Fairly Legal – Staffel 1 (TV-Serie, 3DVD)

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Fairly Legal Staffel 1 DVD Cover  © Universal Pictures Home EntertainmentZwar war sie in der Vergangenheit eine erfolgreiche Anwältin, doch der Beruf brachte Kate Reed (Sarah Shahi, unter anderem „Person Of Interest“, „Life“) nicht die erwartete Erfüllung, sodass sie der Kanzlei ihres Vaters den Rücken kehrte, um später – im selben Haus – als Mediatorin tätig zu sein. Anstatt in starrer Juristerei, in der es nur Gewinner und Verlierer gibt, für den Sieg des Klienten zu kämpfen, ist ihr Ziel, für die streitenden Parteien die bestmögliche Lösung zu finden: Den Mittelweg, der beide zufriedenstellt oder zumindest für beide Fronten eine akzeptable Lösung darstellt.

Dumm nur, dass der just gestorbene Vater die Gemeinschaftskanzlei und Firma „Reed & Reed“ nicht gerade in bester finanzieller Verfassung hinterlässt – und die just verwitwete Stiefmutter Lauren (Virginia Williams), kaum älter als Kate selbst, als ihre Vorgesetzte das Sagen hat. Auch die Tatsache, das sie beruflich regelmäßig mit dem stellvertretenden Staatsanwalt Justin Patrick (Michael Trucco) zusammenarbeiten muss, erleichtert ihr den Joballtag und ihr Leben nicht gerade, denn die beiden sind noch verheiratet, die Scheidung ist im Gange, doch so ganz sind die Gefühle füreinander noch nicht verpufft…

Fairly Legal Staffel 1 Szenenfoto © Universal Pictures Home EntertainmentDennoch versucht sie in all dem emotionalen Wirrwarr ihre Arbeit auszuüben und stößt mit ihren geschickten Argumenten, Denkanstößen und mitunter auch Manipulationen so manchem vor den Kopf. Stets treu zur Seite steht ihr dabei der nerdige, unkonventionell recherchierende Assistent Leonardo „Leo“ Prince (hervorragend dargestellt vom auch als Comedian performenden Baron Vaughn), der ihr durch seinen Einsatz und sein Feingefühl so einigen Ärger erspart.

Einer der ersten der positiv auffallenden Faktoren ist der angenehm unverbrauchte Cast – lediglich Michael Trucco hat man mal ein wenig häufiger gesehen, und auch die hinreißende Sarah Shahi ist in den letzten Jahren etwas präsenter auf dem Bildschirm geworden, so zum Beispiel in der Serie „The L Word“ oder in „Life“, wo sie zwei Staffeln lang an der Seite von Damian Lewis („Homeland“) auf Ganovenjagd ging. Ansonsten sieht man selbstverständlich hier und dort mal den ein oder anderen Serien-Hopper, bei dem man sich als Zuschauer denkt: »Oh, er/sie nun wieder…«, doch solche Auftritte halten sich erfrischend in Grenzen.

Trotz manchmal auch härterer, traurigerer Fälle, die etwas mehr Fingerspitzengefühl erfordern und für die das Tempo auch einmal aus der Serie genommen werden muss, ist „Fairly Legal“ deutlich auf Feelgood-Atmosphäre ausgelegt und amüsiert durch viele herzliche und liebevolle, aber auch peinliche und fremdschamerfüllte Momente, durch zackige Dialoge und durch herrliche kleine Gemeinheiten.

Fairly Legal Staffel 1 Szenenfoto © Universal Pictures Home EntertainmentBei „Fairly Legal“ mag der ein oder andere, der gerade in Bezug auf Rechtsstreitereien anspruchsvoller ist, etwas die Tiefe und Komplexität vermissen – verworren-verschachtelte Fälle und solche mit heftiger Schwere wird man hier eher nicht finden – doch das ist letztendlich nicht das, worauf es in dieser Serie ankommt, denn hier steht vor allem die Menschlichkeit in all ihren Facetten im Mittelpunkt: Die Liebe, das Zwischenmenschliche, Kooperation, Zusammenhalt, Loyalität auf Seite der für die Gerechtigkeit kämpfenden, und auf der Seite derer, zwischen denen vermittelt werden soll, eben die für beide streitenden Parteien größtmögliche Schlichtung.

