Letzter Fall für den großartigen Morse

Der letzte Tag
© Unionsverlag

In dem kleinen Dorf Lower Swinstead in Oxfordshire wird die lebenslustige Yvonne Harrison erschlagen in ihrem Bett aufgefunden. Die Begleitumstände scheinen seltsam, denn sie war nackt mit Handschellen an ihr Bett gefesselt, wobei es so aussieht, als habe sie sich freiwillig in diese Lage begeben. Da Morse und Lewis mit einem anderen Fall beschäftigt sind, ermittelt Chief Superintendent Strange in dem undurchsichtigen Fall. Denn obwohl die Dorfbewohner mit Bemerkungen über das ausschweifende Sexualleben der Krankenschwester kaum hinter dem Berg halten können, so wollen sie alle von der Nacht, in der der Mord geschah, nichts mitbekommen haben. Es bleibt der einzige Fall, den Strange nicht abschließen konnte.

Das Wichtigste zuerst. Die Pubs sind schon seit fünf Minuten auf.

Ein Jahr später. Strange steht kurz vor seiner Pensionierung, aber der Fall Harrison lässt ihn nicht los. Zu gerne würde er den Makel, diesen einen Mord nicht aufgeklärt zu haben, noch abschütteln. Morse soll gemeinsam mit Lewis den Fall wiederaufnehmen, doch zu Lewis Überraschung weigert sich Morse beharrlich. Ein anonymer Anrufer verweist auf einen Gefangenen, der in Kürze aus dem Gefängnis entlassen wird und bringt diesen als Mörder indirekt ins Spiel. Kurz nach dessen Entlassung geschieht ein Mord und Morse übernimmt den aktuellen Fall. Und damit letztlich auch die Ermittlung im Fall Harrison, der Strange, Morse und Lewis an ihre Grenzen führen wird.

Alle Inspector-Morse-Romane wieder erhältlich

Ein großer Dank gebührt dem Unionsverlag, denn mit „Der letzte Tag“ liegen nun endlich wieder alle dreizehn Morse-Romane in (neuer) deutscher Übersetzung vor; teilweise allerdings auch unter neuem Titel. Die Erstveröffentlichungen erschienen zwischen 1975 und 1999, wobei der vorliegende, letzte Roman damals unter dem Titel „Und kurz ist unser Leben“ erschien. Die Kurzgeschichtensammlung „Ihr Fall, Inspector Morse“, in der auch Sherlock Holmes in einem Fall ermittelt, komplettiert das Werk von Colin Dexter, der zahlreiche Auszeichnungen einsammeln konnte.

Denken Sie nicht, dass Sie …“ „Genau dazu bin ich hergekommen. Wie kann ich denken, wenn man mir keine Gelegenheit dazu gibt? Oder glauben Sie, dass ich ausschließlich zum Vergnügen trinke?

In seinem letzten Fall wird den Fans des eigenwilligen Ermittlers noch mal alles geboten, was sie an Morse lieben. Wie üblich stürzt sich Morse auf die erstbeste Spur und sei sie noch so abwegig. Am Ende ist es dann wieder einer der unbedarften Nebensätze von Lewis, die Morse auf die Lösung bringen. Bis dahin herrscht wunderbares Durcheinander, werden viele Blindspuren gelegt und verfolgt, wobei zwischendurch reichlich Zeit für ein Pint oder einen Glenfiddich bleiben. Dabei sollte Morse eigentlich besser auf sich aufpassen, stattdessen manipuliert er die Werte für das Diabeteszentrum, wo er sich regelmäßig zu Untersuchungen einfindet. Deutlich mehr Sorgfalt gilt der Grammatik und Interpunktion bei Berichten von Lewis sowie dem Genuss von klassischer Musik. Wie schon eingangs erwähnt, scheint Morse in den alten Fall persönlich involviert zu sein, so dass Lewis das Undenkbare zu denken beginnt. Das (kaum existente) Liebesleben von Morse entwickelt sich zu einem spannenden Hintergrundthema.

Morse und Lewis glänzen in ihrem letzten Fall und wer im vorigen Jahrtausend diese großartige Serie verpasst hat oder diese nur durch die Verfilmungen kennt, sollte jetzt zugreifen. Bissige Dialoge mit englischen Humor liefern kurzweilige Unterhaltung in einer der besten Krimiserien, die ihren Reiz auch nach Jahrzehnten nicht verloren hat.

  • Autor: Colin Dexter
  • Titel: Der letzte Tag
  • Originaltitel: The Remorseful Day. Aus dem Englischen von Ute Tanner
  • Verlag: Unionsverlag
  • Umfang: 352 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Mai 2021
  • ISBN: 978-3-293-20844-5
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite


Wertung: 13/15 dpt


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