David Cay Johnston – Die Akte Trump (Sachbuch)

David Cay Johnston - Die Akte Trump Cover (c) Ecowin VerlagZum Zeitpunkt, an dem diese Rezension geschrieben wird, dauert es noch vier Wochen, bis in den USA gewählt wird. Ein Zeitraum, den der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, sicher für sich zu nutzen weiß. Und dabei garantiert wiederholt unter Beweis stellen wird, wie niedrig er das Niveau des Wahlkampfes noch drücken kann.

Doch wer ist Donald Trump? Glaubt man ihm selbst, dann ist er ein Selfmade-Milliardär, der den Wahlkampf aus eigener Tasche zahlt und ein Mann des Volkes ist, der gegen „die aus Washington“, gegen die Politiker antritt. Eine Nachricht, die er vor allem zu Beginn seiner Kandidatur immer und immer wieder von sich gegeben hat und die hauptsächlich dafür gesorgt haben dürfte, dass er den Vorwahlkampf der Republikaner und damit auch die Kandidatenkür für sich entscheiden konnte.

Allerdings gibt es deutliche Zweifel an seinen Aussagen. Wiederholt gibt es Ungereimtheiten dabei, wird er beim Lügen erwischt. Und zwar nicht nur einmal, sondern gleich mehrere Male. Dies ist jedoch kein Versehen, als vielmehr Teil seiner Methode, Teil seines Wesens. Das macht David Cay Johnston in seinem Buch „Die Akte Trump“ besonders klar.

David Cay Johnston ist vor allem in den USA eine Person mit gutem Ruf. Er wurde 1948 in San Francisco geboren und arbeitete im Laufe der Jahre unter anderem für bekannte Zeitungen wie die Los Angeles Times und die New York Times. Vor allem seine Arbeit als investigativer Journalist hat dazu geführt, dass er in all den Jahren berühmt geworden ist. Dabei sind es vor allem seine Werke, die sich um das Thema Steuern drehen, die auch dafür sorgten, dass er 2001 den Pulitzer Preis erhielt.

Die Beziehung zwischen Johnston und Trump ist eine alte. Der Autor hat bereits in den 80ern damit begonnen, über den Immobilienmogul zu recherchieren. Und er war einer der ersten, die bereits damals feststellten, dass der angebliche Multimilliardär in Wahrheit keiner ist. Es ist nicht die erste Lüge, bei der er den Mogul erwischte.
Der Schriftsteller geht im Laufe des Buches chronologisch vor. Er fängt damit an, wie die Trumps Anfang des 20. Jahrhunderts aus Deutschland in die USA kamen und hört mit der Präsidentschaftskandidatur Donalds auf. Und gleich im ersten Kapitel zeigt sich, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt und bereits der Großvater jemand war, der gegen jedes mögliche Gesetz verstieß, nur um schnell an Geld zu kommen. So war eine seiner Taten, verdeckte Prostitution anzubieten.

Und Donald Trump? David Cay Johnston zeichnet das Bild eines Schlitzohrs, eines Ganoven. Der Präsidentschaftskandidat wird zwar an keiner Stelle des Buches so tituliert. Doch wenn man den Band so liest, kommt man selbst zu dem entsprechenden Schluss. Und man ist dabei verwundert, wie es so weit kommen konnte.

Dies erklärt der Journalist und Buchautor ebenfalls. Es handelt sich schon fast um eine systematische Schwäche seitens des Staates, die von Donald Trump gnadenlos ausgenutzt wurde und wird. Da wird nicht nachgeforscht, ob eine Behauptung des Moguls richtig oder falsch ist. Stattdessen bemüht sich zum Beispiel die Aufsichtsbehörde über die Kasinos mit voller Kraft darum, einem Croupier das Leben schwer zu machen, weil er es gewagt hat, einen fallen gelassenen Chip wieder aufzusammeln. Und solche Diskrepanzen ziehen sich durch das gesamte Buch.

Geht es nach David Cay Johnston, so ist Donald Trump jemand, der ständig lügt und betrügt. Und der gleichzeitig, falls es mal eng werden sollte, urplötzlich an Gedächtnisschwund leidet. Er ist jemand, der lauter Ja-Sager um sich reiht und dann verwundert und verärgert ist, wenn Dinge schief laufen. Etwa, als in einem seiner Kasinos ein Spieler auftaucht, der entgegen aller Wahrscheinlichkeiten am Gewinnen ist.
Johnston weiß dabei, wie er zu schreiben hat. Er fasziniert den Leser und listet detailliert auf, was für Schandtaten Donald Trump im Laufe seines Lebens fabriziert hat. Er macht klar, dass Trump ein Lügner und Betrüger ist, dem man nicht trauen kann und darf!

Allerdings wird einem ebenso deutlich, dass auch Johnston selbst über ein gesundes Ego verfügt. Des Öfteren verweist er darauf, was er alles recherchiert und herausgefunden hat. Oder er schreibt an einer Stelle urplötzlich davon, dass Donald Trump mit ihm telefoniert und ihm dabei mit einer Klage gedroht habe. Eine durchaus interessante Passage, die jedoch mit dem vorherigen Text im entsprechenden Kapitel nichts zu tun hat. Es beißt sich gewaltig. Und sorgt dafür, dass der ansonsten sehr positive Gesamteindruck des Sachbuchs etwas getrübt wird.

Cover © ecowin Verlag

  • Autor: David Cay Johnston
  • Titel: Die Akte Trump
  • Originaltitel: The Making of Donald Trump
  • Übersetzer: Regina Berger, Robert Poth, Annemarie Pumpernig
  • Verlag: ecowin Verlag
  • Erschienen: 09/2016
  • Einband: eBook
  • Seiten: 352
  • ISBN: 978-3-7110-5183-7
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Wertung: 12/15 dpt