Graham Greene (Autor) / Annika Siems (Illustratorin) – Der dritte Mann (Buch)

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Literaturgröße des 20. Jahrhunderts

Graham Greene, Jahrgang 1904, gehört zu den wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts. „Der dritte Mann“ gehört zu seinen wichtigsten Büchern. Das Werk des Briten umfasst zahlreiche Romane, Erzählungen, Bühnenstücke und Drehbücher. Als Journalist beginnt er mit dem Schreiben und gelangt bald zu narrativen Stoffen. Mit einsetzendem Erfolg etabliert sich Greene fest im medialen Geschehen seiner Ära. Sein Talent ist vielfältig.

Populäre Greene-Verfilmungen
Greenes Stoffe bringen die ganz Großen der Filmwelt auf die große Leinwand: Fritz Lang („Ministerium der Angst“), John Ford („Befehl des Gewissens“) und Otto Preminger („Der menschliche Faktor“), um eine kleinen Auswahl zu nennen. Zuletzt adaptierte Rowan Joffe 2010 Greenes Roman „Brighton Rock“, 2002 brilliert Michael Caine in „Der stille Amerikaner“ und 1999 erleben Julianne Moore und Ralph Fiennes „Das Ende einer Affäre“. Mit Neil Jordans („Interview mit einem Vampir“) Remake wird Greens gleichnamiger Roman nach 1955 (unter der Regie von Edward Dmytryk, „Leb wohl, Liebling“) bereits zum zweiten Mal verfilmt.

„Der dritte Mann“: Besondere Entstehung
„Der dritte Mann“ ist in seiner Entstehung ein ganz besonderes Werk, da er zunächst nicht als Roman angesetzt war und erst später in diese Form erlangte. Der Stoff war von Beginn an als Film gedacht, wie der Autor im Vorwort verrät. Aus der anfänglichen, lose notierten Idee, erarbeitet Greene auf Wunsch von Filmproduzent Alexander Korda ein Drehbuch. Dazu musste er seine Ideen zunächst in die Form einer Erzählung bringen. Auf dieser Basis erarbeiteten Greene und der Regisseur des Films Carol Reed gemeinsam das Script. Auch wenn Greenes Vorwort lediglich vier Buchseiten umfasst, sind seine Zeilen ungemein spannend. Der Leser erfährt nicht nur die Entstehungsgeschichte, sondern erhält Einblicke in die Arbeitsweise Greens sowie die damaligen Produktionsbedingungen und den Weg der Geschichte vom Notizzettel bis auf die Leinwand. Ganz nebenbei verrät der Autor einiges Lesenswertes über seine Art, die Geschichten und deren Figuren reifen zu lassen. Weil „Der dritte Mann“ stets im Zusammenhang mit dem Film gesehen werden muss, ist es extrem spannend zu erfahren, wie Greene selber zu seiner Arbeit steht.

Neuveröffentlichung als illustrierte Ausgabe
Nach dem Kinoerfolg wurde „Der dritte Mann“ erstmals 1950 – und bis heute immer wieder von verschiedenen Verlagshäusern – veröffentlicht. Nun hat sich die Edition Büchergilde des Klassikers angenommen und einen schicken, im Hardcover gebundenen, illustrierten Band publiziert (Erstauflage 1200 Exemplare) und ihm einen optisch schönen Schuber spendiert. Die Sepir-Tuschezeichnungen von Annika Siems fangen die teils kalte, unsichere und bedenkliche Atmosphäre der Geschichte perfekt ein. In Wechselwirkung mit dem Text stellt sich ein aufregendes Leseerlebnis ein, das packt und fesselt. Vor allem Greenes Stil, die Stimmung der tristen Nachkriegszeit einzufangen, machen das Werk so besonders eindrucksstark.

Düsterer Krimi und spannender Thriller
„Der dritte Mann“ ist ein düsterer Politthriller vor dem Hintergrund der Nachkriegszeit im von den Siegermächten besetzten Wien. Greene lebte dort lange, kannte die verwinkelten Straßenzüge und maroden Stadtteile perfekt, in die er seine Figuren auf ein undurchsichtiges Abenteuer schickt. Schon im ersten Kapitel fällt die Qualität der visuellen und gleichsam atmosphärischen Beschreibung auf, mit der der Autor das alte Wien aus den 1950ern wahrhaft vor dem inneren Auge des Lesers wiedererweckt. Greene fängt die Nachkriegsatmosphäre absolut spürbar ein. Intensive Eindrücke einer zerrissenen Gesellschaft im Angesicht einer unsteten Zukunft prägen die von ähnlichen Motiven geprägte Story.

Zeitreise mit Green
Mühelos ist der Leser bereits nach wenigen Seiten in Wien „zu Gast“ und lernt Rollo Martins kennen. Martins gehört zur schreibenden Zunft. Um über die Behandlung internationaler Flüchtlinge zu berichten, bittet ein ihn ein gewisser Harry Lime, mit dem er befreundet ist, nach Wien zu kommen. Kaum angereist, erfährt Martins von Limes Tod. Er besucht kurzerhand dessen Begräbnis, woraufhin eine Geschichte um Lug und Trug ihren Lauf nimmt. „Der dritte Mann“ fasziniert als zeitgeschichtliches Dokument ebenso wie als Story. Spannend entfaltet sich die kniffelige Geschichte, in die Martins immer tiefer hinein gerät. Graham Greene zeichnet die damalige Lage explizit nach. Das reicht von der punktgenauen optischen Beschreibung des vom Krieg versehrten Wiens, bis hin zu den atmosphärischen Gegebenheiten: Voller Anspannung ob der politisch-gesellschaftlichen Lage, mit dem Gefühl zwischen Tür und Angel zu stehen, und das hinter jeder Ecke (oder aus Lesersicht: Buchseite) etwas Dramatisches lauert, entfaltet der Autor sein fesselndes Werk.

 Cover © Edition Büchergilde

Wertung: 14/15 dpt

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Über den Autor

Marcus Offermanns

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Jahrgang 1980; gefühlt seit Geburt an Cineast und Film-Nerd. Nach Ausbildung und Studium den Weg zur „Schreibenden Zunft“ gefunden und dabei geblieben. Getippt wird am liebsten über Filme, Serien oder Bücher. Genres sind mir egal, wichtig sind Figuren und deren Geschichten oder Bezüge zu meinen Interessen. Und bei Filmen: tolle Bilder! Weitere Hobbys: Kurz- und Städtetrips, Reisen/Road Trips/Outdoor Adventures, Festivals (Musik und Film) und Sport (Fußball, Wrestling, etc.) – natürlich nur drüber reden, nicht selber machen :-)
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von Marcus Offermanns Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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