Stefan Meschs Blogfragen, beantwortet von ein paar booknerds

Stefan Meschs #blogfragen für Buchblogger: Unsere Antworten auf (mindestens) 15 Fragen ‚zum Mitnehmen und Beantworten‘.

Stefan Meschs Blogfragen, beantwortet von ein paar booknerdsDer umtriebige Journalist und Literaturblogger Stefan Mesch hat jüngst einen feinen Fragenkatalog für Buchblogger zusammengestellt, welchen er zur freien Verfügung zum „Mitnehmen“ auf seinem Blog veröffentlicht hat. Einige Blogger*innen haben bereits geantwortet, darunter SchöneSeiten, lust zu lesen, Jochen Kienbaum von lustauflesen.de, Sophie Weigand von Literaturen sowie Muromez. Da wir ja auch irgendwie in der Buchbloggerszene festhängen, dachten wir uns, das könnte bei einem Team wie dem unseren doppelt spannend werden.

So dachte sich Chris Popp dieses Mal, die Fragen nicht nur selbst zu beantworten, sondern auch ein paar Mitschreiber dazu zu animieren – Dominik Nüse-Lorenz‘ Antworten sind insofern interessant, weil er vor booknerds.de bereits presseseitig aktiv war, und Laurent Piechaczeks Antworten (er betreibt übrigens auch ein eigenes Blog) sind zum Teil herrlich widerborstig. Ebenso hat sich Film- und Serienfan Norman R. der Fragen angenommen und diese ein wenig den audiovisuellen Medien angepasst.

Klickt einfach auf den entsprechenden der folgenden Namen, um zu den jeweiligen Antworten zu gelangen.

Das Lieblingsbuch meiner Mutter:

Dominik Nüse-Lorenz: Pearl S. Buch – Ostwind – Westwind

Das Lieblingsbuch meines Vaters:

Jan Assmann – Moses, der Ägypter

Ich führe einen typischen Buchblog, weil…

Ich führe ihn nicht, aber ich schreibe für einen typischen  Buchblog, weil er im Vergleich mit vielen anderen vielleicht nicht typisch ist, von meinem Anspruch aber ein typischer selbiger ist. Hier wird den Büchern zugehört, hier gibt es keine Gefühlsduselei, sondern Rezensionen, in denen man sich Zeit und Platz nehmen kann, um dem gerade zu rezensierenden Buch so gerecht wie möglich zu werden.

Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

s.o.

Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…

ich nicht jedem Buch gerecht werden kann und dass die Literatur, selbst nach einem Germanistik-Studium und egal, wie viele Bücher ich vor die Nase bekomme, nichts von ihrer Magie verloren hat.

Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Amazon-Rezensionen, egal ob gekauft oder subtil eingefordert, helfen Verlagen immens. Mir als Blogger sind sie schnuppe – und als Nicht-Amazon-Käufer ebenfalls.

Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

Sie hilft, um im Einzelfall in eine möglichst relevante Diskussion mit einem anderen Rezensenten einzutreten, die Gegensätze oder auch die Gemeinsamkeiten im Blick auf das jeweilige Buch aufzuzeigen oder um ein Buch in einen aktuellen thematischen Diskurs einzuordnen.

Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?

Hier mache ich keinen Unterschied zu den Print-Medien – also im Prinzip die gleiche Antwort wie zu vorheriger Frage.

Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”

Es gibt in meinem direkten Umfeld Menschen, mit denen ich mich über Literatur austauschen kann – doch aufgeschrieben, ausformuliert und vielleicht auch etwas tiefergehender analysiert, ist der Blog für mich das ideale Medium.

Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten:

Die Gretchen-Frage! Mein persönlicher Geschmack kann sich beinahe täglich ändern, ich lasse mich gerne von AutorInnen überraschen – aber nicht alles, was ich gut finde, muss auch gut sein. Insofern versuche ich, zu hinterfragen, warum ich bestimmte Charakterzeichnungen, Handlungsverläufe, Dialoge, Metaphern, Satzbau gut oder schlecht finde. Diese Kriterien offen zu benennen und zu beschreiben, was mir hieran ge- oder missfällt, macht es – so der Anspruch – einem Leser einfacher, für sich zu entscheiden, ob er meiner Argumentation folgen möchte, oder ob er sich sagt, „alles gut und schön, aber die Kriterien, die Nüse-Lorenz genannt und für schlecht befunden hat, finde ich prinzipiell gut“, dann hat er eben kein Geschmacksurteil meinerseits, sondern eine diskutable Rezension und „Gesprächsgrundlage“.

Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Noch vorurteilsfreier an Bücher herangehen, Erwartungen an bestimmte Themen und Autoren zurückschrauben und einfach auf literarische Entdeckungsreise gehen – es zwingt einen ja niemand, ein Buch nicht nach 10, 20 oder 200 Seiten einfach beiseite zu legen und es in 30 Jahren oder niemals zu Ende zu lesen.

“Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!”was überwiegt?

Es ist ein „ewiger“ Kreislauf – beides trifft doch irgendwie zu, wenn es nicht ein schlecht gepflegter Verteiler ist, der einem, obwohl nie etwas aus diesem Verlage rezensiert, regelmäßig neue, nie gewünschte Bücher zuspielt. Als Buch- und Lesesüchtiger ist es natürlich auch ein kaum zu beschreibendes Glück, in so manchem Falle wunderbarste Bücher zugeschickt zu bekommen.

Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Ich hoffe, dass ich in meiner Auswahl der Bücher offen bleibe, mich nicht auf spezielle Genres, Sujets oder AutorInnen kapriziere, dass ich weiter Ideen und Assoziationen finde, die meinen Leseeindrücken entsprechen und dem gelesenen Buch gerecht werden. Und wenn das Zeugs, das ich schreibe, auch von dem ein oder anderen Leser gelesen wird, dann wäre das sicher umso fantastischer.

Bei wieviel Prozent der Bücher, die ich gelesen habe, denke ich danach: Mist. Ich wünschte, ich hätte das nie gelesen…? Steigt oder fällt diese Prozentzahl, Jahr für Jahr. Und: Warum?

Irgendwie stellt sich mir diese Frage kaum noch. Ich bin ein freier Leser – und so kann ich bestimmen, und möchte mir diese Freiheit auch nicht nehmen lassen, wann ich ein Buch zur Seite lege: nach der zweiten, der 100sten oder der letzten Seite. Es ist am Ende nie die Schuld des Buches, wenn ich glaube, meine Zeit verschwendet zu haben!

Das Lieblingsbuch meiner Mutter:

Laurent Piechaczek: Keine Ahnung.

Das Lieblingsbuch meines Vaters:

Keine Ahnung, beide lesen einfach drauf los!

Ich führe einen typischen Buchblog, weil…

Ich weiß überhaupt nicht, was ein „typischer“ Blog ist…

Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

Ich lese selten andere Blogs, warum sollte ich?

Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…

Bislang hat mich noch nichts überrascht!

Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Mit diesen habe ich angefangen. Heute stelle ich fest, dass die meisten Buchrezensionen auf amazon durchweg unbrauchbar sind.

Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

Das kommt auf das Magazin und den Kritiker an. Bei Kritikern, die frei von Eitelkeit sind, … aber gibt es die?

Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?

Die Frage ist zu allgemein.

Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”

Falsch, ein persönliches  Gespräch über Literatur/Bücher ist mir immer noch lieber!

Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten:

Im Prinzip habe ich keine, wozu? Mein persönlicher Geschmack ist Schwankungen unterworfen. Eckpfeiler gibt es.  Wird es zu „seicht“, die Bücher mit  den bunten Covern, nein danke! Da hört dann auch meine Diskussionsfähigkeit/-bereitschaft auf.

Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Keine Ahnung? Nein, siehe oben; wozu?

Habe ich Vorbilder?

Nein!

Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Die Frage trifft nicht den Kern. Da ich aus der Zeit vor dem Internet „stamme“, genieße ich nun die ständige Verfügbarkeit von Informationen. Andererseits verflacht mit dem Internet die Lesekultur. „Allet so schön bunt hier!“ Es gilt der Satz: “Wer gut lesen will, muss viel lesen!“ – genau: lesen!

“Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!”was überwiegt?

Uninteressant für mich! Meine Regale sind voll und ich bin in der glücklichen Lage, mir die Bücher, die mich interessieren, selbst zu kaufen. Also, ich bin der schlechteste „Kritiker“ für Verlage, da mir meine Unabhängigkeit heilig ist!

Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Was interessiert mich heute mein Geschreibe in fünf Jahren? :-)

Bei wieviel Prozent der Bücher, die ich gelesen habe, denke ich danach: Mist. Ich wünschte, ich hätte das nie gelesen…? Steigt oder fällt diese Prozentzahl, Jahr für Jahr. Und: Warum?

