarchon, ein fetter, tyrannisch-dummer Herrscher, der den Glauben seiner Schäfchen zum Machterhalt missbraucht, lässt mit Vorliebe Dongos hinrichten, um deren eigentlich ungenießbares Fleisch an die Gemeinde zu verfüttern. Der taubstumme Anzo protestiert bei einer dieser zelebrierten Schlachtungen vehement. Suk weiß um die besondere Verbindung seines Freundes zu den Flussbewohnern und stellt weitere Nachforschungen an, als Anzo und seine Mutter eines Tages aus der Gemeinde verschwinden.

Was Jeschkes Roman in erster Linie auszeichnet ist vielleicht schon in seinem Inhalt transportiert worden: Die Geschichte ist ein wunderbar zu lesendes Abenteuer mit interessanten Schauplätzen, einer soliden Historie im Hintergrund, die das Schicksal aller Charaktere und deren Weltsicht erläutert sowie einer interessanten Handlung im Vordergrund, die in wechselnden Perspektiven Suks, Ailifs und Mauryas Fahrt durch die Widersprüchlichkeiten und Unmenschlichkeiten menschlichen Verhaltens nachzeichnet. Dass in dieses Abenteuer eine dialektische Verhandlung von Wissenschaft und Religion tritt, kann man mitdenken. Aber dann wird schnell deutlich, dass hier nicht die Diskurse von Wissenschaft und Religion miteinander und gegeneinander kommunizieren. Jeschke pikt sich einige banale Details extremer Positionen heraus, steckt sie in den Sack und hofft darauf, dass der Leser es für Katze und Hund  hält, was da zappelt, obwohl es der Autor selbst ist, der schüttelnd alte Knochen bewegt.

Cover © Heyne

  • Autor: Wolfgang Jeschke
  • Titel: Dschiheads
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 08/2013
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 368
  • ISBN: 978-3-453-31491-7
  • Sonstige Informationen:
    Erwerbsmöglichkeit

Wertung: 10/15 dpt


Über den Autor

Christian Bischopink


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Aktuelle und ewige Lieblingszitate:

»I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser Gate. All those moments will be lost in time like tears in rain. Time to die.«
(Roy Batty, „Blade Runner“)

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Wolfgang Jeschke – Dschiheads (Buch)

von Christian Bischopink Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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