Una McCormack – Star Trek – Deep Space Nine: Misstrauen (Buch)

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Una McCormack - Deep Space Nine - Misstrauen Cover © Cross CultEndlich geht es weiter! Nach über sechs Jahren Pause ist mit Una McCormacks „Misstrauen“ ein neuer Roman aus der literarischen „Star Trek Deep Space Nine“-Serie erschienen. Und seit dem letzten Buch aus dieser Reihe ist viel im „Star Trek“-Kosmos geschehen. Die vielleicht größte Veränderung ist die, dass die alte cardassianische Raumstation, die so lange das Merkmal der Fernsehserie und der Buchreihe war, in der Geschichte „Star Trek – Typhon Pact 6: Schatten“ von einem Breen-Raumschiff vernichtet wurde. Da jedoch das Wurmloch, an dem sich die alte Station befand, ein wichtiger, strategischer Posten war und immer noch ist, wurde von der Föderation eine neue Raumstation gebaut. Zu deren neuer Kommandantin Ro Laren ernannt wurde, die bereits auf der Vorgängerstation Offizierin war. Die neue Station wurde allerdings unter tragischen Umständen eingeweiht, da während der Einweihungszeremonie die Präsidentin der Föderation, Nan Bacco, einem Attentat zum Opfer fiel, was man im Roman „Star Trek – The Fall 1: Erkenntnisse aus Ruinen“ nachlesen kann.

Mit Una McCormack wurde eine Autorin aktiv, die sich im literarischen „Star Trek“-Universum bereits bestens auskennt. So stammen von ihr zum Beispiel die Bücher „Star Trek – Die Welten von Deep Space Nine 01“ oder „Star Trek – Typhon Pact 7“. Alles Werke, die dem Leser in sehr guter Erinnerung geblieben sind. Abseits von „Star Trek“ hat die 1972 geborene Britin außerdem diverse Erzählungen für „Doctor Who“ geschrieben. Ansonsten lehrt sie an der Anglia Ruskin University in Cambridge »Kreatives Schreiben«, wo sie des Weiteren die Co-Direktorin für das dortige „Centre for Science Fiction and Fantasy“ ist.

An Bord der neuen Raumstation kehrt nach den letzten Ereignissen langsam so etwas wie Normalität ein, auch wenn es auf einigen Posten personelle Veränderungen gab. So wird die Station nun von Commander Ro Laren geführt, derweil Beverly Crusher von der Enterprise temporär den Posten des Chefarztes übernommen hat, bis jemand gefunden wird, der diese Stelle dauerhaft übernehmen kann. Alles scheint friedlich zu sein, bis eine Gruppe von verschiedenen Aliens auftaucht. Sie nennen sich „Das Volk der Himmelsweite“ und bitten auf der Station um Asyl.

Gleichzeitig bricht die ehemalige Enterprise-Ärztin Katherine Pulanski auf eine eigene Mission auf. Sie leitet das Wissenschaftsschiff Athene Donald, das im Gamma Quadranten forschen soll. An Bord befinden sich nicht nur Vertreter der Föderation, sondern auch solche aus dem Typhon Pact, einer rivalisierenden Sternengemeinschafft. Die Reise wird allerdings jäh von einem fremden Schiff gestoppt, das einer unbekannten und mächtigen Spezies angehört. Dieser Erstkontakt wird schnell zur ersten Bewährungsprobe der Crew des Wissenschaftsschiffes.

Selbst im literarischen „Star Trek“-Kosmos, in welchem gefühlt schon alles geschrieben worden ist, was geschrieben werden konnte, gibt es immer noch Romane, die für sich genommen innovativ wirken. „Misstrauen“ ist ein solches Buch. Es ist die erste Geschichte aus diesem Universum, die gemäß dem Wissenstand des Redakteurs und nach einer ausgiebigen Recherche problemlos den bekannten Bechdel-Test bestehen könnte. Denn gemäß den Vorgaben des Tests sind alle wichtigen Rollen mit namhaften Frauen besetzt, die sich miteinander über etwas anderes als einen Mann unterhalten. Und zwar immer wieder im Verlauf des gesamten Romans.