… nie gelesen … gibt es bei mir selten. Die Prozentzahl der Bücher, die nach 40, 50, 100 Seiten in die Ecke fliegen, steigt!

Bonus: Empfehlungen!

Ein Buch, das fast alle mögen – aber das mich wütend oder ratlos macht: [warum?]

Nur eins…!? Also gut, es ist so gewollt. Bernhard Schlink – Der Vorleser. 

Ein Buch, das ich bekannter gemacht habe:

So vermessen bin ich nicht!

Ein Buch, vor dem ich oft und gern warne:

Mittlerweile würde ich vor einem ganzen Genre warnen: Historische Romane. Hilfe, tummelt sich da ein Schrott!

mein(e) Lieblingskritiker*in/Journalist*in:

Ich sag es: Dennis Scheck; bezüglich der weiteren Fragen fehlt mir einfach der Überblick…

eine Frage, die diesem Fragebogen fehlt:

„Ich blogge, also bin ich.“ – Warum handeln viele Blogger danach? (Nicht ganz ernst nehmen!)

und, zum Vervollständigen:

“Das neue literarische Quartett…”

Warum muss Maxim Biller eigentlich überall seinen Senf hinzugeben?

“Auf der Buchmesse…”

…findet man mich nicht! Nur vor Jahren einmal, nie mehr.

“Ich bin sehr überraschend und unerwartet auf ein gutes Buch gestoßen. Und zwar…”

Christoph Poschenrieder – Die Welt ist im Kopf; Wolfgang Welt – Fischsuppe; Georges Perec – Das Leben Gebrauchsanweisung; Lothar Baier – Jahresfrist usw.,  usw…

Der Lieblingsfilm/die Lieblingsserie meiner Mutter:

Norman R.: Klassische Krimiguckerin.

Das Lieblingsfilm/die Lieblingsserie meines Vaters:

Klassischer Fußballgucker. Der Freundeskreis hat da entscheidender auf mich eingewirkt.

Ich führe einen typischen Film-/Serienblog, weil…

Ich führe gar nichts, noch nicht mal Tagebuch. Ich gebe lediglich ab und zu meine Meinung in Blogs anderer Leute ab. Von booknerds.de würde ich aber beispielsweise behaupten, dass er nicht sonderlich typisch ist. Zum einen weil er eben nicht nur Platz für Bücher bietet, zum anderen weil sich dort Schreiberlinge mit den verschiedensten Hintergründen und Vorlieben tummeln.

Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

Siehe  vorherige Antwort.

Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…

… die Resonanz meist nur an der Klickzahl des jeweiligen Beitrags erkennbar wird. Wir sprechen hier zwar von einem dreistelligen Bereich an Leserinnen und Lesern, aber Kommentare kommen dann doch meist nur bei den ohnehin strittigen Themen.

Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Es kommt darauf an, wie man es betrachtet. Blockbuster-Konsumenten, die einem Arthouse-Streifen einen Stern verleihen, könnten mit dieser Bewertung ihre Mitstreiter sogar vor „langweiligen, langatmigen“ Filmen retten. Es ist nur erstaunlich, dass anno 2015, also in Zeiten von imdb & co. so viele Menschen immer noch überrascht sind, wenn sie mal danebengegriffen haben, wo doch sonst alles auf Zeit- und Geldeffizienz ausgerichtet ist. Arthouse-Gucker werden sich wiederum kaum von Kommentaren und Punktzahlen beeinflussen lassen und interpretieren drei Sterne ganz im Gegenteil mitunter als Qualitätszeichen. Einige geben sich auch richtig Mühe und schreiben blogwürdige Einträge, werden aber wiederum von Nichtmeinungen kontrastiert, die mit zwei Wörtern auskommen. Was aber die meisten Rezensionen von heute gemein haben, ist die Spoilerdichte, die dazu beiträgt, dass man immer häufiger erst im Nachhinein auf Kritiken zurückgreift und nicht als Kaufkriterium nutzt.

