Hörbuch Magazin 01/2014 (Cover © Hörbuch Magazin/falkemedia)

Hörbuch Magazin 01/2014 (Magazin)

Hörbuch Magazin 01/2014 (Cover © Hörbuch Magazin/falkemedia)Nachdem das 2003 ins Rennen geschickte „BÜCHER“-Magazin aufgrund des Konkurses des Verlags VVA Kommunikation im Jahr 2010 beinahe unter die Räder geraten war, sprang der Kieler falkemedia Verlag geistesgegenwärtig in die Bresche, sodass das hochwertige Magazin seit 2011 alle zwei Monate weiterhin veröffentlicht werden konnte. Das seit 2007 bei falkemedia erschienene Heft „hörBücher“ wurde mit der dritten Ausgabe des Jahres 2011 sozusagen von BÜCHER  „geschluckt“, sodass dieses literarische Medium mittlerweile einen festen Bestandteil des „BÜCHER“-Magazins darstellt.

Den Machern lag es wohl am Herzen, nun, nach einiger verstrichener Zeit, eine reine Hörbuch-Ausgabe auf den Markt zu bringen, was wohl auch den Hörbuchfans gefallen dürfte, derer es inzwischen laut Christian Bärmanns Editorial mittlerweile unzählige, »so viele wie nie zuvor«, gibt: Allein 2013 seien 14,1 Millionen Hörbücher – nur die haptische CD-Form, wohlgemerkt! – über die Ladentheken gerutscht, und das dürfte nicht nur die Verlage beziehungsweise Labels erfreuen, sondern auch die zahlreichen Sprecher, die von der Nachfrage profitieren. Für den Verbraucher bedeutet das: Noch mehr Auswahl.

Und in der Tat sind Hörbücher ein idealer Begleiter im Leben. Man hängt Wäsche auf und ab, man erledigt den Haushalt, man ist alleine unterwegs, man erledigt ohne Gesellschaft monotone Arbeiten in seinem Job oder man möchte einfach nur mal abschalten – und bekommt dabei eine spannende Geschichte erzählt, die mit guten Vorlesern zu einem tollen Erlebnis mit Mehrwert werden kann.  Die Vielfalt ist riesig, und aus jedem Genre finden sich genügend Argumente gegen die vielerorts hartnäckig laut bleibenden Behauptungen, dass Hörbücher total langweilig seien. Dass man dabei ja fast einschliefe. Dass man abschweife. Dass die Sprecher so gelangweilt alles herunterleierten, sodass das Zuhören eine Qual sei.

Was sich selbstverständlich als Humbug herausstellt, wenn man sich in seinem Leben etwas mehr als oberflächlich mit dem Medium beschäftigt hat – oder schlichtweg das richtige in die Finger beziehungsweise zu Ohren bekommt. Im „Hörbuch Magazin“ stellen die Redakteure und Mitarbeiter eine Art Best of“ von insgesamt 350 Hörbüchern und Hörspielen aus allen erdenklichen Genres vor, und der Blick ins Heft zeigt, dass das Team seiner Linie treu bleibt: Nicht nur Rezensionen, sondern auch sonst interessante Inhalte zu bieten.

Sehr nett ist die Rubrik „Unterwegs hören“, in welcher im mehrseitigen Artikel „Ich packe meinen Koffer“ Hörbücher für jede Reiselänge und für jede Stimmungslage empfohlen werden, schön in grobe Spielzeitbereiche (2-3 Stunden, 4-5 Stunden etc.) unterteilt – und auch ein Nischenprodukt, nämlich Reisehörbücher, werden in diesem Heftteil etwas näher unter die Lupe genommen. Spannend ist auch, was die Literaturwissenschaftsstudentin Rita Gravert erzählt, denn die bessert sich ihr Gehalt in den Sommerferien in Schleswig-Holstein auf den Rapsfeldern auf und könnte sich ihre dortige Arbeit ohne Geschichtenerzähler im Ohr gar nicht mehr vorstellen.

Im weiteren Verlauf des über hundertseitigen Magazins finden sich quer durch die Ausgabe verteilt immer wieder unter dem Banner „Große Stimmen“ Interviews und Portraits namhafter Sprecher wie zum Beispiel Andreas Fröhlich, Maria Koschny, Christian Brückner, Martin Baltscheit, Laura Maire oder dem Sitmmchamäleon Stefan Kaminski – und hierbei ist auch das Quiz, in welchem man Sprecher ihren Prominenten zuordnen soll, für die sie auch die Synchronstimme liefern, recht unterhaltsam.

Auch ein paar Special-Interest-Themen bekommt der Leser geboten: Charles Dickens‘ Figuren wie Oliver Twist und Konsorten bekommen einen interessanten Artikel spendiert, in welchem diverse Hörbuch- und Hörspielversionen miteinander verglichen werden. Die Herstellung der limitierten, bei „der Hörverlag“ erschienenen Vinyl-Edition von J. R. R. Tolkiens „Der Hobbit“ liest sich ebenfalls sehr interessant, und des Weiteren befasst man sich mit Tierhelden in Kinderbüchern, Crowdfunding, Autorenlesungen und zahlreichen anderen Themen (gekürzte oder vollständige Lesung?), die sonst nicht unbedingt den Mittelpunkt der Pressearbeit darstellen.