Die lebendigen Dialoge zwischen den einzelnen Figuren halten den Zuschauer aufmerksam, denn sie sind ab und an gar schwanger an verstecktem Witz, benötigen mitunter ein paar Zehntelsekunden, bis es „klick“ macht, und in den dramatischeren Momenten kommt nicht zu viel Pathos und Schmalz auf – wenn, dann auf eine eher ironisch-kitschige Art und Weise, die auch das amerikanische Hochglanzfernsehen ein klein wenig auf die Schippe nimmt, speziell, wenn Kate und Justin wieder einander für sich und einander schmerzhafte Momente erleben.

Die Serie, die es übrigens leider nur auf eine weitere, zweite Staffel gebracht hat, ist perfekt für den Abschluss eines anstrengenden Tages geeignet: Sie unterhält, macht gute Laune, lässt schmunzeln und ein wenig mitleiden – und hundsgemeine Mini-Cliffhanger am Episodenende machen spontan Lust auf eine weitere Folge. „Fairly Legal“ ist „easy watching“ auf hohem Niveau, man kann mal eben mehrere Folgen am Stück ohne überkochendes Gehirn weg schauen, ohne dass es seicht wird.

Fairly Legal Staffel 1 Szenenfoto © Universal Pictures Home EntertainmentSucht man nach einem Haar in der Suppe, so sollte man hier die deutsche Synchronisation kritisieren. Mit Alexandra Wilcke hat sich zwar mittlerweile eine Stamm-Synchronsprecherin für Sarah Shahi gefunden, die allerdings unpassender kaum sein könnte. Klingt die Texanerin – Tochter einer Mexikanerin und eines Iraners – im Originalton eher fast mädchenhaft, hat man der guten Frau, die 1980 geboren ist, eine Stimme in den Mund gelegt, die eher zu einer resoluten Endvierzigerin passen würde. Und auch wenn Sascha Rotermund, Ozan Ünal, Peter Flechtner und Konsorten wahre Meister ihres Fachs sind, so werden sie schlichtweg zu häufig eingesetzt – gerade, wenn man akustisch ausgeprägter veranlagt ist, sorgt das für einige Irritationen, besonders, wenn jene Sprecher ohnehin schon in vielen Hauptcasts zu hören sind.

Blendet man dies allerdings aus, bleibt eine zehn Episoden lange Serie, die viel Herzlichkeit in sich birgt, wunderbar menschelt und destruktive Negativität je rund vierzig Minuten lang vor die Tür schickt.

Cover & Szenenfotos © Universal Pictures Home Entertainment

 

  • Titel: Fairly Legal
  • Originaltitel: Fairly Legal
  • Staffel: 1
  • Episoden: 10
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2011
  • Genre:
    Justiz, Mediation, Drama, Comedy
  • Erschienen: 05.12.2013
  • Label: Universal Pictures Home Entertainment
  • Spielzeit:
    442 Minuten auf 3 DVDs
  • Darsteller:
    Sarah Shahi
    Michael Trucco
    Virginia Williams
    Baron Vaughn
    Ethan Embry
    und viele mehr…
  • Idee & Ausführender Produzent:
    Michael Sardo
  • Extras:
    Entfallene Szenen
    Gag Reel
  • Technische Details (DVD)
    Bild:
    1,78:1 Anamorph Widescreen
    Sprachen/Ton:
    Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 2.0)
    Untertitel:
    Deutsch, Englisch
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite auf uphe.de
    u-love-tv.de – Serien bei Universal Pictures

 

Wertung: 12/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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