Schubert in Love (Spielfilm, DVD/BluRay)

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Schubert in Love Szenenfoto © Senator FilmSehr geehrter Herr Schubert,

in mäßiger Vorfreude (wusste ich doch in etwa, was mich erwarten würde) habe ich mir Ihren neusten Streich angetan, und irgendetwas ist in mir zerbrochen, als ich zusah, wie sich einer, der auszog, die Luftpumpe aus dem Elch zu ziehen, selbst demontiert.

Ich sehe mir Ihre Programme immer noch gerne an und bin auch bald mal wieder auf einem dabei, um meine Lachmuskeln zu trainieren. Dieses Metier beherrschen Sie aus dem EffEff. Es ist immer wieder eine Wonne, wenn Sie Ihre gedrechselten Wortungetüme auf das Publikum loslassen und davon nur die Hälfte verstanden wird, da der Rest aus Wörtern besteht, die fast alle aus den Zuschauerreihen erst einmal im Duden nachschlagen müssen.

Die ganz frühen Zeiten kann ich leider nur über CD (oder wahlweise Stream) nachempfinden, wie Sie in engen Räumen gerade mal 50 bis 100 Leute unterhalten haben, spontan im Bärenzwinger auf umfallende Gläser reagieren, mit Ihrem unsicheren Stottern dem ein oder anderen die Nerven geraubt haben und während der Studententage an der TU Dresden ebenjene durch den Kakao gezogen haben, wovon ich mich sogar zweimal überzeugen konnte. Der Höhepunkt dieses Schaffens war mit „Echte Menschen“ und den „Hörspieldialogen“ erreicht, die in meinen Augen ein bunter Strauß an Wortwitz und kaum zu übertreffen sind.

Ab diesem Zeitpunkt zündete aber Ihre Bekanntheitsrakete, was an sich nicht verwerflich ist, denn wer will denn nicht etwas bekannter sein. “Nightwash“ und „Quatsch Comedy Club“ sei Dank wurden Sie nun deutschlandweit wahrgenommen, um dann letztendlich sogar über den „Deutschen Comedypreis“ oder der „heute show“ im ZDF einen Stammsender gefunden haben. Als Tausendsassa, der Sie sind, haben Sie sich auch eigene TV-Shows auf 3sat und dem mdr erlauben können, haben einen Klassikabend in der Dresdner Semperoper moderiert und und und. Als die Kirsche auf dieser Karrieresahnehaube sollte nun der erste abendfüllende Spielfilm her, den Sie (und natürlich viele andere im Hintergrund) mit zu verantworten haben. Wegen dieses Films schreibe ich Ihnen nun imaginär diesen Brief der mir auf schmerzhafte Weise aufzeigt, wo die Grenzen des Humors eines Olaf Schubert liegen.

Schubert in LoveSzenenfoto © Senator FilmMit „Schubert in Love“ als Titel und der Schlagzeile „Beim Sex bleibt der Pullunder an“ kann man schon ahnen, wohin die Reise gehen wird, und eigentlich habe ich mich sogar auf diesen Film halbwegs gefreut. Ich erwartete den typischen Schuberthumor, garniert mit viel Lokalkolorit aus Dresden und Umgebung. Letzteres bekam ich, ersteres zwar auch, aber nur als warmen Aufguss Ihrer altbekannten Sprüche, die zwar während der Bühnenprogramme immer noch ein Schmunzeln hervorrufen, aber im Zusammenhang mit diesem Film nur Gähnen verursachen.

Eines muss man dem Film positiv zugutehalten: Er fängt meine ehemalige (Fast)- Heimatstadt wunderbar ein und gibt ihr neben allem politischen Buhei, der in den letzten Jahren darüber ausgegossen wurde, ein positiveres Gesicht. Auch wie in diesem Film die Demos auf die Schippe genommen werden, ist eine wahre Freude, und ich habe gerne der AFIK und ihrem Kampf gegen besseren Geschlechtsverkehr zugeschaut. In diesen Szenen merkte man, dass Sie und alle anderen Darsteller am Set viel Spaß gehabt haben mussten und was für Möglichkeiten in dem Film stecken. Doch das war es leider schon, denn es musste unbedingt eine Hauptgeschichte um die einzelnen Szenen gestrickt werden, und diese verkörpert den Spaß freilich nicht. Es geht um Sie, der sich selbstredend, wie bei allen Dingen, die Sie in den letzten Jahren anpackten, selbst verkörpernd darstellt.

