Dead Rising – Endgame (Spielfilm, DVD/Blu-Ray)

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Dem leidlich unterhaltsamen “Dead Rising – Watchtower” eine Fortsetzung zu spendieren, schien zwar dem offenen Ende nach möglich, aber nicht zwingend nötig. Scheinbar war der Film erfolgreich genug, um ein Sequel zu produzieren. Für weite Teile der Welt nachvollziehbar, alleine aufgrund des Erfolgs der zugrundeliegenden Videospielreihe. Dessen Bedeutung hierzulande aber marginal ist. Die vertrackte Rechtssituation (Indizierung und Beschlagnahme) verhinderte, dass “Dead Rising” in Deutschland ein ähnlicher Mega-Event wie die GTA-Reihe wurde.

Trotzdem wird “Dead Rising” deutsch synchronisiert veröffentlicht. Die Synchronisation ist sogar ganz ordentlich geraten, da haben wir bei Filmen ähnlicher Größenordnung schon ganz andere Machwerke erlebt.   

Kleiner Exkurs:

Die Presse-Disc ist ein Witz. Dass es kein Menü gibt und nur der blanke Film vorliegt, geschenkt. Mit dem Originalton vergleichen ist unmöglich, da lediglich die deutsche Sprachfassung vorliegt. Die immerhin, wie erwähnt, sozialverträglich ist. Doch dass man, zumindest wenn der BluRay-Player nicht am PC hängt, weder die Pausentaste benutzen, noch vor- oder zurückspulen kann, ist fast schon schikanös. Ein mehrfaches Anschauen von Schlüsselszenen, geschweige denn Einzelbildern ist so nicht möglich. Zumindest, wenn man keinen Player mit Computeranschluss besitzt. Dort funktioniert beides. Sollte dies auch ein Problem auch bei den finalisierten Versionen sein, wäre Abhilfe dringend angeraten.

Genug gejammert, zurück zum Film…

… bei dem der geneigte Rezensent Abbitte leisten muss. Denn von mir wurde eine Fortsetzung weniger erwartet als befürchtet. Völlig zu Unrecht, wie sich herausgestellt hat. Denn “Dead Rising – Endgame”  gehört zu jenen Ausnahmen, bei denen der zweite Teil den ersten qualitativ um einiges übertrifft.

Im Gegensatz zu “Resident Evil”, dem Genre-Primus, der mittlerweile als Sextett firmiert,  ist keine schnellere, lautere, blutigere Materialschlacht angesagt. Ein Kniefall vor der  spielerischen Grundlage fand auch nicht statt; Verweise sind zwar vorhanden, aber relativ dezent und vor allem passend eingebunden. Die Humoreinlagen wurden nicht gesteigert, sondern zurückgefahren. “Dead Rising – Endgame”  behandelt sein Thema ernsthaft. Zwar an der Oberfläche und nicht sonderlich ausgefeilt, wir befinden uns schließlich in einem B-Movie, aber das Anliegen wird deutlich und ist zudem technisch souverän umgesetzt.

Bei “Dead Rising” ist die Zombieapokalypse von Menschen verursacht. Den Schwarzen Peter bekommt wie so häufig das Militär zugeschoben, genauer gesagt der Militärisch-Industriell untrennbar verbundene Komplex. Die einen wollen wissen wie man einen Zombievirus bei Konflikten einsetzen und sich gleichzeitig davor schützen kann. Die anderen wollen unverhohlen viel Geld mit der Angst der Menschen verdienen. Hier kommt auch ein eindeutiger Verweis auf die aktuelle Terrorismus-Thematik ins blutige Spiel.

Die Ausgangslage ist überschaubarer als in vergleichbaren Zombies-on-the loose-Werken: Die bereits verwandelten Menschen sind in einer Sperrzone hinter einer Mauer eingekesselt (schöne Grüße an Mr. Trump), anderthalb Millionen Infizierter (ohne Symptome) haben einen Chip implantiert, der sie mit dem Impfstoff Zombrex versorgt. So soll verhindert werden, dass die Infektion die Betroffenen in beißfreudige Zombies verwandelt. Doch der Zombrex-Chip hat ein unangenehmes Hintertürchen: Sollten sich die Geimpften als mögliche Gefahr entpuppen, ist es möglich das Implantat umzuprogrammieren, sodass es seinen Träger tötet.

“Afterlife” heißt dieser Prozess und der soll just bei allen Trägern ausgelöst werden als die Handlung einsetzt.  
Der Journalist Chase Carter ist immer noch auf der Suche nach seiner Produzentin Jordan, die am Ende des Vorgängers vom Militär gekidnappt wurde. Der Allgemeinheit gilt sie als tot, doch Carter glaubt nicht an ihren Tod. So begibt er sich mehrfach in die verseuchte Zone, stößt auf die skrupellosen Geschäftspraktiken des Militärs, die Hand in Hand mit Verbrechern arbeiten, und versucht später mit ein paar Mitstreitern die Auslösung von “Afterlife” zu verhindern. Dafür muss er ins Zentrum des Gebiets, in dem die Zombies regieren.

