Oculus – Das Böse ist in DIR (Spielfilm, DVD/Blu-Ray)

Oculus_BD_Bluray_888430858091_2D-750x957Sorgte im thematisch ähnlichen “Amityville V – Face of Terror” eine antike Wanduhr für den mobilen Schrecken, ist es in “Oculus” ein großer Spiegel, der Kaylie und Jim Russel die Jugend versaute. Das vermutet zumindest Kaylie, die ihren Bruder, elf Jahre nach seiner Einweisung, aus psychiatrischer Verwahrung abholt. Um seine Psyche gleich wieder einem Stresstest zu unterziehen. Denn Kaylie treibt es in ihr ehemaliges Elternhaus, in dem vor über einem Jahrzehnt Familie Russel ihre brutale Auflösung erlebte. Der Spiegel, der laut Kaylie an dem Desaster Schuld sein soll, hängt wieder an seinem Platz, um ihn herum Kameras und Sicherheitsmaßnahmen, falls Kaylies Experiment fatale Folgen zeitigen sollte. 

oculus_size_1000Den skeptischen Bruder im Schlepptau, der die düstere Familientragödie am liebsten hinter sich lassen würde, beginnen die Geschwister eine (fast) lückenlose Überwachung. Und müssen sich ihren Dämonen und Halluzinationen stellen.
Parallel dazu wird gezeigt, was die an und für sich freundliche Familie elf Jahre zuvor aufmischte, ansatzlos werden die Zeitebenen gewechselt, bis am Ende eine Art Synchronizität entsteht.

“Oculus” gehört zur Riege aktueller Horrorfilme, die weniger einen Blutrausch zelebrieren, als auf wohligen Grusel abzielen, der sich durch Realitätsverschiebungen ankündigt und in diesen kulminiert. “The Conjuring”, “Sinister” und “Insidious” sind landesweit in den Kinos gelaufen, leider gilt das nicht für den wunderbaren “The Awakening” (den man nicht genug loben kann) und Ti Wests ebenfalls sehenswerten “The Innkeepers”.

oculus-141120Mike Flanagan präsentiert die lange Version seines eigenen Kurzfilms “Oculus: Chapter 3 – The Man With The Plan” (der sich als Bonus auf der Disc befindet) ohne allzu grelle Schockmomente, überlässt Spiegel und Haus lieber seinen Schauspielern und dem Wechsel von Wahn und Wirklichkeit in zwei Zeitzonen. Zwar verschenkt er ein paar mögliche szenische Glanzpunkte, hält aber das Interesse an der dicht verwobenen Geschichte, nicht nur durch kleine gezielte und schmerzhafte Spitzen, weitgehend wach. Fast dankbar ist man auf den Verzicht allzu eklatanter “Ring”-Anleihen, nervtötendes Zeitraffer-Gehopse und wild zerfaserndes Haargeflecht bleiben aus. Gruselig ist allerdings Karen Gillans mittelgescheitelte Föhn-Frisur. Ob sie den Hairstylisten verklagt hat, ist nicht bekannt, in “Guardians Of The Galaxy” zog sie konsequenterweise blank (den Kopf, ihr Schmutzfinken).

Oculus_79Neben dem ausgefeilten, sequenziell etwas zu aufdringlichen, Musik- und Sounddesign, sind die Schauspieler das große Plus des Films. Katee Sackhoff, eben noch im erotischen Clinch mit Riddick und als feuchter Traum bei “The Big Bang Theory”, zeigt als – ziemlich junge – Mutter Russel Mut zur Hässlichkeit, Rory Cochrane, nach seinem frühen Ausstieg bei “CSI: Miami” nicht wirklich durchgestartet, überzeugt als Jack Nicholsons kleiner, unaffektierter Bruder im verwirrten Geiste, Brenton Thwaites spielt ebenso solide den labilen Skeptiker Jim und Karen Gillan (verzeiht dem Coiffeur) gewinnt des Doctors Amy Pond eine finstere Variante ab. Ihre Mischung aus Unschuld und fast manischer Hartnäckigkeit trägt den Film ebenso wie Katee Sackhoffs körperlicher und geistiger Zerfall. Auch die jugendlichen Stellvertreter der Geschwister, Annalise Gasso und Garrett Ryan, bleiben angenehm bodenständig.

Oculus_48“Oculus” lässt sich Zeit, hält lange offen, ob der Spiegel tatsächlich eine Pforte zur Welt des Übernatürlichen ist oder nur Wahnvorstellungen, möglicherweise beruhend auf einem nicht näher benannten zwangsweisen Umzug,  die arg gebeutelte Familie Russel heimsuchen. Gelungener Schachzug ebenfalls, den gerade aus psychiatrischer Obhut entlassenen Jim, explizit als Stimme der Vernunft auftreten zu lassen. So hält “Oculus” die Waage zwischen Psycho-Horror und Geisterspuk recht gekonnt, je nach Lesart bleibt eine rationale Erklärung bis zum Abspann eine Option.

Ein paar stimmungsvolle Schocks, wie die ewig gleiche Stimme am Telefon, wenn  man im Bann des Spiegels telefoniert – egal ob mobil oder im Festnetz, werden leider holprig verschenkt, die genreimmanente Unlogik ist nicht von tragischer Natur. So bleibt am Ende ein beschaulicher Gruseler für einen verregneten Abend oder Herbsttag. Mit einem dezent blutigen Finale, das sich zwar lange ankündigt, aber trotzdem überraschend kommt.

Die Boni der Blu-Ray sind gehobener Standard, die Deleted Scenes zeigen, dass sie nicht zu Unrecht verschwunden sind, das ‘Making Of’ ist wie üblich etwas für Komplettisten und Fans, die ursprüngliche halbstündige “Oculus”-Version im Original beizupacken ist ein feiner Zug.  

Bei rund fünf Millionen Dollar Herstellungskosten und bislang über vierzig Millionen Einspielergebnis, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis “Oculus 2” gedreht wird. Noch ziert sich Mike Flanagan. Vielleicht eine weise Entscheidung.

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Cover & Szenenfotos © Universum Film

  • Titel: Oculus – Das Böse ist in DIR
  • Originaltitel: Oculus
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2013
  • Genre:
    Mystery, Horror, Psycho-Drama
  • Erschienen: 04.12.j2014
  • Label: Universum Film
  • Spielzeit:
    100 Minuten auf DVD
    104 Minuten auf Blu-Ray
  • Darsteller:
    Karen Gillan
    Brenton Thwaites
    Katee Sackhoff
    Rory Cochrane
  • Regie: Mike Flanagan
  • Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard
  • Kamera:  Michael Fimognari
  • Musik: Newton Brothers
  • Extras:
    Making Of
    Deleted Scenes
    Original Kurzfilm
    Audiokommentar von Mike Flanagan und Trevor Macy
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    2,35:1 (16:9 anamorph)
    Sprachen/Ton
    :
    D, GB/DD 5.1
    Untertitel:
    Deutsch für Hörgeschädigte
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    2,35:1 (1080p/24)
    Sprachen/Ton
    :
    D, GB/DTS-HD 5.1
    Untertitel:
    Deutsch für Hörgeschädigte
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 9/15 dpt