Hilft Film-/Serienkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

In meinem Alltag spielen Kritiken eine große Rolle, weil sie im besten Fall die Augen öffnen und Denkanstöße geben oder zumindest eine grobe Richtung anzeigen, was ich von etwas zu erwarten habe. Dazu gehört allerdings, dass die Kritik in einen Kontext eingebettet wird. Welche Zielgruppe soll angesprochen werden? Wofür steht der Rezensent? Was sagen die anderen? Dann kann Kritik ein hilfreicher Begleiter sein, aber kein Helfer, der einem die Arbeit abnimmt. Wie eben erwähnt würde ich mir aber wünschen, dass sie in Zukunft wieder mit weniger Spoilern auskommen.

Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?

Blogs können dabei helfen, die Meinungsbreite zu erhöhen. Gerade heutzutage wird das immer wichtiger, weil im Kulturbereich generell und damit auch im Kulturjournalismus immer weniger Geld vorhanden ist. Kaum jemand kann heute noch ausschließlich davon leben, und wenn doch, muss er sich mit Arbeit überhäufen. Es liegt die Vermutung nahe, dass Kulturgüter dadurch immer oberflächlicher und schematischer oder aber viel zu überschwänglich und im Konsens analysiert werden. Blogger haben in der Hinsicht die besseren Karten, weil sie ihre Freizeit und damit eher ihr Herzblut investieren und sich etwas mehr Zeit nehmen können als die professionellen Kollegen. Allerdings glaube ich, dass es sowohl Profis als auch „Amateure“ geben muss, damit die Varianz und die Breite der Meinungen erhalten bleibt. Die Frage wird nur sein, ob wir genug für den Erhalt unserer Kulturlandschaft tun, die uns doch eigentlich so am Herzen liegt.

Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Filme/Serien austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”

Wahr.

Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Gucken und Bewerten:

Wie gesagt lasse ich mich bei der Auswahl stark von Kritiken leiten, womit natürlich ein gewisser Anspruch verbunden ist. Bei der Bewertung schreibe ich über das, was mir besonders ins Auge gesprungen ist, aber auch gerne über Details hinter den Kulissen. Dementsprechend entwickeln sich die Kriterien aus der zu bewertenden Produktion selbst, einen starren Kriterienkatalog habe ich nicht. Meilensteine der Film- und Seriengeschichte und eigene Lieblinge oder kurz: die eigene Vorbildung übt aber selbstredend einen Effekt aus, wie soll ohne Vergleichsmoment sonst eine Punktzahl zustande kommen?

Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Keine Ahnung wer mich liest und ob es jemand regelmäßig tut. Auf eine bestimmte Zielgruppe sind meine Beiträge nicht abgestimmt, ob ich trotzdem eine bediene, weiß ich ebenfalls nicht, es könnte aber sein. Erreichen werde ich wohl diejenigen, die sich für die gleichen oder ähnliche Filme und Serien interessieren wie ich und dabei lässt sich bei den bislang von mir besprochenen Kulturgüter wohl auch ein bestimmtes Muster erkennen. Ich würde aber auch gerne Leserinnen und Leser erreichen, die andere Meinungen vertreten, aber trotzdem etwas in meinen Beiträgen finden. Daraus könnten interessante Kommentare und Gespräche entstehen. Aber ganz ehrlich, wenn das alles nicht erreiche, ist die ganze Arbeit ja nicht umsonst. Einerseits gibt es viele Vorzüge (Bildmaterial vor Erscheinen sehen, manche Rezensionsexemplare behalten dürfen), andererseits hilft es dabei sich selbst kennenzulernen. Vorausgesetzt die Passion und ein gewisser Grundstock an bereits Gesehenem sind vorhanden, mündet das genaue Hinschauen (und auch das von-vorne-bis-hinten-Durchschauen), das kritische Nachdenken und das Niederschreiben der Gedanken in noch mehr Spaß an der Sache. Zumindest habe ich bislang keine schlechten Erfahrungen damit gemacht, es darf nur nicht zu viel werden, damit der Spaß nicht auf der Strecke bleibt und eine (Selbst-)Überforderung vermieden werden kann. Sonst hat am Ende niemand etwas davon.

Habe ich Vorbilder?

Vorbilder im Bezug auf mein eigenes Handeln, das sind wohl in erster Linie meine Familie und Freunde. Es gibt auch darüber hinaus viele Menschen (dazu gehören auch Stars), die ich wertschätze und die ich bewundere, nur eifere ich den meisten davon nicht nach. Oft schaffen sie fast Utopisches, an dem ich mich aber trotzdem orientiere, ohne ähnliches zu schaffen, nur um mich manchmal selbst in der Welt zurechtfinden zu können.

Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Zuschauer-Ich geben? Kann man lernen, Filme/Serien besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Davon habe ich gerade gesprochen: Eigentlich ist es bei mir ein ständiger Prozess, in dem sich Sichtweisen immerzu ändern können. Ich denke schon, dass ich Filme und Serien heute viel eher gezielt aussuchen, entdecken und genießen kann, weil die Erfahrungen in allen drei Phasen helfen können. Dass man sich dabei auch mal überwinden muss oder mitunter alte Lieblinge auf der Strecke bleiben, gehört dazu und deutet darauf hin, dass so etwas wie Liebe im Spiel sein muss, um diese Welt immer weiter auszukundschaften. Ein Ratschlag? Hey Ich, fang früher an, es gibt so viel zu entdecken! Ansonsten gehören alle Erfahrungen zu mir und meinem Ich dazu.

“Labels brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Labels und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Filme und Serien an. Was für ein Glück!” Was überwiegt?

Wie gesagt, uns müsste Kultur wieder mehr Wert sein, dann würden wir uns einige Peinlichkeiten und Absurditäten ersparen. Da ich aber ein ziemlich kleines Licht im Spiel der großen Zahlen bin und mit meiner Stimme kaum etwas verändern kann, überwiegt bislang deutlich das Gefühl sehr viel Glück zu haben. Zwar werde ich nicht bezahlt, trotzdem ist es schön, wenn man sich mal ein Presseexemplar nach Hause geschickt bekomme. Es ist das Klischee vom Hobby, das in einem gewissen Sinne zum Beruf geworden ist und man sich so mit dem auseinandersetzen kann, was man so oder so konsumiert hätte. Trotzdem ist es schade, dass Maßnahmen wie Online- und Rücksendemuster oder Anti-Piraterie-Erklärungen zum Alltag gehören und die Rezensierbarkeit verschiedentlich einschränken können.

Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Hoffentlich kann ich in den nächsten Jahren weiterhin ein paar Besprechungen beisteuern und meinen Hunger auf mehr Kulturwissen und –erlebnisse aufrecht erhalten. Das wird von der Qualität der Produktionen (weniger Zweifel) und der mir zur Verfügung stehenden Zeit (größere Bedenken) abhängen. Außerdem bin ich gerade dabe,i meine Bildungslücke „Buch“ zu bearbeiten, was mir zurzeit ebenfalls viel Spaß bringt.

Bei wieviel Prozent der Filme /Serien, die ich gesehen habe, denke ich danach: Mist. Ich wünschte, ich hätte das nie geguckt…? Steigt oder fällt diese Prozentzahl, Jahr für Jahr. Und: Warum?

Bislang hält sich das echt in Grenzen, weil auch schlechte Produktionen ihre guten Seiten haben. Geht es in den Serienbereich, spricht man aber dann doch schnell von verschwendeten Stunden, da könnte es in Zukunft deutlich häufiger vorkommen.

Bonus: Empfehlungen!

Eine Serie/ein Film, die fast alle mögen – aber die/der mich wütend oder ratlos macht: [warum?]

Bei „Dexter“ frage ich mich bis heute, warum ich mir alle acht Staffeln angetan habe. Die Kritiker zeigten sich lange Zeit begeistert, aber eigentlich fand ich das alles schon ab der zweiten Staffel ziemlich enttäuschend. Aus der Grundidee hätten die Macher viel mehr machen und auf viele WTF-Momente verzichten können. Nicht ganz so schlimm geht es mir bei der US-Version von „House Of Cards“, trotzdem fehlt mir da viel zu oft die Subtilität. Außerdem braucht es nun wirklich keinen Abgesang mehr auf die (US-amerikanische) Politik unserer Zeit. Gleiches gilt für „Homeland“.

Bei Filmen fällt mir zuerst „Interstellar“ ein, den ich durchaus für seine visuellen Effekte und einige Ideen wertschätze, der vor Logiklöchern aber nur so wimmelt. Das ist besonders schade, weil das nicht auf die tadellos recherchierten physikalischen Theorien zutrifft, sondern auf fast alles, was das Menschenbild angeht. Auch mit unserer deutschen Hoffnung „Victoria“ verbinde ich ein negatives Erlebnis, weil der Film so viel richtig macht und fantastisch umsetzt, dann aber an den entscheidenden Stellen Logik und Ruhe vermissen lässt.