Jamie Thomson – Dark Lord – Da gibt’s nichts zu lachen! (Hörbuch, gesprochen von Jens Wawrczeck)

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Jamie Thomson - Dark Lord 1 (Hörbuch)»Aaaaaaaaaaaargh!« – so beginnt dieses Hörbuch, und es ist sofort klar, dass diese Geschichte keine gewöhnliche sein wird. Der größte Weltenzerstörer des gesamten Universums, Dark Lord, wird von seinem Erzfeind, seinem Widersacher, aus den Darklands verbannt und kracht vor einem Supermarkt in England auf diesen kümmerlichen blauen Krümel nieder, den dessen Kreaturen „Erde“ nennen. Schwarzen Schleim aushustend, seinen verrutschten Helm „der Höllenherscher“ betastend, wundert er sich: Was soll er denn bitte hier? Keine Frage: Er, der schlimmer als alle Bösen zusammen ist – gefährlicher als Lord Voldemort, fieser als Darth Vader –  muss wieder zurück in sein Reich. Dumm nur: Hierfür genügen ihm seine restlichen magischen Kräfte nicht. Noch dümmer: Diese Menschlinge verstehen ständig „Dirk Lloyd“, wenn er ihnen seinen Namen sagt. Doch damit nicht genug, denn sein fiesestes, düsterstes Lachen tönt auf diesem seltsamen Planeten völlig lächerlich, und wenn er seine donnernde Stimme erhebt, kommt nur das Fiepen eines elfjährigen Jungen aus des dunklen Lords Mund.

Er wird ins Krankenhaus eingeliefert, wo er auf Verletzungen untersucht wird – doch er versichert, ihm fehle nichts, und nun versucht er diesen Menschen verzweifelt klar zu machen, mit wem sie es zu tun haben. Doch die halten ihn für verrückt! Allerdings nicht für verrückt genug, und so landet Dirk Lloyd (hmpf!) „nur“ in einer Pflegefamilie. Igitt, sind die alle freundlich. Ist das alles hell. Und alles viel zu schön. Diese Positivität, ekelhaft! Die dunklen Mächte müssen heraufbeschworen werden, doch seine Kräfte sind auf Erden auf ein Minimum geschrumpft, zumal er seinen Leutnant nicht bei sich hat, Gargon den Grauenhaften.

Nun denkt auch Christopher, der Sohn der Pflegefamilie, dieser Dirk sei ein wenig meschugge im obersten Stockwerk, und ihm bleibt gar nichts weiter übrig, als über diesen schrägen Vogel von weiß der Teufel woher zu lachen. Bald macht Dark Lord zudem Bekanntschaft mit Chris‘ bester Freundin, dem Goth-Girl Suus. Die hält Dirk ebenfalls für einen totalen Freak, findet ihn jedoch gar nicht so übel. Es dauert nicht lang, und Christopher und Suus entwickeln Sympathien zu dieser in ihren Augen ulkigen Gestalt.

Sollen sie nur lachen, denkt sich Dark Lord – er wird diese zwei Menschlinge dafür benutzen müssen, um wieder zurück in die Darklands zu gelangen – nur mit ihrer Hilfe kann er genügend Kräfte aufbringen, um das Portal dorthin wieder zu öffnen und in die Darklands zurückzukehren, weg von diesem widerlich freundlichen Planeten. Natürlich kommt alles völlig anders als erwartet, das Chaos bricht aus, und in der Schule hat es Dirk Lloyd ohnehin nicht einfach, weil sein Verhalten bei Schülern und dem Lehrerkollegium für Unverständnis sorgt. Es ist zum Verzweifeln, zumal auf diesem Planeten mit der Zeit doch nicht alles so ätzend zu sein scheint, wie er zuerst dachte… aber verdammt, ist der Dark Lord ein Dark Lord, wenn er Positives empfindet? Unmöglich! No way! Keine Chance! Geht gar nicht!

Der erste „Dark Lord“-Teil ist die sofort aus allen Rohren der Unterhaltung feuernde Eröffnung einer köstlich schrägen Reihe. Skurrile Charaktere, unheimlich peinliche Situationen, das Aufeinanderprallen unterschiedlichster Welten – man stolpert vom Lachanfall ins Schmunzeln, von dort zum Kopfschütteln, dann übers Kichern und Prusten zum Handgegendiestirnklatschen – doch wer eine Slapstickaneinanderreihung vermutet, wird sich wundern, wie geschickt die komischen Momente platziert werden, denn hinter und zwischen all dem Spaß, der hier dominiert, wird letztendlich eine schöne Geschichte erzählt, die vor liebevollen Details und Menschlichkeit nur so strotzt.

Die Kids – der Verlag empfiehlt ein Alter ab 10 Jahren – werden bestens bei Laune gehalten, doch wer sich als Erwachsener nicht ebenfalls köstlichst amüsiert, muss entweder gnadenlos verbittert oder innerlich bereits gestorben sein. „Dark Lord – Da gibt’s nichts zu lachen!“ lenkt nämlich wunderbar vom Alltag ab, bleibt durch seine kreativen Ideen und Figuren, die turbulent schlängelnde Storyline und die intelligent geknüpften Handlungsstränge bis zum sehr offenen Schluss – ein Fadenende, das beim nächsten Teil wieder aufgegriffen wird – spannend, und das auf einer stets „coolen“ Ebene, die hervorragend ins neue Jahrtausend passt. Dem Rezensenten ist zudem noch nie ein solch abgedrehter, kaputter Kinder-/Jugendroman untergekommen – man kommt hier und dort durchaus ins Grübeln, ob der iranischstämmige, in England lebende Autor Jamie Thomson im Wald nicht vielleicht doch die falschen Pilze für seine Waldpilzsuppe gesammelt hat.

Bei der Auswahl des Hörbuchsprechers wurde ein Volltreffer gelandet, denn der rührige, in Dänemark geborene Jens Wawrczeck, den besonders „Die drei ???“-Fans als Stimme von Peter Shaw zu schätzen wissen dürften, passt mit seiner trotz knapp fünfzig hinter sich gebrachten Lebensjahren sehr jung klingenden Stimme bestens zu dieser absurd-durchgeknallten Story, denn das leichte, anfangs gewöhnungsbedürftige Quäken des auch in der Schauspiel- und Synchronsprecherbranche aktiven Herrn birgt in Verbindung mit der lebhaften, emotionalen und hier stellenweise leicht irr wirkenden Vortragsweise genau den Wahnsinn in sich, den dieses Hörbuch benötigt.

So abgedroschen das Sprichwort auch sein mag und so inflationär es auch verwendet wird: Die Mischung macht’s. Und selbige ist bei diesem ersten „Dark Lord“-Hörbuch schlichtweg perfekt. Es lässt durch seine positive Beklopptheit Tränen lachen und lässt das Herz gleich mithüpfen.

Cover © der Hörverlag

 

Wertung: 14/15 dpt

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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