Karottenkuchen bei Quers – #Verlagebesuchen am 21. April 2017

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Was machen Menschen in einem Verlag, wenn sie keine Bücher herausgeben? Kuchen backen. Das und etliches mehr konnte erfahren, wer die Gelegenheit nutzte und sich am am 21. April im Rahmen von #Verlagebesuchen auf dem Weg machte. Eine Abordnung der booknerds besuchte den Querverlag in Berlin-Schöneberg und wurde direkt in dessen neuestes Projekt eingebunden.

Jim Baker duzt seine Besucher*innen, ob alte Freunde oder neue Gesichter; so ist es Brauch in der Familie und so hält man es auch im Querverlag. Als er die Tür öffnet, lächelt Jim herzlich; ein Netz kleiner Fältchen umspannt seine Augen. Es zeugt von Freundlichkeit und vielen Jahren im Verlagswesen. Immerhin versorgen Ilona Bubeck und er die schwul-lesbische Community – zunehmend auch alle anderen, die sich außerhalb des Heterospektrums bewegen – seit 22 Jahren zuverlässig mit Belletristik und Sachbüchern; vom Klassiker „Stone Butch Blues“ bis zum neuesten für Gesprächsstoff sorgenden Coup „Beißreflexe. Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten.“ Zu zweit beliefern Ilona und Jim ihr Publikum mit ungefähr zwölf Titeln im Jahr, wenngleich das Geschäft – wie für viele Kleinverlage – rauer geworden ist und die queeren Nischen mit steigender gesellschaftlicher Sichtbarkeit kleiner werden.
Ilona, Fachfrau unter anderem für die Kriminalliteratur im Programm, ist das stille Rückgrat der Veranstaltung. Während Jim herumwuselt, erzählt, Kaffee und Kuchen anpreist und kredenzt, steigt sie in Einzelgespräche ein. Obwohl nach eigener Auskunft nun im Rentenalter, sprüht sie vor Neugier, Ermutigung und der Energie des lebenslangen Engagements, das nicht nur die obligatorischen Buchmessen und üblichen Lesungen, sondern auch unzählige Büchertische und Präsenzen auf den Veranstaltungen der LGBTI*-Community umfasst.

Im letzten Jahr, so erzählt es Jim, habe er für #Verlagebesuchen Kaffee aufgesetzt und Kuchen gebacken. Die Leute würden durchgehen und „Aha, das ist also ein Verlag.“ sagen und wieder gehen. Aber es kamen mehr als erwartet und sie waren deutlich neugieriger als gedacht. So musste für die zweite Auflage der Veranstaltung etwas Besonderes her.
In diesem Jahr dürfen die Besucher*innen die Verlagsarbeit hautnah erleben und gestalten. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Hintergründen: Nachbar*innen, Social-Media-Fachmenschen, Freund*innen, Vertriebler*innen und Blogger*innen und zwei der vier Autor*innen der Tagesspiegel-Kolumne „Heteros fragen, Homos antworten“.

Anja Kühne und Tilmann Warnecke hatten es sich mit zwei Kolleg*innen zur Aufgabe gemacht, häufig an LGBTI*-Personen gerichtete Fragen offen und ohne Augenrollen zu beantworten – ein nicht ganz einfaches Unterfangen, dessen Ergebnisse den ersten Sammelband seiner Art im Querverlag füllen. Für die Verleger*innen ist das Neuland und so werden die anwesenden Besucher zurate gezogen: Welche Zielgruppe will das Buch ansprechen? Wie sollten Cover, Buchformat und Innenleben gestaltet sein? Welchen Titel wählt man? Wo und unter welchen Umständen werden die Leser*innen das Buch rezipieren? Was ist der beste Zeitpunkt, es zu bewerben?
Alle Anwesenden sind eingeladen mitzudiskutieren, und so vielfältig ihr Herkommen, so breit fallen die Antworten aus. Aber Ilona, Jim und ihr Grafiker Sergio Vitale sind gut vorbereitet. Unter Zuhilfenahme von Handouts, Gestaltungsvorschlägen, Buchmustern und Karottenkuchen entsteht schnell eine entspannte, aber konzentrierte Arbeitsatmosphäre, in der drei Stunden wie im Flug vergehen.

Im Laufe des Nachmittags entstehen Kontakte, Ideen für Marketingstrategien, neue Perspektiven und insgesamt ein sympathisches Miteinander. Am Ende werden Adressen, Buchtipps und Buchhandlungsempfehlungen ausgetauscht.

Fotos © Henri Vogel


Über den Autor

Henri Vogel


Kleinstadtkind mit Hang zur Großstadt; Wahlberliner; glücklicher Partner des besten Ehemanns von allen und bescheidener Mitbewohner einer Katze; Überzeugungsliterat und Freizeitcineast; Whiskytrinker und Freundesfreund.

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Karottenkuchen bei Quers – #Verlagebesuche…

von Henri Vogel Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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