Ben Aaronovitch – Geister auf der Metropolitan Line (Buch)

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Story:
Nahezu täglich werden Geister auf der Metropolitan Line gesichtet – gerade Pendler melden immer wieder, dass sie von ihnen belästigt wurden. Das Problem ist jedoch, dass sie sich nur wenige Minuten später nicht mehr daran erinnern, jemals einen Geist gesehen und den Notruf gewählt zu haben. Natürlich wird Folly mit dem Fall beauftragt und Peter Grant darf sich der Sache annehmen – zusammen mit seiner Cousine Abigail, die darauf brennt irgendwann ebenfalls zur Zauberin ausgebildet zu werden. Passende Anlagen besitzt sie, seitdem sie Peter einst bei einem Fall geholfen hat. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der Ursache der Geistererscheinungen und stoßen dabei auf einen realen Kriminalfall mit lebenden Menschen …

Eigene Meinung:
„Geister auf der Metropolitan Line“ ist ein Kurzroman zu Ben Aaronovitchs beliebter „Flüsse von London“-Reihe. Das knapp 170-seitige Büchlein spielt zeitlich zwischen Band 5 und 6 und behandelt eine Nebenhandlung, die nichts mit der eigentlichen Storyline der Urban Fantasy-Reihe zu tun hat (von einigen kleinen Hinweisen einmal angesehen). Dementsprechend sollte man die Geschichte und die Figuren kennen, wenn man sich diesen Spin-Off holen will – für Neueinsteiger ist „Geister auf der Metropolitan Line“ definitiv nicht geeignet.

Die Geschichte ist leider bei weitem nicht so spritzig und spannend, wie man es von den längeren Romanen gewöhnt ist – allein die Kürze bedeutet, dass der eigentliche Fall sehr schnell abgehandelt wird und die gewohnte Spannung nicht wirklich aufgebaut wird. Die Handlung ist sehr geradlinig, denn Ben Aaronovitch verzichtet auf allzuviele Nebenplots, was schade ist – diese machten die bisherigen Bücher immer herrlich komplex und vielschichtig. Dieses Mal ist es fast schon langweilig, weil alles in sehr geordneten Bahnen verläuft. Dadurch hat man auch recht schnell die Hintergründe ausgemacht und ahnt, was sich hinter den Ereignissen verbirgt. Auch ist die Auflösung nicht komplett schlüssig und man fragt sich, was man eigentlich liest: einen Krimi oder eine Geistergeschichte. Nichtsdestotrotz bietet „Geister auf der Metropolitan Line“ kurzweilige Unterhaltung und bringt Abigail zurück ins Geschehen, die nach ihrem ersten Auftauchen leider in keinem der Bücher vorkommt. Ansonsten tauchen leider neben Peter und Nightingale keine der allseits bekannten Figuren der Reihe auf oder werden lediglich am Rand erwähnt. Das ist schade, wobei die geringe Seitenzahl natürlich auch nur wenig Platz für all zu viele Charaktere bietet.

Stilistisch legt Ben Aaronovitch gewohnt solide, witzige und ausschweifende Kost vor, wie man schon von seinen anderen Romanen gewöhnt ist. Er hat einen flotten Schreibstil, der sich hin und wieder in Details ergeht – ohne seine Leser wirklich zu langweilen. Auch der vorliegende Kurzroman ist gut geschrieben, reicht jedoch nicht an die anderen Teile der Urban Fantasy Reihe heran, insbesondere wenn man auf die eigentliche Fortsetzung der Reihe wartet, endete Band 6 doch mit einem fiesen Cliffhanger. Da kann der Kurzroman die Wartezeit leider nur bedingt verkürzen.

Unschön ist auch der relativ hohe Preis für die wenigen Seiten Unterhaltung – „Geister auf der Metropolitan Line“ schlägt mit knapp 9,-€ zu Buche und wirkt daher im Vergleich zu den anderen Romanen der Reihe überteuert (diese liegen zwischen 10,-€ und 11,-€). Es wäre klüger gewesen, den Fans diese Sondergeschichte in anderer Form zu präsentieren, gerade weil sie nicht zur eigentlichen Storyline gehört.

Fazit:
Der Kurzroman „Geister auf der Metropolitan Line“ von Ben Aaronovitch kann aufgrund seines geringen Umfangs nur bedingt überzeugen und reicht an keinen der anderen Bände der „Flüsse von London“-Reihe heran. Wer die Figuren mag und sich schon immer gefragt hat, was aus Abigail wurde, kann einen Blick riskieren – Fans wird der kurze Spin-Off jedoch zu wenig Spannung und Dimensionalität bieten. Auch kommen die Charaktere auf den knapp 170 Seiten zu kurz, so dass das Büchlein nur für diejenigen etwas ist, die alle Abenteuer von Peter Grant im Regal haben wollen. Alle anderen sollten sich in Geduld über und auf den 7. Teil der Reihe warten – die englische Veröffentlichung für „Lies sleeping“ ist für November 2018 geplant.

Cover © dtv

  • Autor: Ben Aaronovitch
  • Titel:Geister auf der Metropolitan Line
  • Originaltitel:The Furthest Station
  • Übersetzer: Christine Blum
  • Verlag: dtv
  • Erschienen: 05/2018
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 176
  • ISBN: 978-3-423-21733-0
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite

Wertung: 7/15 dpt


Über den Autor

Juliane Seidel

Autorin, Illustratorin, Designerin, Organisatorin, Leserin. Gründerin der Rezensionsseite "Like a Dream" Seit über 15 Jahren Rezensent von homoerotischen Medien (Buch, Comic, Film) für die Plattform "Like a Dream", für Booknerds (Romane) und Amazone Vine (div. Artikel).

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Ben Aaronovitch – Geister auf der Metropol…

von Juliane Seidel Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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