Doctor Who – Die fünf Doktoren (TV-Serie, DVD)

doctorwho_fivedoctors_artwork_ohnefsk-bnerdsSteht ein runder Geburtstag ins Haus, lädt der Doktor sich gerne Gäste ein – und sei es sich selbst in mehreren Ausführungen. Waren es beim zehnten Jubiläum noch drei Doktoren, so trifft zum zwanzigsten Geburtstag Dr. Who gleich fünfmal auf seine Alter Egos. Wobei ein wenig getrickst werden musste.  

Denn William Hartnell, der Darsteller des ersten Doktors starb bereits 1975, acht Jahre vor der Geburtstagsfeier. So taucht er nur in einem Archiv-Clip zu Beginn auf und wird im fertigen Film von Richard Hurndall gespielt, der seine Sache gut macht, wobei ihm Carole Ann Ford, die originale Enkelin Susan, als Companion hilft.  Bedauerlich auch die Tatsache, dass Tom Baker, die seinerzeit populärste (und bis heute langlebigste)  vierte Inkarnation des Doktors seine Mitarbeit am doctorwho_fivedoctors_szenenbild_06Serienspecial verweigerte. Hier behalf man sich mit einem Ausschnitt  aus der nie vollendeten und ausgestrahlten „Shada“-Episode (immerhin von Douglas Adams geschrieben), in deren kurzem Verlauf der vierte Doktor entführt wird und in einer Zeitschleife stecken bleibt. So treffen zum Showdown nur vier reguläre Doktoren aufeinander, um gemeinsam ihre Schlacht zu schlagen.   

doctorwho_fivedoctors_szenenbild_11Die Handlung des ursprünglich neunzigminütigen Specials ist recht übersichtlich, besitzt aber in den Verästelungen wieder geradezu surrealistische Dimensionen. Dr. Who wird  in die Todeszone seines (damals noch existierenden) Heimatplaneten Gallifrey teleportiert, um für einen rätselhaften Hintermann das Spiel des großen Rassilon siegreich zu beenden. Dafür scheinen alle verfügbaren Doktoren und eine Vielzahl an menschlichen Begleitern nötig zu sein. Plus des abtrünnigen Master-Timelords, der diesmal – trotz Anfangsverdachts – nicht den Oberschurken abgibt. Stattdessen muss er diesmal etliche Schikanen über sich ergehen lassen.

Am Ende des Spiels scheint auf den Sieger die Unsterblichkeit zu warten. Doch es werden ganz andere Lehren gezogen werden. Geradeso wie man es von einer besonderen „Dr. Who“-Folge erwartet.

doctorwho_fivedoctors_szenenbild_02Was man auch erwartet, ist der Auftritt beliebter Pro- und Antagonisten:  Von den Daleks hatte diesmal nur einer Zeit, der ist aber schwer mit sich selbst beschäftigt. Die Cybermen (in der damaligen Synchronisation putzigerweise „Kübermänner“ ausgesprochen), 1983 noch in knautschigen Raumanzügen und mit etwas breiteren Metropolis-Stahlköpfen, marschieren wie gewohnt in größerer Zahl durchs unwirtliche Gelände. Den Master hatten wir schon und Roboterhund K-9 bekommt nur einen Kurzauftritt. Dafür taucht Bessie auf, des dritten Doktors gelber Oldtimer,  der zottelige, braune Yeti darf den zweiten Doktor (Patrick Troughton) und den Brigadier (Nicholas Courtney) begrapschen, als potenziell gefährlichster Gegner entpuppt sich aber der ‚Raston-Roboter‘, ein gesichtsloses Wesen, dessen gesamter Körper eine Waffe ist und der sich in Lichtgeschwindigkeit bewegen kann. D.h. mal ist er da und mal nicht. Wenn er sichtbar ist, metzelt der androide Wunder-Ninja seelenruhig Cybermen nieder, während er die Doktoren unbeschadet ziehen lässt.