Niemand verwundert es, dass Machenschaften finsterster Natur aufgedeckt werden, die mit medizinischen Experimenten einhergehen, die fatalerweise den Aktionismus der eigentlich wie gewohnt nur herumschlurfenden Untoten verstärkt haben. Sie sind aggressiver, wacher und vor allem  schneller geworden.

So wird es zur harten Arbeit, zu den Servern zu gelangen, die im Mittelpunkt des Interesses stehen. Was weiter erschwert wird, da nahezu jeder Beteiligte sein eigenes Interessensüppchen kocht und der Mad Scientist Dr. Rand (kaum zu erkennen: Der recht füllig gewordene Billy Zane, bekannt als smarter “Titanic”-Fiesling, mit Glatze, Hornbrille und Pornoschnäuzer) auf unsere Menschenretter wartet.

Action und Spannung sind wohldosiert, Splatter-Geeks kommen in den entsprechenden Sequenzen ebenfalls auf ihre Kosten, zumal die CGI-Effekte technisch ordentlich ausgeführt worden. Man kann sich als Adrenalinjunkie darüber mokieren, dass es diverse mit Gesprächen gefüllte Pausen gibt,  oder erfreut zur Kenntnis nehmen, dass die Dialoge weit schlimmer hätten ausfallen können. Einige Logiklöcher sind wohl vorhanden, doch nichts Zerschmetterndes, das über Genre-Standards hinausgeht. Dramaturgisch schleifen die Zügel ebenfalls recht locker, einige Handlungsstränge werden äußerst beiläufig oder gar nicht aufgelöst.  Gibt wichtigeres, scheinen sich die Macher gesagt zu haben.

Die schauspielerischen Leistungen sind redlich, gerade Jesse Metcalfe als Chase Carter hat an Agilität und Kampfkunst zugelegt, auch wenn ihm die Mädels das ein oder andere Mal den Journalistenpopo retten müssen. Was wiederum sehr sympathisch ist.

“Dead Rising – Endgame” ist ein sympathischer Film, weil er seinen eigenen Weg sucht, auf debilen Klamauk und Over-The-Top-Action verzichtet, stattdessen Entschleunigung und ein klein wenig Ernsthaftigkeit präferiert, ohne auf Spannung und blutige Kampfhandlungen zu verzichten. Ein schätzenswerter Underachiever, klüger und smarter als es auf den ersten Blick scheint. Mit einem fiesen, knochentrockenen Antiklimax als angemessener Schlusspointe.

Setzen wir voraus, dass der Untertitel  “Endgame” eher hypothetisch gemeint ist, wirkt die Aussicht auf eine Fortsetzung nicht mehr gar so abschreckend wie zuvor.

Goodbye, Cruel World

Cover & Szenenfotos © polyband

  • Titel: Dead Rising – Endgame
  • Originaltitel: Dead Rising: Endgame
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2016
  • Genre:
    Horror, Action, Videospielverfilmung
  • Erschienen: 25.11.2016
  • Label: polyband Medien GmbH
  • Spielzeit:
     
    97 Minuten auf DVD

      93 Minuten auf Blu-Ray
  • Darsteller:
    Jesse Metcalfe
    Marie Avgeropoulos
    Keegan Connor Tracy
    Billy Zane
    Dennis Haysbert
    Jessica Harmon
    Patrick Sabongui
    Ian Tracey
    Teach Grant
    Lee Majdoub
  • Regie:
    Pat Wlliams
  • Drehbuch:
    Tim Carter
    Michael Ferris

  • Musik:
    Rich Walters
  • Extras:
    From Game to Screen
    Making the Weapons
    u.v.m.
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    16×9 anamorph (2,35:1)
    Sprachen/Ton:
    D (Dolby Digital 5.1), E (Dolby Digital 5.1),
    Untertitel:
    D
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    1920x1080p (2,35:1)
    Sprachen/Ton:
    D (DTS-HD 5.1), E (DTS-HD 5.1)
    Untertitel:
    D
  • FSK: 18
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 10/15 hungrige Zombies


Über den Autor

Jochen König


Jochens Nerd-Schreibtisch

Stationen: Aufgewachsen in Siegen, weitergezogen nach Münster, dann nach Berlin und wieder zurück nach Idyllistan, sprich Münster. Meinen ersten Roman “Mitternachtsblues” (sowie diverse Sachbücher mit Beiträgen von mir) gibt es tatsächlich noch zu kaufen; ob man die Hörspiele aus meiner Berliner Zeit noch empfangen kann, ist eher zweifelhaft. Ansonsten bin ich Sachbearbeiter, Teilzeit-Buchhändler und war sieben Jahre für die, sogar mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete, Krimi-Couch tätig.

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von Jochen König Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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