Ihr Vater (was hat Mario Adorf hier zu suchen? Und warum spielt er so schlecht? Ist es ein Adorfdouble?) will einen Nachfahren für die an Stammesgeschichte reiche Familie Schubert, doch mit Ihrem mageren  Körper, der auch immer wieder für einige Witze herhält („untergewichtig und überbegabt“) haben Sie größere Dinge vor – zum Beispiel den Welthunger abschaffen, da hat die Liebe eben keinen Platz. Doch wie es der Zufall will, lernen Sie auf dem Sozialamt jemanden kennen und über verschwurbelte Umwege kommt noch so etwas wie Liebe ins Spiel. Doch der Weg dahin ist beschwerlich und lang, leider auch für den Zuschauer. Wenn man nicht gerade Dresdner (oder aus der Umgebung) ist, was auf  99,33% der deutschen Bevölkerung zutrifft, fragt man sich schon nach nicht einmal zehn Minuten wohin die Reise denn gehen und was mir die Geschichte sagen soll.

Wo bleiben die Pointen? Ist das lustig, was man da gerade sieht? Ich stelle mir gerade vor, wie zum Beispiel in einem Kino in Darmstadt die Leute reihenweise ihr Geld zurück verlangt haben. Wenn ein Film schon zu dieser frühen Zeit Ermüdungserscheinungen hervorruft, dann hat man mit dem, was man transportieren wollte, sein Ziel verfehlt. Schubert in Love Szenenfoto © Senator FilmLeider haben Sie sich (und das Team dahinter) an diesem Film verhoben, und ich kann ihn nicht guten Gewissens weiter empfehlen, ohne vorher eben die Warnung an potentiell Interessierte auszusprechen, dass dieser Film eine dröge Mischung aus uninspiriertem Liebesfilm und ungewollt komischen Einlagen ist. Um den Kreis zum Beginn des Briefes zu schließen: Ihr Humor funktioniert wohl nur auf der Bühne und bedingt im Fernsehen (zum Beispiel sind die kurzen Einspieler, wenn sie mal in der „heute show“ auftreten, eine wahre Fülle an Wortwitz und erfassen die Lage, über die sie berichten, immer sehr genau).

Deshalb schließe ich mit der Bitte, dass Sie auf den Leisten bleiben sollten, mit denen Sie groß geworden sind. Das können Sie gut und damit unterhalten Sie die Leute. Alles andere ist kontraproduktiv für Ihre Person und Ihr Ansehen.

Mit freundlichen Grüßen
Ein Fan ehemaliger und auch aktueller (Bühnen)- Zeiten

Schubert in Love Szenenfoto © Senator FilmP.S.: Die ganzen (mitunter auch lustigen) Anspielungen auf Dresden und dabei speziell auf Klotzsche fand ich gut, aber die verstehen, wie oben schon geschrieben, nur die Dresdner.
P.P.S.: Der Gastauftritt von Martina Hill als Mandy Hausten war wohl der lustigste Gag im gesamten Film.
P.P.P.S.: Ich komme immer noch nicht darüber hinweg, dass Mario Adorf mitgespielt hat.
P.P.P.P.S.: Hat er wirklich mitgespielt?
P.P.P.P.P.S.: Schraub mich zu, ich dreh frei.

Szenenfotos © Senator Films

  • Titel: Schubert in Love
  • Produktionsland und -jahr: D, 2016
  • Genre:
    Komödie
  • Erschienen: 05/2017
  • Label: Senator Films, Wild Bunch Germany
  • Spielzeit:
    90 Minuten auf 1 DVD
    94 Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Olaf Schubert
    Marie Leuenberger
    Mario Adorf
    Jochen M. Barkas
    Hildegardt Schroedter
  • Regie: Lars Büchel
  • Drehbuch: Olaf Schubert
    Stephan Ludwig
  • Kamera: Jana Marsik
    Christoph Iwanow

  • Schnitt: Steven Wilhelm
  • Extras:
    keine
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    16:9 – 1,77:1
    Sprachen/Ton
    :
    D
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    16:9 – 1,77:1
  • Sprachen/Ton: D
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Wildbunch Germany
    Erwerbsmöglichkeiten

     

Wertung: 4/15 Rautenpullunder


Über den Autor

Marc Richter


“Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.” (Stephen King “Der Mann in Schwarz”) – wenn ich sage, dass ich von Kindesbeinen an lese, dann ist das sicher verklärt durch Erzählungen der Eltern/Großeltern oder auch das schwache Langzeitgedächtnis. Vielmehr war ich ein Lesemuffel, nicht anders lässt sich erklären, warum ich lieber Lustige Taschenbücher statt richtige Bücher gelesen habe.
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Schubert in Love (Spielfilm, DVD/BluRay)

von Marc Richter Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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