Lake Bodom (Spielfilm, DVD/Blu-Ray)

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Am vierten Juni 1960 fahren vier Jugendliche zum finnischen Bodominjärvi, um dort zu zelten. Pfingsten steht vor der Tür, das Wetter ist schön, genau richtig, um ein wenig in der Waldeinsamkeit zu feiern.

Doch etwas Schreckliches passiert in der Nacht auf Sonntag. Am Morgen sind drei Jugendliche tot, der achtzehnjährige Nils Gustafsson überlebt schwerverletzt. Die fünfzehnjährigen Mädchen Tuulikki Mäki und Imeli Björklund sowie der ebenfalls drei Jahre ältere Seppo Boisman wurden mit unglaublicher Brutalität ermordet. Der mysteriöse Mordfall wird zum Faszinosum und finnischen Trauma, denn auch rund sechzig Jahre danach, gilt die Tat als unaufgeklärt.

Es gibt und gab zwar Verdächtige wie den deutschstämmigen Lastwagenfahrer Hans Assman oder den Kioskbesitzer Valdemar Gyllström am Waldrand, der Jugendliche hasste. Im Fokus blieb auch der überlebende Nils Gustafsson, der 2005 des Mordes angeklagt wurde. Polizeibeamte hatten den Fall 2004 wieder aufgerollt und mittels moderner Tatortanalytik neu untersucht. Vergeblich. Am Ende steht der Freispruch in allen Anklagepunkten für Gustafsson und eine Haftentschädigung von 44 900 Euro. Der Dreifachmord bleibt weiterhin ungesühnt.

Und findet Einzug in die Populärkultur. Die finnischen Melodic-Death-Metaller Children Of Bodom benennen sich nach der Tragödie, behandeln sie auch textlich (“And the waters of Bodom turn a deep red shade of blood, as the Children Of Bodom take their last breath“), für zahlreiche Jugendliche gilt es als Mutprobe auf der sogenannten „Mordlandzunge“, dem ehemaligen Tatort zu campen. Ein Umstand, den sich „Lake Bodom“-Regisseur Taneli Mustonen zunutze macht. Schickt er doch seine vier Protagonisten Jahrzehnte später in der gleichen Konstellation wie die historischen Opfer zum Zelten an den Bodominjärvi.

Dass dem Quartett ein ähnliches Schicksal droht wie den realen Vorbildern ist unabdingbar. Doch nutzt der Filme lediglich die Ausganssituation und ein paar Äußerlichkeiten, um eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Eigentlich zwei, denn in der Mitte des Werks gibt es einen Plottwist, der die Handlung fast komplett vom Vorangegangenen abkoppelt. „Lake Bodom“ nähert sich langsam den mörderischen Ereignissen in der Nacht, gibt seinen Figuren Gesichter und Geschichten. Dankenswerterweise unterscheiden sich die fähig aufspielenden Hauptdarsteller von den lediglich als Kanonenfutter herhaltenden Teenie-Abziehbildern amerikanischer Slasher. Erzählt wird eine Geschichte von Mobbing, Eifersucht und dem Einfluss der Liebe. Die mitunter zerstörerische Wirkung haben kann. Angenehm bodenständig und nachvollziehbar argumentierend verleben die vier Jugendlichen ihre Stunden am See, die für einige der Beteiligten die letzten ihres Lebens sein werden.

Für latente Bedrohung und unheimliche Atmosphäre sorgen die labyrinthische Weite der Wälder und der immer dunkler werdende See. Es dauert bis das erste Blut fließt. An dem Mustonen und sein Team zwar nicht sparen, auf allzu detailliertes Ausweiden aber verzichten.

Ein Tauchgang und eine Flucht durch Nacht und Gestrüpp später, taucht wie aus dem Nichts eine weitere Bedrohung auf, die zu vermehrter, nicht immer glaubwürdiger Action führt und einem schnellen, dahingehuscht wirkenden Ende. Bis dahin haben aber alle Beteiligten ihre Sache gut gemacht, sodass man die Holprigkeiten und das Unfertige gerne verzeiht.

„Lake Bodom“ versteht sich auf Stimmungen, baut langsam ein Grauen auf, das sich aus dem Alltäglichen nährt. Hilfreich dabei sind, neben den glaubwürdigen Schauspielleistungen, die exzellenten Landschaftsaufnahmen und ein Soundtrack, der stimmig, aber nicht zu aufdringlich das sich langsam ins Blutrot steigernde filmische Gebräu wirkungsvoll unterstützt. Dass der Film ab der überraschenden Wendung nach der ersten Hälfte von der gelungenen Mischung aus psychologischem Thriller und Slasher abweicht und polterndes Terrorkino Einzug hält, nimmt ihm zwar Einiges von größerer Tiefe, die durchaus zu erreichen gewesen wäre, sorgt aber dank der soliden Inszenierung für Spannung bis zum merkwürdigen Anti-Climax am Ende des Films. Der sich allerdings aus sarkastische Weise wieder der realen Geschichte annähert.

So ist „Lake Bodom“ ein gelungener finnischer Genrebeitrag, der zwar einen Teil seines Potenzials verschenkt , aber ohne ausufernde Metzelorgien über weite Strecken spannend unterhält.

Cover & Szenenfotos  © Koch Media

  • Titel: Lake Bodom
  • Originaltitel: Bodom
  • Produktionsland und -jahr: Finnland, 2016
  • Genre: Drama, Horror, Action
  • Erschienen: 27.07.2017
  • Label: Koch Media
  • Spielzeit:
     
    82 Minuten auf DVD
      84 Minuten auf Blu-Ray
  • Darsteller: 
    Nelly Hirst-Gee
    Mimosa Willamo
    Mikael Gabriel
    Santeri Helinheimo Mäntylä
    Pirjo Moilanen
    Ilkka Heiskanen
    Sami Eerola
    Otso Ahosola
  • Regie: 
    Taneli Mustonen
  • Drehbuch:
    Aleksi Hyvärinen
    Taneli Mustonen
  • Kamrera:
    Daniel Lindholm
  • Musik: 
    Panu Aaltio
  • Extras:
    Teaser, Trailer, Kurze Reaktionen auf den Film, Maskenanfertigung
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    2.35:1 (16:9)
    Sprachen/Ton
    :
    Deutsch, Finnisch, Dolby Digital 5.1
    Untertitel:
    Deutsch
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    2.35:1 (16:9)
    Sprachen/Ton
    : Deutsch, Finnisch, DTS HD-Master Audio 5.1
    Untertitel: 
    D
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Produktlink Blu-Ray
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 9/15 Nächte am See

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Über den Autor

Jochen König

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Jochens Nerd-Schreibtisch

Stationen: Aufgewachsen in Siegen, weitergezogen nach Münster, dann nach Berlin und wieder zurück nach Idyllistan, sprich Münster. Meinen ersten Roman „Mitternachtsblues“ (sowie diverse Sachbücher mit Beiträgen von mir) gibt es tatsächlich noch zu kaufen; ob man die Hörspiele aus meiner Berliner Zeit noch empfangen kann, ist eher zweifelhaft. Ansonsten bin ich Sachbearbeiter, Teilzeit-Buchhändler und war sieben Jahre für die, sogar mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete, Krimi-Couch tätig.

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Lake Bodom (Spielfilm, DVD/Blu-Ray)

von Jochen König Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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