Doctor Who 6K The Five DoctorsUm es kurz zu machen, die Handlung entzieht sich weitgehend irdischer Logik, die Innenaufnahmen sind von der typisch britischen, das digitale Zeitalter vorwegnehmenden, antiseptischen Schärfe, die diesen Szenen eine sehr theaterhafte Atmosphäre verleiht. Draußen geht es weit rustikaler zu. Wales im Winter verleiht der Todeszone tatsächlich ein wenig freundliches Antlitz. Die Effekte sind der 80er-Standard des liebgewonnen Heimwerker-Wahnsinns.  

Es gibt ein paar nette Überraschungen, viele Insider-Gags und ein wenig Tiefsinn im Vorbeigehen. Das Spiel des Rassilon besitzt seine eigenen Regeln, die man befolgen kann oder auch nicht, irgendetwas wird sicherlich herauskommen. Womit wir bei den legendären Szenen wären.

Zu denen gehört das tödliche Schachbrett (Inspiration für Joanne K. Rowling?), das man auf dem Weg zum Sarkophag Rassilons überqueren muss. Vielleicht ist „muss“ das falsche Wort, das Schachbrett ist jedenfalls da und es ist gefährlich. Cybermen fallen darauf um wie elektrogeschockte Fliegen, Master, Doktor und Companion kennen die sichere Trittkombination, die sich allerdings nach jeder Überquerung willkürlich ändert.  

doctor who-dont-forget-me-L-FK_9ewEin weiteres Highlight ist der Abhang, den Sarah Jane vor Todesangst bebend herunterrollen muss. Elisabeth Sladen gibt sich sehenswert alle Mühe, dies gefährlich aussehen zu lassen, und der herbeieilende Doktor Nr. 3 benötigt auch ein Seil, um Sarah heil zu sich hoch zu ziehen. Dabei bleibt nie verborgen, dass der mörderische Abhang ungefähr so lebensbedrohlich ist wie jener hinterm Elternhaus, der uns in Kindertagen als Purzelbaumfläche diente. Sarah Jane hätte ihn  bequem hinaufstapfen können. Ein Umstand, den Regisseur Peter Moffatt in den Bonusszenen gerne zugibt.

Des Kastellans „no, not the mindprobe“-Szene ist ebenfalls von großer Eindringlichkeit und dürfte Nicholas Cages unvergesslichen „not the bees“-Monolog im schwerverdaulichen „Wicker Man“-Remake beeinflusst haben.

doctorwho_fivedoctors_szenenbild_04„Die fünf Doktoren“ ist Jubiläumsepisode, Geburtstagsfeier und Klassentreffen in einem, ein Fest für Freunde und Fans des Doktors und Herausforderung für alle jene, die den klassischen Dr. Who (beziehungsweise mehrere davon) vor Christopher Eccleston kennenlernen möchten. Gleichzeitig ist das Serienspecial auch ein Ausflug in die TV-Historie, der zeigt wieviel sich in den letzten dreißig Jahren auf nahezu jeder Ebene verändert hat. Der Charme des Whoniversums ist indes gleich geblieben.  

In der vorliegenden Veröffentlichung in gewohnt opulenter Aufmachung. Der Film ist auf zwei DVDs gleich dreimal vertreten: Zum einen in der originalen, neunzigminütigen Version, zum zweiten in der auf fünfundsiebzig Minuten gekürzten deutschen Variante sowie in der gut hundert Minuten langen Special Edition aus dem Jahr 1995.

Dazu gibt es zwei verschiedene Audiokommentare, plus ein ‚Easter Egg‘, in dem David Tennant, der zehnte Doktor, den Film launig co-kommentiert. Außerdem kann man die Soundtrackspur isoliert laufen lassen. Ja nun, warum nicht?

