Karl-Heinz Raach & Roland F. Karl – Kuba – Königin der Antillen (Cover © Stürtz Verlag)

Karl-Heinz Raach & Roland F. Karl – Kuba – Königin der Antillen (Buch)

Auf 200 Seiten mit 244 Abbildungen vereint der Bildband „Kuba – Königin der Antillen“ Karl-Heinz Raach & Roland F. Karl – Kuba – Königin der Antillen (Cover © Stürtz Verlag)aus der Panorama-Reihe des Stürtz-Verlags Fotografien des Freiburger Fotojournalisten Karl-Heinz-Raach mit Texten von Roland F. Karl, der bereits Reisereportagen für Die Zeit, FAZ, und Stern, um nur einige wenigen zu nennen, verfasste.

Den Auftakt bildet die geschichtsträchtige Altstadt Havannas „La Habana Vieja“, die Teil des Weltkulturerbes der UNESCO ist.

Im architekturverliebten Altstadtambiente der historischen Gassen Alt-Havannas findet man Kubas Seele, und natürlich gehören die bildschönen Ami-Schlitten aus der alten Zeit immer noch dazu!

– heißt es zu einer Fotografie, die einen roten Oldtimer vor einer in sattem Grün leuchtenden Hausfassade im Kolonialstil zeigt, vor welcher eine mit Wäsche behangene Wäscheleine gespannt ist. Dieses erste Bild, das Raach dem Leser präsentiert, ist ein Prototyp der beliebten Bilder des karibischen Inselstaates. Es ist ein noch gewohntes Bild, das sich jedoch jetzt schon im Wandel befindet, wie von Karl mehrfach hingewiesen wird. Gerade in der Altstadt Havannas wurden inzwischen viele der im Kolonialstil erbauten Häuser restauriert und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit bis auch die amerikanischen Oldtimer der Marken Pontiac, Cadillac, Buick und Chevrolet weitgehend von den pittoresken Straßen verschwinden.

Karl-Heinz Raach & Roland F. Karl – Kuba – Königin der Antillen (Cover ©Stürtz Verlag)Raachs Fotografien fangen diesen ganz besonderen Charme Kubas, der seinem Betrachter das Gefühl gibt in eine andere Zeit zu versinken, gerade noch ein. Straßenszenen vor maroden Fassaden zeigen lachende und tanzende Kinder und Frauen, Gruppen von Straßenmusikern und Dominospielern. Einblicke in private Räume der Einheimischen, ergänzen neben dem Blick in öffentliche Räume wie Museen, oder auf Straßenkioske und Bars, Bäckereien und Cafés den Gesamteindruck zu einem vollständigeren und authentischen Bild des lebensfrohen Ambientes Kubas. Auch die kleinen Dinge und Lebensfreuden wie Alltagsgewohnheiten der Einheimischen werden zum Thema gemacht. Religiöse Traditionen und Rituale sind neben landwirtschaftlichen Verfahren und den vielfältigen, kreativen Transportmitteln sowie den vielseitigen architektonischen Stilen nur einige der größeren Themen, die aufgegriffen werden.

Kubas Transportmittel scheinen es Raach jedoch besonders angetan zu haben. Zum alltäglichen Straßenbild gehören neben den Oldtimern in Kuba auch heute noch Handkarren und Pferdegespanne. Jedoch auch andere sehr phantasievolle Transportkonstruktionen sind auf Kubas Straßen zu beobachten, wie von Raach bildreich dokumentiert wird: vom archaischen Ochsengespann, von dem sich der Bauer auf einer Konstruktion aus Holzbrettern über den Boden schleifen lässt, über das Pferdegespann mit Fahrrad bis hin zum „Cocotaxi“ bieten die Kubaner Einheimischen wie Touristen eine breite Palette an Möglichkeiten, um von A nach B zu kommen.

Raach und Karl beleuchten das Einfache und das Besondere, das Einheimische und das Touristische, Kulturdenkmäler und Naturschätze in gleichem Maße. Fotografien der Zuckerrohrernte und der Tabaktrocknung sowie von kubanischen Cowboys schaffen ein Gefühl für die ländlichen Regionen, denen sich in eigenen Kapiteln näher zugewandt wird.

So widmet sich ein Kapitel des Buches West-Kuba, seiner Natur und seinen Tabakfeldern. In groben Zügen werden Flora und Fauna der Region beschrieben. Bilder zeigen Bauernhäuser mit Dächern aus Palmblättern in Mitten des Natur-Idylls von sprießenden Tabak-Pflanzen im Viñales-Tal, das sich seit gut 17 Jahren auf der UNESCO-Liste der Weltkulturlandschaften befindet. Im Hintergrund sind mehrere hundert Meter hoch aufragende Felswände zu bestaunen.

Ein weiteres Kapitel ist Zentralkuba und seinen Zuckerrohrfeldern und Kolonialstädtchen gewidmet. Dieses Kapitel bietet einen Abriss einer endlosen Liste von Attraktionen. Auch Ost-Kuba und seiner Prachtarchitektur und tropischen Landschaft wird ein eigenes Kapitel zuteil.

Karl-Heinz Raach & Roland F. Karl – Kuba – Königin der Antillen (Cover © Stürtz Verlag)„Kuba – Königin der Antillen“ bietet einen soliden Rundumschlag, der vieles anspricht aber nicht ausführlich bespricht und gewährt seinen Lesern auf visueller Ebene einen vielfältigen Gesamteindruck Kubas.

Qualitativ sind Raachs Fotografien jedoch relativ heterogen. Auch in fotoästhetischer Hinsicht wirken einige Bilder leider antiquiert und farblich geradezu artifiziell. Andere wiederum entsprechen den Erwartungen, die man an einen solchen Bildband – das Preis-Leistungsverhältnis dabei nicht außer Acht lassend – stellen darf, gänzlich. Dass sich so etwa auch das ein oder andere sehr authentische Bild, wie etwa das der Perspektive durch eine zersprungene Windschutzscheibe eines alten Dampfzuges, welcher die Bewohner eines Dorfes in die nächstgelegene Stadt transportiert, daruntermischt, ist absolut positiv anzumerken. In allen Fällen jedoch vermag es das Motiv selbst mögliche technische Defizite auszugleichen. Dass sich Karls Texte zudem beinahe so bildhaft wie eine Fotografie präsentieren, gestaltet auch die Lektüre äußerst anregend. Zweifelsohne macht Raachs und Karls Bildband so Lust darauf den ganz besonderen Charme Kubas selbst zu erleben.

Cover © Stürtz Verlag

  • Autor: Karl-Heinz Raach & Roland F. Karl 
  • Titel: Kuba – Königin der Antillen
  • Verlag: Stürtz
  • Erschienen: 2016
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 200
  • ISBN: 978-3-8003-4853-4
  • Sonstige Informationen:
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