McDonald & Dodds – Staffel 1 (Serie)

In England scheint es eine schier unerschöpfliche Anzahl skurriler Ermittlerpärchen zu geben. Das Differierende trifft aufeinander, rauft sich zusammen, ergänzt sich aufs Feinste und gibt ein wie füreinander geschaffenes Team ab. Meist gegen Widerstände von außen. Dieses Muster trifft auch auf “McDonald & Dodds” zu. Und es funktioniert einmal mehr.


DCI McDonald, jung, forsch, ambitioniert, wird aus London ins pittoreske, aber nicht beschauliche, Bath versetzt, um dort in leitender Position zu arbeiten. Mit forderndem Ehrgeiz und voranpreschendem Engagement möchte sie das Revier erobern und höchst effizient zu Werke gehen. Doch zu ihrem Team gehört Sergeant Dodds, ein unscheinbarer Mann in den Fünfzigern, der nach elf Jahren am Schreibtisch erstmalig wieder Ermittlungsarbeit leistet. Er ist betulich, von naiver Jovialität und hasst “papierlose” Büroarbeit. Lieber recherchiert er in der örtlichen Bibliothek. Die aufgekratzte DCI McDonald ist genervt davon und bekommt von ihrem opportunistischen Vorgesetzten Chief Superintendent John Houseman die Ansage, Dodds möglichst schnell in Richtung Rente zu schicken. Doch wir erfahrenen Krimiseher wissen natürlich, dass Dodds‘ Schildkrötenarbeit der Schlüssel zum Erfolg des Teams wird.

Die erste Staffel umfasst lediglich zwei spielfilmlange Folgen. “Der Tote nahm den Hut” handelt vom Mord an einem scheinbaren Einbrecher. Der Eindringling wurde im Haus des schwerreichen Patriarchen Max Crockett erschossen. Erste Ungereimtheiten wecken Zweifel und bald ist die gesamte Familie Crocketts, der seinen einzigen Erben benennen will, verdächtig. Es wird weitere Wendungen nehmen, und DCI McDonald steht bei ihrem Einstand bald mit dem Rücken zur Wand. Die Gesellschaft von Bath ist ein verwobenes Geflecht, in dem es vor Lügen, Verstrickungen und Verfehlungen nur so wimmelt. Sergeant Dodds sorgt nach vielen Wirrungen für ein Happy End.

“Die Leiche hing am Wasserrohr” führt in eine Sucht- und Therapieklinik, in der das Mitglied einer Therapiegruppe augenscheinlich Suizid begangen hat. Dodds und McDonald haben berechtigte Zweifel an der Selbstmordtheorie. Zu Recht. Die Kombo um die manipulative Therapeutin Kelly Mulcreevy hat diverse Leichen im Keller verborgen. Und bekommt Hilfe von unerwarteter Seite. Zumindest für die Protagonisten unerwartet, denn wie schon in der ersten Folge besitzt das Publikum mehr Informationen als der Ermittlertrupp. Der Handlungsverlauf bleibt auf dem bereits bekannten Kurs: Es setzt Fehlschläge, weitere Geheimnisse kommen ans Licht, Haken werden geschlagen und während DCI McDonald noch im Halbdunkeln tappt, wühlt sich Sergeant Dodds in der Bibliothek zur Lösung vor.

Die zwei Filme machen Lust auf mehr. Das ungleiche Pärchen harmoniert, nach leichten Anlaufschwierigkeiten, sehr gut miteinander. Die Fälle sind nicht sonderlich spektakulär, erlauben aber dezidierte Seitenhiebe gegen Alltagsrassimus, den besonders McDonald als dunkelhäutige Frau zu erleiden hat, monieren die verfehlte Wohnungspolitik, die nur Besserverdienenden nützt, beleuchten die stillschweigenden korrupten Verstrickungen, besonders innerhalb vermeintlich idyllischer Gemeinden wie Barth. “Damit kommen Sie vielleicht in London durch, aber nicht hier!” wird McDonald von ihrem Chef öfters zurechtgewiesen, wenn Sie unabhängig von Rang und Namen ermitteln möchte. Um später zynisch aufgeklärt zu werden, dass dies natürlich nur als Ansporn gemeint war.

Filmisch ist die Serie gediegen umgesetzt, es stechen einige Kamera(Drohnen)-Flüge über Bath hervor, die den Ort eindrucksvoll bebildern. Der Hauptcast um Jason Watkins (DS Dodds) und Tala Gouveia (DCI Lauren McDonald) gefällt durch Spielfreude, wenn auch die ständigen Sidekicks Jack Riddiford und Pearl Chanda (steigt nach der ersten Staffel aus) noch etwas blass bleiben. Punkten kann der Zweiteiler besonders durch die Gastdarsteller*innen. Es tauchen unter anderem auf: Eine gegen ihr Image als “No Offence”-Chefin besetzte Joanna Scanlan als äußerst durchtriebene und aalglatte Manipulatorin Kelly Mulcreevy, Caroline Catz (“Doc Martin”, “Inspector Banks”) als sexsüchtige Therapiegruppenangehörige sowie “Ghosts” Hauptaktrice Charlotte Ritchie als undurchsichtige Polizistin. Für Staffel 2 kündigen sich Rupert Graves, Patsy Kensit und Ex-Spandau Ballet-Bassist Martin Kemp an.

Joanna Scanlan
Caroline Catz

McDonald & Dodds erfinden das Rad der Fernsehunterhaltung nicht neu, lassen es aber gut geschmiert laufen. Die Witze haben Schmunzelcharakter, Spannung ist wohldosiert und ein bisschen Ernsthaftigkeit kommt auch zustande, wenn die Einsamkeit und Verlorenheit der Beteiligten in den Fokus rückt. Insgesamt amüsante Feierabendunterhaltung.

© Cover und Bilder: Edel Motion/Glücksstern

  • Titel: McDonald & Dodds, Staffel 1
  • Originaltitel: McDonald & Dodds
  • Produktionsland und -jahr: GB ,2020
  • Genre: Krimiserie, Dramedy
  • Erschienen: 25.10.2021
  • Label: edel Motion
  • Spielzeit:
    200 Minuten auf 1 DVD
  • Darsteller:
    Tala Gouveia
    Jason Watkins
    James Murray
    Pearl Chanda
    Jack Riddiford
  • Regie: Laura Scrivano
    Richard Senior
  • Drehbuch: Robert Murphy
  • Musik: Blair Mowat
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    Bildverhältnis 16:9
    Sprachen/Ton:
    Deutsch, Englisch, Dolby Digital 5.1
    Untertitel:
    D
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite

Wertung 10/15 dpt


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