Massimo Carlotto – Die Frau am Dienstag (Buch)

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Ein wildes Beziehungsgeflecht nimmt seinen Lauf 

Der frühere Pornodarsteller Bonamente Fanzago lebt seit fünfzehn Jahren in der Pension Lisbona, wo er von dessen Inhaber, dem Transvestiten Signor Alfredo, wie ein Sohn behandelt wird. Nach einem Schlaganfall lebt Bonamente sehr zurückgezogen, allein ein Treffen mit einer unbekannten Schönheit bringt ihm Abwechslung. Jeden Dienst um drei Uhr erscheint für eine Stunde die geheimnisvolle Frau, die für den Sex mit Bonamente bezahlt und dabei immer ein hochprozentiges Getränk parat hat. Doch dann möchte Bonamente noch einmal zeigen was er kann, einen allerletzten Film drehen. Alfredo ist alarmiert, fürchtet er doch, dass er sowohl für den Film wie auch für seine Beziehung zu der Dienstagsfrau unterstützende Pillen benötigt, die sich mit seinen Tabletten, die er infolge des Schlaganfalls nehmen muss, nicht vertragen. Bonamente in tödlicher Gefahr sehend, findet Alfredo heraus, dass die Unbekannte mit dem Anwalt Fontana zusammenlebt. Als Alfredo diesen über das Verhältnis seiner vermeintlichen Frau aufklären will, kommt es zu einem kurzen Handgemenge. Wenig später betritt Fontana, in Gedanken abgelenkt, die Straße, wo er von dem zu spät reagierenden Alfredo angefahren und tödlich verletzt wird. Kommissar Michele Pagano hat nach kurzer Zeit die Dienstagsfrau in Verdacht, sich ihres älteren Liebhabers entledigt zu haben, denn bei der Frau handelt es sich Alfonsina Malacrida, genannt Nanà, die in jungen Jahren bereits im Gefängnis saß. Eben, weil sie verdächtigt wurde, ihren älteren Partner ermordet zu haben. Später arbeitete sie als Prostituierte, bevor Fontana sie in ein behütetes Leben zurückholte. Auch der pensionierte Journalist Pietro Maria Belli fühlt sich auf den Plan gerufen, denn seiner Meinung nach wurde Nanà damals nicht hart genug bestraft…

Massimo Carlotto hat mit “Die Frau am Dienstag” einen außergewöhnlichen Plot gezaubert, was sich schon aus den Protagonisten ersehen lässt. Ein alternder Pornostar und eine ehemalige Prostituierte, die zu Unrecht im Gefängnis saß. Ein Rechtsanwalt, der einen Fehler aus der Vergangenheit wieder gut machen will, ein übereifriger Kommissar, ein wild entschlossener, skrupelloser Journalist und nicht zuletzt ein alter Transvestit, der mit seinem unerwünschten Einmischen eine beeindruckende Lawine auslöst. Zunächst erhält man Einblicke in Bonamentes Berufsleben und dieses besondere Filmegenre, so dass die Handlung zunächst kleinere Längen hat. Es dauert, bis es zu dem tragischen Unfall kommt, aber dann kennt der Autor kein Halten mehr und schlägt eine Volte nach der anderen.

“Wieso haben Sie sich getroffen?”
“Warum wohl? Ich war bei ihm, um ihm zusagen, dass seine Geliebte ihn seit Jahren mit einem Gigolo betrügt.”
“Signor Alfredo!”
“Lass den Scheiß! Ich habe es für dich getan, um dich vor ihr zu schützen. Ich wusste, dass sei ein dunkles Geheimnis hatte.”
“Nach dem, was ich gelesen habe, hat sie immer erklärt, sie sei unschuldig. Und ich liebe sie. Warum mischen Sie sich also ein?”

Die bewegende Vergangenheit der Figuren, hier allen voran Nanàs, führt an den Rand der Gesellschaft, in der andere Spielregeln herrschen. Dies erfährt Alfredo einmal mehr, als sich dessen langjähriger Stammgast und Geliebter von ihm verabschiedet. So bleibt nur noch Bonamente als einziger Gast und die Angst, selbst diesen zu verlieren, löst die Kettenreaktion aus. Das Verhältnis zwischen Nanà und Fontana ist ebenfalls recht dubios; auch hier kommt es aufgrund von weiteren Eifersüchteleien zu Überraschungen. Im Hintergrund agiert ein namenloser Helfer (genannt Cowboy), der, ein guter Freund des verstorbenen Fontanas, Nanà beisteht, so gut er kann. Als ein Mord geschieht, müssen die drei Protagonisten im wahrsten Wortsinn die Flucht nach vorne antreten.

Kurzweilige Unterhaltung fernab des üblichen Mainstreams.

  • Autor: Massimo Carlotto
  • Titel: Die Frau am Dienstag
  • Originaltitel: La signora del martedi
  • Übersetzer: Ingrid Ickler
  • Verlag: folio Verlag
  • Erschienen: 08.2020
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 213
  • ISBN: 978-3-99037-109-1
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeit

12/15 dpt


Über den Autor

Jörg Kijanski

Großer Krimifan seit Jugendzeiten, zudem seit 2005 vor allem als Redakteur für die Krimi-Couch und Histo-Couch tätig. Inzwischen haben sich über tausend Rezensionen angehäuft. Neu seit Sommer 2019 auch bei booknerds.de am Start.

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Massimo Carlotto – Die Frau am Dienstag (B…

von Jörg Kijanski Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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