Und da die Hörbuchbranche mittlerweile den Downloadmarkt für sich erobern konnte, hat sich das Team mal einige der Downloadplattformen genauer angeschaut und legt die Positiva und Negativa von Anbietern wie Höbu.de oder dem amazon-Ableger audible auf den Tisch. Doch im Netz finden sich natürlich nicht nur Bezahldownloads, sondern vielerorts – völlig legal – kostenlose Hörbuch- und Hörspieldownloadmöglichkeiten, und die interessantesten davon werden auf einer Doppelseite vorgestellt.

Die Rezensionsblöcke sind thematisch, sofern das überhaupt möglich ist, ein wenig getrennt, und so wird der belletristische Bereich unter „Erzählungen & Romane“ behandelt, und auch Krimis/Thriller, Kinder-/Jugendbücher sowie Hörspiele sind in einer jeweils eigenen Section zu finden, stets umgeben von thematisch ähnlich gelagerten redaktionellen Inhalten. Und hier wird auch eine weitere Nische etwas intensiver beäugt, nämlich die Lyrik, die in hörbarer Form doch eher ein Exot unter den audioliterarischen Medien ist.

Bei den Rezensionen fällt auf, dass diese eine einheitliche Länge aufweisen und ohne ein Gramm Fett ausreichend das mitteilen, was das jeweils besprochene Hörbuch/Hörspiel zu bieten hat. Sicherlich ist das, gerade wenn man von ausführlicheren Rezensionen im Onlinebereich verwöhnt ist, ein klein wenig gewöhnungsbedürftig, zumal man dann immer ein wenig das Gefühl hat, als fehle noch etwas, doch der Platz für Text ist im Printbereich endlich, und die Schreiber bemühen sich in jedem einzelnen Review, das zu Sagende auf den Punkt zu bringen. Und das tun sie zweifellos mit Professionalität, Kompetenz und vor allem bodenständig, ganz ohne auf die Nasenspitze geschobene Lesebrille und oberlehrerhaftem Zeigefinger, sondern menschlich, echt und ein Stückweit auch als wahrer Fan des Mediums, mit einem gesunden Maß an Subjektivität. Das Layout ist durch die Rezensionslänge sehr ruhig  und gibt das Wesentliche wieder: Autor, Name, Sprecher, kleines Cover und unter dem Text dann Verlag, Art, Dauer und Anzahl der Medien sowie der Preis. Eine richtig tolle Idee ist allerdings der grundsätzlich angebrachte QR-Code unter jeder Besprechung – mit diesem gelangt man per Smartphone oder Tablet plattformunabhängig direkt zu den jeweiligen Hörproben, sodass man sich die Suche im Internet sparen kann und bei Neugier in nur wenigen Sekunden auch etwas fürs Ohr parat hat.

Dem Heft liegt eine MP3-CD bei, auf welcher man das ungekürzte, von Uta Kroemer ansprechend vorgelesene Hörbuch von Gustave Flauberts „Madame Bovary“ vorfindet, welches über dreizehn Stunden Hörgenuss bietet. Zusätzlich darf man sich auf weitere neun Stunden kostenlosen Hörstoff im Wert von normalerweise rund 45 Euro freuen, den man sich allerdings erst downloaden muss – dank der unkomplizierten Verwendung der Gutscheincodes ist es aber kein allzu großer Aufwand, sich die Werke auf den heimischen Rechner zu laden, darunter „BGB. Das Beste aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch“, welches durch Christoph Maria Herbst zu einer unterhaltsamen Angelegenheit mutiert, oder etwa die erste Folge der von Mario Giordano erschaffenenen „Cotton Reloaded“-Reihe, die von „Castle“-Sprecher Tobias Kluckert gelesen wird.

Diese Sonderausgabe ist somit eine nahezu perfekte Investition oder das beste Geschenk für den Freund der gesprochenen Literatur, denn in ebenjenem Bereich tut sich gerade seit den letzten zwei Jahren unglaublich viel. Auch in haptischer Hinsicht ist das „Hörbuch Magazin“ ein tolles Erlebnis: Die Klebebindung ist solide und lesefreundlich, denn die Heftmitte bleibt im Gegensatz zu anderen Magazinen mit solcher Bindung flexibel, sodass das Heft beim Hinlegen nicht wieder zuklappt oder teilweise von selbst umblättert. Der Umschlag ist kräftig und die Hochglanz-Heftseiten sind angenehm dick und unterstreichen die Hochwertigkeit dieses Druckwerks ungemein. Sämtliche Qualitätskriterien wie Inhalt, Vielfalt, Qualität, Beschaffenheit und dergleichen werden erfüllt, sodass der Kaufpreis von 5,90€ eigentlich ein Witz im positiven Sinn ist.

Sucht man Haar in der Suppe, so ist dieses schnell gefunden: Auch wenn die Werbung sich farblich deutlich vom Rest des Heftes abhebt, irritiert das Layout derselben oftmals, denn diese orientiert sich großteilig ein wenig an den Rezensionsteilen und wirkt eher wie ein zum eigentlichen Inhalt gehörenden Special. Daran sollte man in Zukunft eventuell noch feilen und so die Verwirrung auf null reduzieren. Doch das ist letztendlich Meckern auf allerhöchstem Niveau. Und mal frech ein oder zwei Seiten mit den schlimmsten vergangenen und aktuellen Audioproduktionen zu widmen, wäre auch nicht verkehrt gewesen.

Doch ansonsten, das ist unbestreitbar, sollte, nein, muss  jeder Hörspiel- und Hörbuchliebhaber, der zum Lesen und zu Informationszwecken etwas „Richtiges“ in der Hand halten möchte, sich dieses journalistische Goldstück sichern.

Cover © falkemedia/Hörbuch Magazin

Wertung: 14/15 dpt