Florian Knöppler – Mit dem ersten Licht 

In Laura findet Arne seinen Herzensmenschen. Bereits in der Schule fällt ihm die introvertierte Mitschülerin auf. Die beiden Jugendlichen freunden sich an, eine wechselhafte, lebenslange Beziehung nimmt ihren Anfang.

Florian Knöppler erzählt aus Sicht seiner männlichen Hauptfigur. Es ist die Geschichte zweier Liebender, die immer wieder an ihre persönlichen Grenzen stoßen und so ihrem eigenen Glück im Weg stehen. Obwohl Arne und Laura eine tiefe Zuneigung verbindet, fällt es beiden schwer, sich zu öffnen. Arne ist schüchtern und unsicher, inwieweit er seine Emotionen thematisieren darf. Laura leidet unter der toxischen Beziehung ihrer Eltern, hält diese Belastung aber wie einen persönlichen Makel unter Verschluss. Ihr Körper reagiert mit Krankheit, ihre Depressionen wird sie ein Leben lang nicht mehr los.

Der Autor begleitet Arne und Laura über einen langen Zeitraum, aus den Jugendlichen werden Erwachsene, die die Prägungen aus ihrer Kindheit nie völlig abwerfen können. Nähe und Distanz wechseln in ihrer Beziehung wie die Gezeiten. All das zeichnet Knöppler sehr empathisch nach, wobei er sich stärker an Arne orientiert. Aber es ist auch gar nicht nötig, alle Details und offenen Fragen rund um Laura auszuerzählen, im Gegenteil, Arnes Sorge und Festhalten an seiner Liebe zu ihr, wirkt dadurch umso stärker und trauriger.

In der Darstellung der Figuren zeigt Knöppler seine große erzählerische Stärke. Weder Arne noch Laura sind laute Charaktere. So geht er in die Tiefe, um sie uns nachvollziehbar zu machen. Sein Stil ist gradlinig und klar, das Erzählte bleibt immer übersichtlich.

Eine besondere Bühne bereitet der Autor der norddeutschen Kulisse seines Romans. In naturnahen Bildern setzt er die spröde Schönheit der Landschaft in Szene, die dadurch zum verstärkenden Resonanzraum der gelebten Emotionen sichtbar wird.

Kurz vor dem Ende des Romans verliert der Plot ein wenig von seiner Kompaktheit. Die letzten Szenen reihen sich mehr aneinander als sie miteinander verknüpft werden. Fast so, als ob der Autor seine Figuren nun endlich zu einer Entscheidung drängen möchte. Die Auflösung erscheint mir dadurch etwas konstruiert und ich denke, ein offeneres Ende hätte der Geschichte auch gut gestanden. Doch das ist Kritik auf hohem Niveau. Denn der Roman überzeugt durch die empathische Darstellung der Protagonisten, deren Entwicklung glaubhaft dargestellt wird. Knöppler spürt der Frage einfühlsam nach, welche Wunden das Erwachsenwerden hinterlässt und wie man damit umgehen kann.

Der besondere Zauber dieser Liebesgeschichte liegt jedoch nicht in der potentiellen Aussicht auf ein mögliches, alles heilendes Happy End. Es ist vielmehr das Bild der Hoffnung, das der Autor transportiert. In der Beharrlichkeit des Nie-Aufgebens spiegelt sich eine tiefe Verbundenheit, die die Figuren auch in schwierigen Zeiten trägt und tröstet. So gelingt Knöppler eine melancholisch-schöne Geschichte, in der das metaphorische Licht nie ausgeht.

  • Autor: Florian Knöppler
  • Titel: Mit dem ersten Licht
  • Verlag: Pendragon Verlag
  • Erschienen: Februar 2026
  • Einband: Gebundene Ausgabe
  • Seiten: 232 Seiten
  • ISBN: 978-3865329257

Wertung: 12/15 dpt

Teile diesen Beitrag:
Schreibe einen Kommentar

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Beiträge

Du möchtest nichts mehr verpassen?
Abonniere unseren Newsletter!

Total
0
Share