Uwe Klausner – Operation Werwolf – Blutweihe (Buch)

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Viel heiße Luft und nur mäßige Spannung

Juli 1941. Berlin. Der S-Bahn-Mörder, intern “Werwolf” genannt, macht der Kriminalpolizei zu schaffen. Vier junge Frauen wurden in kurzer Zeit auf der Strecke zwischen Erkner und Ostkreuz bestialisch ermordet und anschließend aus dem Zug geworfen. Nachdem der frisch zum Kriminalkommissar beförderte Tom von Sydow seinen Frust nach einem Streit mit Freundin Ava im Amüsierschuppen “Kakadu” ertränken will, gerät er dort mit einem Mitarbeiter der Gestapo aneinander. Nicht zum ersten Mal fällt Sydow dabei insoweit negativ auf, dass er sich über den Zustand des Landes und den Frontverlauf ereifert. Friedbert Schultze-Maybach, Leiter der Mordgruppe M und damit Sydows Vorgesetzter, ist nicht nur strammes Parteimitglied, sondern auch Sydows polizeiinterner Intimfeind. Sydow wird zur Strafe zum Leiter der Soko “Werwolf” ernannt, da geschieht ein fünfter Mord. Binnen zwei Tagen soll er Ergebnisse liefern. Nicht nur sein Assistent Erich Kalinke ist wenig begeistert …

Man muss es leider so deutlich sagen: Der bereits zwölfte Fall für den adeligen Ermittler mit englischer Mutter und deutschem Vater, letzterer ist Ministerialdirigent im Außenministerium und beschützt, wenngleich ungewollt, den Protagonisten vor Schlimmeren, ist in mehrerer Hinsicht enttäuschend. So gibt es längere Passagen, die sich mit dem Türsteher des “Kakadu” beschäftigen. Hantel-Emil, einst eine in doppeltem Wortsinne Szenegröße, hat den Mund gegenüber einem Gestapo-Mann zu voll genommen. So wandert er, wenig verwunderlich ins Gefängnis, wo er gefoltert wird. Geht es darum, die grausamen Methoden der Gestapo an diesem Bespiel zu verdeutlichen, so mag man dies als gelungen ansehen. Der Bezug zur weiteren Handlung ist hingegen nicht wirklich erkennbar; sieht man davon ab, dass zum Zeitpunkt von Emils Verhaftung von Sydow im Tanzschuppen seinen Liebeskummer zu ertränken versucht und damit in die Geschichte einsteigt.

“Operation Werwolf – Blutweihe” ist immer dann überzeugend, wenn die Handlung den Serienmörder in den Fokus stellt und sein Vorgehen schildert. Die Gründe seines Vorgehens, die Auswahl seiner Opfer, seine Gedanken vor, während und nach der Tat, werden durchaus eindringlich dargestellt. Dabei ist die Geschichte – sehr frei – angelehnt an den realen Fall des Berliner Serienmörders Paul Ogorzow. Ebenfalls ansprechend, wenngleich hier der Autor oftmals einzelne Themen nur in wenigen Sätzen anreißt, sind die Anmerkungen zur Lage im Dritten Reich, zu den Gewaltexzessen im besetzten Polen, zu den ersten kriegerischen Gegenschlägen und damit dem aufkommenden Verdacht, dass “die ganze Sache” womöglich doch schief gehen könnte. Wer einen groben Einblick in die damalige geschichtliche Situation in Deutschland erhalten will, wird hier ordentlich bedient, wenngleich andere Autoren hier deutlich mehr Tiefgang nachweisen.

Achtung: Mini-Spoiler am Ende!

Doch was ist eigentlich mit dem Krimi? Es dauert lange bis Sydow die Bühne betritt und noch länger, bis ihm die Ermittlung übertragen wird. Bis dahin darf der Mörder zuschlagen, Hantel-Emil verhaftet und gefoltert werden und Sydow im Tanzlokal über die Stränge schlagen. Bei der anschließenden Zusammenarbeit mit seinem Assistenten Kalinke kommt es – wie aus vergangenen Romanen gewohnt – zu meist einfachen, nicht selten flachen Dialogen. “Glaube ich aber nicht, um ganz ehrlich zu sein.” “Glauben heißt nicht wissen, Tom. Das dürfte dir ja wohl bewusst sein.” “Was du nicht sagst, Dicker, was wäre ich bloß ohne dich.” Über das fehlende Fragezeichen wollen wir uns nicht aufregen, aber so geht es über weite Strecken. Zudem gibt es zahlreiche Redundanzen, die den Lesespaß zusätzlich stören. Die Ermittlungen, die nicht von der Stelle kommen, laufen erst im letzten Drittel richtig an und dann kommt das in jeder Hinsicht dicke Ende. Hofft man schon länger, dass der Roman bald vorbei ist und der Täter entlarvt wird, folgt stattdessen ein lapidarer Hinweis auf Teil 2.

Cover © Gmeiner

  • Autor: Uwe Klausner
  • Titel: Operation Werwolf – Blutweihe
  • Verlag: Gmeiner
  • Erschienen: 09/2020
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 283 Seiten
  • ISBN: 978-3-8392-2745-9
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeit

Wertung: 6/15 dpt


Über den Autor

Jörg Kijanski

Großer Krimifan seit Jugendzeiten, zudem seit 2005 vor allem als Redakteur für die Krimi-Couch und Histo-Couch tätig. Inzwischen haben sich über tausend Rezensionen angehäuft. Neu seit Sommer 2019 auch bei booknerds.de am Start.

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Uwe Klausner – Operation Werwolf – B…

von Jörg Kijanski Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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