Elitesoldat, Imbissbude, Auftragsmörder

Manuel Jessen betreibt eine Currywurstbude auf St. Pauli, die einen legendären Ruf genießt, denn die Zutaten bis hin zum Ketchup stellt er selber her. Daneben träumt er von einer festen Beziehung mit Thea, doch wie alle anderen, ahnt auch sie nichts von seiner Vergangenheit. Jessen war Elitesoldat in Afghanistan, wurde gefangen und von der CIA befreit, für die er nun insgeheim arbeitet: als Auftragsmörder.
In Deutschland tummeln sich mittlerweile sämtliche Geheimdienste dieser Welt, hinzu kommen kriminelle Vereinigungen aller Art und eine deutsche Politik, die dem Ganzen mit Demokratie und Rechtsstaat entgegenwirken will. Mehrere Mitarbeiter deutscher Dienste haben daher einen Geheimbund gegründet und sind bereit, unliebsame Spione, Gangster und Mörder eliminieren zu lassen. Hier kommt Jessen ins Spiel.
„Ich weiß natürlich nicht, wo genau du eingesetzt wirst. Aber die Chance, dass du irgendwo hinkommst, wo es gerade heiß hergeht, ist hoch. Sanaa, Damaskus, Asmara. Etwas in der Richtung.“
„Asmara?“
„Kennt niemand. Die Hauptstadt von Eritrea. Kein einfaches Pflaster für Leute in unserem Metier.“
Berkan Cetin ist in Hamburg angekommen, wo er sich als Geschäftsmann Kabir Awid ausgibt. Aber Cetin ist ein Terrorist, ließ hunderte Menschen in Namen der IS in einer syrischen Kleinstadt foltern und ermorden, machte selber kräftig mit. So einer darf sich nicht in Deutschland betätigen, zumal man annimmt, dass er einen Anschlag im Hamburger Hafengelände plant. Alles geht glatt, doch zwei Wochen später findet Jessen eine Phantomzeichnung von sich in der Tageszeitung, mit der die Polizei den Mörder von Awid finden will. Ihn hat niemand gesehen, woher kommt also die genaue Täterbeschreibung und warum erst jetzt? Jemand muss Jessen verraten haben, dabei ist die Wahrheit noch viel verwirrender und die Zeit läuft bereits gegen ihn.
Faszination Fernost und Kriminelle aller Art
Henrik Siebold (Daniel Bielenstein) ist den Krimifans nicht unbekannt, dank der lesenswerten und erfolgreichen Inspektor-Takeda-Reihe, deren bereits achter Band kürzlich erschienen ist. Siebold wuchs in Tokio auf, so dass ihm die japanische Kultur bestens vertraut ist, was auch in diesem Werk durchgängig zu spüren ist. Die Geschichte spielt abwechselnd in der Gegenwart sowie in Rückblenden, in denen der Werdegang Jessens aufgezeigt wird. Dieser soll hier nicht zu sehr „gespoilert“ werden, aber die Stationen sind unter anderem Afghanistan und Tokio. Es kommt zu Begegnungen mit der IS, Al-Kaida, der CIA, der Yakuza und in der Gegenwart mit einem Verbindungsmann der deutschen Dienste, dem türkischen Auslandsdienst MIT, einer Rockergang und, da die Geschichte auch auf St. Pauli spielt, mit der dortigen Unterwelt.
„Du wirst sterben. Nur darum heuern sie Leute wie dich an. Ausländer, keine Amerikaner. Männer, die nicht in Zinksärgen zurück in die Heimat gebracht werden müssen, wenn sie im Einsatz sterben. Weil es sie offiziell gar nicht gibt. Du gehörst im wahrsten Sinne des Wortes zu einer Schattenarmee.“
Der einstige Elitesoldat wird von der CIA ausgebildet, später erhält er von japanischen Kampfsportkünstlern den letzten Schliff und wird zur unschlagbaren Waffe, wie zahlreiche Kampfszenen, damals wie heute, belegen werden. Neben wilden Kämpfen und viel Geheimdienstaktivitäten, geht es immer wieder um die Frage, wem er Zeit seines Lebens vertrauen kann? Jemand vertrauen ging schon in Afghanistan schief, wo er in einen Hinterhalt geriet und jetzt, heute, scheint er erneut verraten worden zu sein.
„Wenn Krieg herrscht, ist es am schlauesten, nicht hinzugehen. Leben und Tod sind eins, aber wenn du die Wahl hast, ist es besser, zu leben.“
Wen Begriffe wie Kampfsport, Elitesoldat, Terror, Geheimdienste, Organisierte Kriminalität und so weiter nicht abschrecken, der kann und sollte hier zugreifen. Ja, einiges mag übertrieben und unrealistisch erscheinen (ist es auch), aber da beispielsweise die Geheimdienste nicht umsonst so heißen, weiß man es eben nicht so genau. Und wie in Japan traditionelle und moderne Kampfmethoden vermittelt werden, wurde zwar schon oft beschrieben, aber im vorliegenden Fall eben von einem Autor der – wie man so schön sagt – „Land und Leute“ kennt. Wie schon Inspektor Takeda ist auch der vorliegende Stand-alone eine klare Empfehlung, wenn man es denn gern martialisch mag.
- Autor: Henrik Siebold
- Titel: Schattenkrieger
- Verlag: atb
- Umfang: 381 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: Dezember 2022
- ISBN: 978-3-7466-3950-5
- Produktseite

Wertung: 12/15 dpt







