Gerhard Schweizer - Syrien verstehen (Cover © KlettCotta)

Gerhard Schweizer – Syrien verstehen (Buch)

Gerhard Schweizer - Syrien verstehen (Cover © KlettCotta)Seit Wochen und Monaten hält die Flüchtiglingskrise Deutschland in Atem. Viele der Flüchtlinge kommen aus Syrien, doch leider wissen wir nur wenig über dieses Land. Wie sind diese Menschen? Was sind ihre Bräuche? Ihre Kultur? Und wie hat sich das Land in den letzten Jahren politisch entwickelt? In seinem Buch „Syrien verstehen – Geschichte, Gesellschaft und Religion“ versucht der Kulturwissenschaftler Gerhard Schweizer, Antworten auf diese Fragen zu finden.

Gerhard Schweizer studierte in Tübingen empirische Kulturwissenschaften. Er gilt als Experte bezüglich Kulturkonflikten zwischen Abendland und Orient. Außerdem veröffentlichte er mehrere Bücher über den arabischen und asiatischen Raum.

Das Buch beschreibt eine Reise, die er 1995 nach Syrien unternommen hat und welche Eindrücke er dabei erlebt hat. Er bereist verschiedene Großstädte und erzählt chronologisch die Entstehung eines Staates, der von einer großen Diversität, aber auch vielen Problemen geprägt war.

Dem Autor gelingt es, die Geschichte Syriens spannend und mitreißend zu beschreiben und weckt dabei Verständnis für Probleme und Konflikte, welche nur oberflächlich in den Nachrichten erwähnt werden. Dabei fallen häufig Wiederholungen auf. Auch wenn das Verständnis dadurch vielleicht verbessert wird, wirkt das Buch auch an manchen Stellen aufgrund dessen langatmig.

Leider lebt das Buch von der Reise, welche bereits 20 Jahre in der Vergangenheit liegt, und beschäftigt sich vor allem mit der Zeit vor der Flüchtlingskrise. Er beschreibt gut, warum es zu den radikal islamischen Strömungen kam und warum Syrien leicht in Einzelstaaten zerfallen konnte, allerdings beschäftigt sich nur das letzte Kapitel mit diesen Aspekten.

Schweizer beschreibt objektiv, welche Taten von westlichen Mächten und syrischen Machthabern begangen wurden, die nun das Land beeinflussen. Dabei ist er nicht wertend, sondern beschreibt die Tatsachen und welche Konflikte und Netze daraus entstanden sind. Außerdem wird deutlich, warum dieses komplizierte Geflecht einem Pulverfass glich. Aber es wird auch deutlich, was für eine bedeutende Rolle die Geschichte Syriens auch für Europa spielt. Häufig wird vergessen, dass die Wiege des Christentums in dieser Region liegt und viele historische eindrucksvolle Städte in diesem Gebiet liegen. Neben den Verbindungen zu Europa verdeutlicht Schweizer auch die Beziehungen zu den Nachbarstaaten.

Leider erzählt das Buch nur wenig über die Menschen in Syrien. Schweizer beschreibt zwar mehrere Begegnungen mit Männern, die eine Verbindung zur westlichen Welt hatten oder haben. Allerdings erfährt der Leser wenig über ihren Alltag, ihre Bräuche und ihre Lebensweise. Dies fällt vor allem bezogen auf das Leben von syrischen Frauen auf, über die wenig berichtet wird.

Schweizer weckt in seinem Roman Verständnis dafür, dass etwas nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders ist. Er beschreibt Konflikte und Lösungswege und zieht dabei in Betracht, dass diese nicht unbedingt die besten waren, aber vielleicht die einzig möglichen. Er beschreibt eine Gesellschaft und Religion, die unserer an vielen Punkten ähnelt und die sich durch eine hohe Diversität und Toleranz auszeichnet. Wer mehr über Syrien erfahren möchte hat mit diesem Buch bestimmt die richtige Wahl getroffen.

Cover © Klett-Cotta Verlag

  • Autor: Gerhard Schweizer
  • Titel: Syrien verstehen – Geschichte, Gesellschaft und Religion
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Erschienen: 4. Auflage, 2016
  • Einband: broschiert
  • Seiten: 519
  • ISBN: 978-3-608-94908-7
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten
    überarbeitete, korrigierte und ergänzte Neuausgabe des Titels: „Syrien. Religion und Politk im Nahen Osten“ von Gerhard Schweizer, Klett-Cotta, 1998

Wertung: 10/15 dpt