Tom Angleberger - Papp Jabba greift an (Cover © Lübbe/Baumhaus)

Tom Angleberger – Papp Jabba greift an (Buch)

Tom Angleberger - Papp Jabba greift an (Cover © Lübbe/Baumhaus) Die Rektorin der McQuarrie-Mittelschule, Mrs. Rabbski, beklagt in ihrer Ansprache, dass die Schüler im vergangenen Jahr die Minimalanforderungen des staatlichen Lernfortschrittstests erstmals nach acht Jahren nicht mehr erfüllen konnten. Sie wurde zu Maßnahmen gezwungen. In der Schule wird zur Steigerung der Lerneffizienz auf Hinarbeit des Schulausschusses von Lucas County in Zusammenarbeit mit EduFunTM das neue Lernsystem ‘LernSPASS’ eingeführt. Doch der Preis dafür ist hoch: Alle AGs werden abgeschafft.

Die McQuarrie-Schüler der sind allerdings nicht nur deswegen entsetzt. Denn LernSPASS erweist sich als die absolute Katastrophe – die Schüler sollen nun anhand Lern-DVDs motiviert werden, und das Glotzen in die Mattscheibe soll nun die richtige Lösung sein. Als wäre ein seltsamer Professor namens Professor LernSPASS niccht schon schlimm genug – nein, dieser nervtötenden Figur wurden noch ein singender Taschenrechner und ein tanzendes Wörterbuch zur Seite gestellt. Ein schief und grausig singender Taschenrechner. Ein billig animiertes, lächerlich tanzendes Wörterbuch. Kurz: Furchtbarer, ätzender, liebloser Murks, der die Schüler in gefühlter Überschallgeschwindigkeit verblöden lässt.

Doch die Schüler sinnen auf Rebellion, und die Tatsache, dass Sonderling Dwight Tharp und sein weiser Origami-Yoda endlich wieder von der Tippett Academy (auf welcher er die Schüler schon längst mit seinen von Star Wars inspirierten Falzfiguren infiziert hat) zur McQuarrie-Schule zurückkehrt, kommt den LernSPASS-Opfern gerade recht, und so versuchen sie gemeinsam mit ihm, gegen diese unfassbar dämliche Neuerung vorzugehen. Selbst Erzfeind Harvey, der sonst kein gutes Haar an Dwight lässt und ihn gerne auch lächerlich macht, schließt sich den Rebellen an. Nun versuchen sie alle mit Hilfe von Origami-Yoda, Darth Paper, Königin Origamidala, Falzi-Wan Kenobi, Falt2-D2 und zahlreichen Falt-Ewoks gegen das unbesiegbar erscheinende Rabbski-Imperium anzukämpfen. Doch was treibt denn auf einmal dieser Papp Jabba hier? Wo kommt der nun wieder her?

Wie gewohnt in Form von Fallstudien, welche von den Schülern Kellen und Tom angelegt und durchgeführt werden – ab und zu auch mal durch Briefe und E-Mails aufgelockert -, kommen zahlreiche Schüler,  auch die beiden selbst, zu Wort, und auch von Gesprächen mit der Rektorin wird berichtet. Und natürlich muss Harvey zu allem, aber auch wirklich allem seinen Senf dazu geben – und bekommt in weiteren Kommentaren natürlich deftig Contra.

Auch die restlichen optischen Merkmale der Buchreihe bleiben gleich: Der Seitenhintergrund hat den bewährten Knitterlook, und die Illustrationen von Jason Rosenstock und dem Autor Tom Angleberger sind wunderbar krakelig und unperfekt, schrill und zuweilen übertrieben. Jede Buchfigur hat ihre eigene Schriftart, sodass man auch oder gerade als Jungleser sehr schnell einen Überblick über die doch nicht gerade wenigen Charaktere gewinnt.