Wobei die Vertreter des anderen Geschlechts natürlich ebenso prominent vorhanden sind, wie man anhand bekannter Figuren wie Odo oder Jefferson Blackmer feststellen kann. Allerdings tragen sie alle zur Handlung längst nicht so viel bei wie ihre weiblichen Kollegen. Auch werden immer wieder Einträge aus Jean-Luc Picards Kapitänslogbuch zu Beginn eines jeden Kapitels zitiert. In diesen interessanten Abschnitten philosophiert er über die Anforderungen, die der Posten eines leitenden Offiziers mit sich bringt. Das liest sich zwar abwechslungsreich, trägt aber zur eigentlichen Handlung wenig bei.

Doch abgesehen davon gibt es zu diesem Roman wenig Positives zu sagen. Denn „Misstrauen“ hat vor allem das Problem, dass die Geschichte, die Una McCormack niederschreibt, einen nicht fesseln kann. Man hat vielmehr das Gefühl, das die Autorin sich verzettelt, dass sie zu viele Plots hat und es nicht schafft, sich für zwei, drei besonders wichtige zu entscheiden.

Mit dem Ergebnis, dass das Buch wie vollgestopft wirkt. Da ist zum Beispiel neben den bereits erwähnten Plots, die Enthüllung, dass die Romulaner immer noch cardassianische Gefangene bei sich haben, obwohl angeblich längst alle entlassen worden seien. Oder das Schicksal zweier Tzenkethi, die jeweils an Bord von DS9 und der Athene Donald ihre eigenen, persönlichen Schwierigkeiten haben. Oder eben auch die Probleme, die das Volk der Himmelsweite selbst hat und mit sich bringt. Oder, oder, oder. Jeder einzelne Handlungsfaden ist für sich allein genommen zwar durchaus interessant und bietet Potential für eine spannende Unterhaltung. Aber in der Masse gehen alle unter.

Was die Charakterisierungen angeht, sei als ein Beispiel Katherine Pulanski genannt. Die wird die meiste Zeit wie ein Kind dargestellt, das vor sich hin schmollt, weil es nicht seinen Willen kriegt. Das ist der Versuch, ihren aus der TV-Serie „Star Trek – The Next Generation“ bekannten, schwierigen Charakter zu betonen. Allerdings übertreibt die Autorin die Darstellung, weshalb die Figur einem schon sehr bald auf die Nerven geht.

Ein anderes Beispiel ist da der Subplot um den Sicherheitsoffizier Jefferson Blackmer, der sich durch Odos Präsenz, der den Posten früher innehatte, an Bord der Raumstation gestört fühlt. Auch hier kann die Charakterisierung nicht überzeugen, da die Schriftstellerin in diesem Fall Szenen einbaut, die sich aus der bisherigen Darstellungsweise nicht logisch ergeben. Was ebenfalls als Konsequenz hat, dass man mit dem Charakter nicht warm wird.

Unterm Strich ist der Verfasser dieser Zeilen vom erneuten Auftakt der „Deep Space Nine“-Romanreihe bitter enttäuscht. Hoffentlich machen es die zukünftigen Bücher besser.

Cover © Cross Cult

  • Autor: Una McCormack
  • Titel: Star Trek – Deep Space Nine: Misstrauen
  • Originaltitel: Star Trek – Deep Space Nine: The Missing
  • Übersetzer: Christian Humberg
  • Verlag: Cross cult
  • Erschienen: 01/2017
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 360
  • ISBN: 978-3-95981-174-3
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 6/15 dpt

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Über den Autor

Götz Piesbergen

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Ich darf mich vorstellen? Wunderbärchen! :D

Mein Name ist Götz Piesbergen, wobei ich in den Weiten des World Wide Web auch noch ein paar andere Pseudonyme verwende. Ich bin ein Vielschreiber und Vielleser, der quasi alles verschlingt, was Buchstaben hat (hmm, lecker! :D). Und da ich zu den Leuten gehöre, die ihre Meinung im Netz gerne kundtun, bespreche ich auch die Sachen, die ich lese oder zocke oder sehe.

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