Doctor Who 6K The Five DoctorsAuf der dritten DVD befinden sich ausschließlich Bonusfeatures. Zur Originalausstrahlung und der neu bearbeiteten Version. Fernsehauftritte der Doktoren (besonders natürlich des damals aktuellen fünften Doktors, Peter Davison) und einzelner Companions in diversen TV-Shows; Dokumentationen über Produktion, Macher, Hintergründe und Darsteller. Gut fünfeinhalb Stunden, mal mehr, mal weniger, relevanter Einblicke in das pop-kulturelle Phänomen „Dr. Who“, dessen Ausmaß selbst die Macher überraschte. So rechnete man bei der Dr. Who-Celebration  im Longleat House in Warminster mit maximal 10000  bis 15000  Besuchern täglich. Es kamen jeweils über 35000. 

doctorwho_fivedoctors_szenenbild_10In Deutschland konnte sich der Doctor in größerem Rahmen nie richtig durchsetzen. Das Interesse ist mit der Wiederaufnahme der Serie 1998 zwar gestiegen, auch dank der Verfügbarkeit vieler Folgen bei diversen Online-Portalen, aber ein Whomania gab es hierzulande nie.

Es ist den Veröffentlichungen von Pandastorm (und an anderer Stelle Polyband) zu verdanken, dass tiefere Einblicke in die Geschichte der langlebigsten Science-Fiction-Serie der Welt möglich sind. So reihen sich auch „Die fünf Doktoren“ in die  Phalanx der lobens- und lohnenswerten Veröffentlichungen auf DVD für den Heimkinomarkt ein.

Vor allem für jene Zuschauer, die ein bisschen „bingle, bongle, dingle, dangle, yikedidu, yikedida, ping pong, lipitapituta“ und besonders „reverse the polarity of the neutron flow“ mögen.

Kleiner Gag am Rande: Um bei den Fotosessions zum Special komplett zu sein, wurde der unwillige Tom Baker durch sein Replikat aus Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett ersetzt. „Cheese“, sagt der Doctor. Doch er lächelt nicht. Typisch Dr. Who eben.

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Cover & Szenenfotos © Pandastorm Pictures

  • Titel: Doctor Who – Die fünf Doktoren
  • Originaltitel: Doctor Who – The Five Doctors
  • Produktionsland und -jahr: GB, 1983
  • Genre:
    Science Fiction, Komödie
  • Erschienen: 28.08.2015
  • Label: Pandastorm Pictures
  • Spielzeit:
    Rund 500 Minuten auf 3 DVDs
  • Darsteller:
    Peter Davison
    Richard Hurndall/William Hartnell
    Patrick Troughton
    Jon Pertwee
    Tom Baker
    Janet Fielding
    Mark Strickson
    Carole Ann Ford
    Nicholas Courtney
    Elisabeth Sladen
  • Regie: Peter Moffatt
  • Drehbuch: Terrance Dicks
  • Extras:
    Booklet mit Vorwort von Terrance Dicks (Drehbuch)
    Special Edition Version aus dem Jahre 1995 (100 Min.), Deutsche TV-Fassung (75 Min.)
    Featurettes: „Freudenfest“ (52 Minuten), „Die Fäden, die uns verknüpfen“ (16 Minuten), „Fünf Doktoren, ein Studio“ (19 Minuten), „Nicht so spezielle Spezial-Effekte“ (9 Minuten), „Saturday Superstore“ (11 Minuten), „Blue Peter“ (8 Minuten), „Nationwide“ (9 Minuten) und „Breakfast Time“ (3 Minuten), Outtake-Video (7 Minuten), TV-Clips (19 Minuten)
    Bildergalerien, Radio-Listing, Outtakes
    Audiokommentare, Infotext, uvm.
  • Technische Details (DVD)
    Sprachen
    :
    D, GB
    Untertitel:
    D, GB,
    Video:
    1,33:1 / 4:3
    Audio:
    Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0, DD 5.1
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite zum Film

Wertung: 10/15 dpt