Connie Willis – Licht (Buch)

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Connie Willis - Licht (Cover © Cross Cult)„Licht“ ist die direkte Fortsetzung von Connie Willis‘ „Dunkelheit“. Die Originaltitel der Romane lauten „All Clear“ und „Blackout“, benannt nach den britischen Meldungen bei Luftangriffen. Das erklärt auch, dass eine 1:1 Übersetzung der ursprünglichen Buchtitel ins Deutsche nicht möglich ist. Dennoch ist es schade, dass die meiner Meinung nach durchaus viel zutreffenderen Titel nicht doch irgendwie Bestandteil der hiesigen Ausgaben geworden sind.

Die Ausgangsposition, in welcher sich die Zeitreisenden in dieser Fortsetzung befinden, ist weiterhin 1940. Alle Bemühungen, eine Möglichkeit zu finden, zurück in ihre Zeit zu gelangen, sind bislang gescheitert. Dabei schwanken die Figuren zwischen Hoffen und Bangen. Ständig suchen sie nach Anzeichen dafür, dass sich ihre größte Furcht bestätigtdurch ihre bloße Präsenz den Ablauf der Dinge so zu beeinflussen, dass ihre Zukunft nicht mehr existent ist.

Dabei war es bereits im vorherigen Band so, dass die Autorin geschickt Drama und Humor miteinander verband. Etwas, was sie sich selbst indirekt eingesteht, indem sie am Ende des Romans eine ihrer Figuren die Frage stellen lässt „Ist es Komödie oder eine Tragödie?“.

Natürlich liegen auch in „Licht“ beide Gattungen wieder nahe beieinander. Man lacht über die neusten Eskapaden der Hodbins, deren ungezügelte Wildheit und Hang zu größtmöglichem Chaos erneut prominent vorhanden ist. So halten sie sich zum Beispiel einen Papagei, der perfekt eine Luftschutzsirene nachahmen kann. Dies wird dabei so trocken geschrieben, dass man sich zumindest ein Kichern nicht verkneifen kann.

Doch dann, gerade wenn man sich wunderbar amüsiert fühlt, kippt die Stimmung. Die Hodbins und alle anderen Briten aus der Zeit des zweiten Weltkriegs, mit ihrer so typischen Nonchalance und ihrem Understatement, treten in den Hintergrund, die Zeitreisenden mit all ihren Ängsten und Nöten treten in den Vordergrund. Man spürt förmlich, wie sehr diese sich aneinander klammern, wie ihre Sorgen immer größer werden, je länger ihr ungewollter Aufenthalt in dieser Epoche dauert.

Es mag wie ein Widerspruch erscheinen, dass hier Humor und Tragik so nahe beieinander liegen. Doch passt es einfach zu der Geschichte. Außerdem gelingt es Connie Willis perfekt, diese beiden so unterschiedlichen Stimmungen derart gelungen im Einklang zu bringen, dass es ihre Erzählung nicht zerreißt.

Gleichzeitig meistert sie es auch sehr gut, den Schrecken des Zweiten Weltkriegs im Buch wiederzugeben. Man spürt regelrecht die Intensität der Luftangriffe und welchen Terror die V2-Raketen in England hervorriefen. Doch ebenso wird der Widerstandswille der Bevölkerung wunderbar auf den Punkt gebracht. So versuchen die Briten trotz aller Widrigkeiten, weiterhin ihr normales Leben zu führen. Die Darstellung von Normalität im Zeichen des Krieges sorgt ebenfalls dafür, dass der Band dem Rezensenten zu gefallen weiß.

Die Technik des Zeitreisens tritt dieses Mal in den Hintergrund. Sie ist noch vorhanden, doch wird nicht mehr so stark mit Fachbegriffen um sich geworfen. Im Gegenteil: Connie Willis setzt das Science Fiction-Element behutsam und nur sporadisch ein. So ist man umso mehr erfreut, wenn die Zeitreise an sich in dem einen oder anderen Kapitel eingebaut wird, als Mittel, um die Spannung und Erwartung auf die endgültige Klärung aller Fragen einmal mehr zu erhöhen.

Dabei springt die Autorin im Laufe von „Licht“ wiederholt zwischen den unterschiedlichsten Zeiten hin und her. Hauptsächlich befindet man sich im Jahr 1940, nur um sich dann im Jahre 1944 wiederzufinden. Ebenso gibt es Abschnitte, die zur Zeit des VE-Days, des „Victory in Europe“-Days, 1945, stattfinden oder in der Zeit, aus der die Zeitreisenden stammen.

Die Reihenfolge mag verwirren und so manches Kapitel wirft viele Fragen auf. So findet der Beginn des Romans am VE-Day, statt. Hier fehlen die bekannten Gesichter, bis gegen Ende angedeutet wird, dass da eine der Gestrandeten ebenfalls präsent sein könnte. Endgültig gelöst werden dieses und alle anderen Rätsel erst dann, wenn man den Band bis zur letzten Zeile gelesen hat.

Denn man wird dieses Buch so schnell nicht aus der Hand legen können. Es ist dafür einfach zu gut und unterhaltsam geworden. Und man kann sich sicher sein, dass wirklich alle Fragen geklärt werden.

Cover © Cross Cult

  • Autor: Connie Willis
  • Titel: Licht
  • Teil/Band der Reihe: 2 von 2
  • Originaltitel: All Clear
  • Übersetzer: Claudia Kern
  • Verlag: Cross Cult
  • Erschienen: 02/2017
  • Einband: Broschiert
  • Seiten: 850
  • ISBN: 978-3-95981-170-5
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

     

    Wertung: 15/15 dpt


Über den Autor

Götz Piesbergen


Ich darf mich vorstellen? Wunderbärchen! :D

Mein Name ist Götz Piesbergen, wobei ich in den Weiten des World Wide Web auch noch ein paar andere Pseudonyme verwende. Ich bin ein Vielschreiber und Vielleser, der quasi alles verschlingt, was Buchstaben hat (hmm, lecker! :D). Und da ich zu den Leuten gehöre, die ihre Meinung im Netz gerne kundtun, bespreche ich auch die Sachen, die ich lese oder zocke oder sehe.

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Connie Willis – Licht (Buch)

von Götz Piesbergen Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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