Ein rätselhafter Mord kurz vor Vorweihnachten

Es ist schon Tradition, dass die bekannte TV-Moderatorin Kira Westerlund zu einer rauschenden Feier am 23. Dezember einlädt, ebenso wie das Fehlen ihres Lebensgefährten Sören, der lieber die Nachtschicht als Unfallchirurg im Krankenhaus übernimmt. Als er am nächsten Vormittag nach Hause kommt, findet er Kira im Schlafzimmer vor, wo sie ans Bett gefesselt und erstickt wurde. Mika Lewin, Leiter der Mordkommission in Helsinki, übernimmt den Fall und muss dabei auf seine beste Ermittlerin verzichten, da Leena Victor seit dem Vortag Urlaub hat. Den hatte sie sich allerdings anders vorgestellt, doch auf Drängen ihrer Schwester Hanna, einer bekannten Schauspielerin, nahm sie an Kiras Feier teil, wo sie immerhin einen Eishockey-Nationalspieler kennenlernte. Dass sie sich für die spätere Nacht gegenseitig ein Alibi geben konnten, war allerdings nicht geplant.
Leena bleibt im Urlaub und ist als Befangene bei den Ermittlungen außen vor. Über ein Tinder-Date erfährt sie jedoch, dass Kiras Chef Jussi Bergdahl bereits in der Vergangenheit seine Machtposition missbrauchte und junge Frauen sexuell bedrängte. Als Leena dessen Stieftochter kennenlernt, verhärtet sich der Verdacht, denn auf seinem Laptop befanden sich Mails, in denen Kira ihm mit einer Anzeige drohte. Allein, Jussi hat ein wasserdichtes Alibi.
Start der Leena-Victor-Serie
„Mord in eiskalter Nacht“ ist der Auftakt der Leena-Victor-Serie, deren Fortsetzung „Tod in heller Sommernacht“ für den Sommer 2026 angekündigt ist. Es ist, dies vorweg, keine schlechte Meldung, denn der Start ist äußerst vielversprechend. Der Roman beginnt mit dem Mord, dann folgt ein Rückblick auf die vorausgegangenen zwei Tage bis dann nach rund achtzig Seiten die eigentliche Ermittlungsarbeit beginnt. Leenas Schwester Hanna macht derweil die Erfahrung, dass selbst renommierte Schauspielerinnen nicht vor Übergriffen in der Filmbranche gefeit sind. Derweil scheint Lilli, eine labile junge Frau im Gewand der berühmten „grauen Maus“, endlich ihr großes Glück gefunden zu haben. Und dann wäre da noch ein tragisches Ereignis, dass sich in Leenas und Hannas Kindheit ereignete und die beiden bis heute prägt. Diese und weitere Erzählstränge werden letztlich zu einem großen Ganzen zusammengeführt. Konstruiert, ja klar, aber dies beeindruckend.
Knackige, zumeist kurze Kapitel treiben die ohnehin schon spannende Handlung zusätzlich voran. Dabei scheint einem Mörder das perfekte Verbrechen gelungen zu sein. Auf der Party waren zahlreiche Leute und Hanna nebst Mann gegen vier Uhr morgens die letzten Gäste. Einbruchspuren gibt es keine, die Kamera der Toreinfahrt gibt ebenfalls nichts her, genauso wie die Befragung der Nachbarn. Stattdessen gibt es aufgrund der Feier unzählige Fingerabdrücke und sonstige Spuren, doch ein entscheidender Hinweis fehlt.
Das Privatleben etlicher Figuren, in der Vergangenheit wie heute, nimmt reichlich Platz ein, zumal nahezu alle Personen ihre Päckchen zu tragen haben. Auf das Geheimnis der Schwestern darf hier nicht eingegangen werden, aber – als Beispiel – Leenas Chef Mika, den diese wie ihren Vater ansieht, nachdem sich der leibliche namens Rickard vor über zwanzig Jahren angeblich umbrachte, ist schwer erkrankt. Von einem Unfall war bei Rickard seinerzeit die Rede und bei dessen dramatischen Alkoholkonsum nicht unwahrscheinlich, gleichwohl lässt Leena das Ereignis keine Ruhe. Freunde skandinavischer Krimis, man merkt es, kommen voll auf ihre Kosten. Abgründe und zwischenmenschliche Dramen wohin man sieht. Dazu passt der aufrüttelnde Einblick hinter die trüben Kulissen der Filmbranche, in denen nicht nur angehende Talente missbraucht werden. Übergriffigkeit in verbaler und körperlicher Form scheint normal zu sein, derweil es kaum zu Anzeigen kommt, da die Betroffenen ja auf die große Karriere hoffen.
Ein düsterer Krimi, der zur kalten Jahreszeit bestens passt.
- Autorin: Lisa Sarah Brandstäter
- Titel: Mord in eiskalter Nacht
- Verlag: Ullstein
- Umfang: 464 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: September 2025
- ISBN: 978-3-548-07312-5
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Wertung: 12/15 dpt