Waren der zweite und der dritte Teil – das zuletzt erschienene Origami-Yoda-Bastelbuch war mehr oder minder ein Schmankerl – storytechnisch nicht mehr ganz so ergiebig, so schließt “Papp Jabba greift an” qualitativ wieder an den Erstling an, und es ist für den Leser köstlich amüsant, wie sich diese Schüler aufregen. Die Dialoge sind spritzig, frech und strotzen vor erfrischendem Humor, und gerade was die Situationskomik betrifft, hat Angleberger eine ganze Schippe draufgelegt. Doch auch bezüglich markiger Sprüche hat man das Gefühl, dass diese mehr geworden sind – nicht selten lacht man herzhaft, wenn mal wieder ein verbaler Schlagabtausch stattfindet oder absurdeste Vergleiche angestellt werden.

“Papp Jabba greift an” wirkt unverkrampft, frei von der Leber weg geschrieben und erzählt dennoch eine Geschichte, die sehr gut wichtige gesellschaftliche Werte propagiert: Zusammenhalt und Freundschaft, Fairness und das Denken als erster Schritt. Auch wird sowohl dem jungen Leser als auch dem pädagogisch interessierten erwachsenen Leser clever signalisiert, dass kein Bildschirm der Welt soziale Kontakte ersetzen kann und somit auch keine DVD einen dynamischen Unterricht mit einem Menschen aus Fleisch und Blut, der seine Schüler wahr- und ernst nimmt.

Die einerseits verspielte, andererseits übertriebene Erzähl- und Illustrationsart und die vielen Anspielungen an sowie Adaptionen von Star Wars bereiten viel Spaß, und die individualistisch-nerdige Note der Origami-Yoda-Reihe beweist: Anders sein als die anderen, sich selbst nicht verleugnen, das sind Dinge, die ein Segen sind, kein Fluch – denn nur weil jemand anders tickt, ist er nicht aus irgendwelchen Gründen zu meiden oder ins Lächerliche zu ziehen. Nein, vielleicht ist die besondere, zuweilen eigenartige Art eines Menschen eher bereichernd für einen selbst, sofern man einfach bereit ist, sich auf ihn einzulassen.

“Papp Jabba greift an” endet mit den fiesesten Worten, die man sich nur vorstellen kann: »Fortsetzung folgt« … und da wird man doch glatt auf die Folter gespannt, um wen es sich bei diesem mysteriösen Jabba wirklich handelt. Wir werden es in “Prinzessin Origami-Leia – Rettung in Sicht!” erfahren, welches voraussichtlich im Januar 2015 erscheinen und das vorletzte Origami-Yoda-Werk sein wird. Denn der noch nicht übersetzte, in den USA im August 2014 erschienene sechste Teil “Emperor Pickletine Rides The Bus”, so kann man es auf der Homepage zur Buchreihe bereits lesen, wird diese Reihe zum Abschluss bringen.

Somit gibt es bei diesem Band nichts Besonderes zu kritisieren – außer zum einen der manchmal etwas unglücklichen, allerdings offenbar nicht allzu einfach umzusetzen gewesenen Übersetzung von Dietmar Schmidt, und zum anderen das Lektorat, das bei diesem Origami-Yoda-Teil nicht ganz so aufmerksam gewesen zu sein scheint. Allerdings sind diese beiden Kritikpunkte beileibe keine solchen, als dass sie dieses Buch ernsthaft qualitativ unter den Überdurchschnitt drücken würden. Im Gegenteil: Wer diese Serie zu schätzen weiß, muss sich auch “Papp Jabba greift an” ins Regal stellen, denn bereuen wird er es keinesfalls.

Cover © Lübbe/Baumhaus

 

  • Autor: Tom Angleberger
  • Titel: Papp Jabba greift an
  • Teil/Band der Reihe: 4 von 6
  • Originaltitel: The Surprise Attack of Jabba the Puppet
  • Illustratoren: Tom Angleberger, Jason Rosenstock
  • Übersetzer: Dietmar Schmidt
  • Verlag: Lübbe/Baumhaus
  • Erschienen: 13.03.2014
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 224
  • ISBN: 978-3-8339-0229-1
  • Sprache: (bei nicht-deutschen Büchern, sonst weglassen)
  • Sonstige Informationen:
    Wie immer mit diversen Bastelanleitungen
    Produktseite beim Verlag

Wertung: 12/15 dpt