Veronika Bauer – Wer Verderben sät (Buch)

Abgründe statt Dorfidylle

In Brunnleithen, Österreich, ist Erntezeit und die billigen Arbeitskräfte aus Ungarn sind schon da. Von den Dörflern werden sie geschnitten, sind ja eh alles Verbrecher. Elza ist eine von ihnen, doch sie kam schon vor etlichen Monaten, heiratete den Landwirt Johan und blieb. Es war keine Liebes-, sondern eine Vernunftehe, allerdings für beide Seiten. Der Hass der Einheimischen ist ihr seitdem gewiss. Sie setze sich ins gemachte Nest, sei nur auf das Geld aus.

Nun, eines Morgens, erwacht Elza, öffnet das Fenster, wirft einen Blick zurück auf das eheliche Bett und erschrickt, denn Johan ist tot. Wie sie im Lauf des Tages merkt, wurde er vergiftet. Was tun? Würde sie die Polizei rufen, wäre sie selbst die erstbeste und natürliche Verdächtige. In der Nacht begräbt sie Johan im Garten, wird dabei aber von Maria und Rupert beobachtet. Maria gilt im Ort als religiöse Eiferin und Wahnsinnige, der niemand glaubt und die sich früher selbst Hoffnung auf Johan machte. Rupert ist der Nachbarssohn und sitzt seit Jahren im Rollstuhl. Nachdem ihm Elza ominöse Zettel zeigt, die sie beschuldigen, will er ihr jedoch helfen.

„Ich bin immer noch dafür, dass du die Wahrheit sagst und hoffe, dass man dir glaubt.“

„Das ist bisher immer schiefgegangen. Mir hat noch nie jemand geglaubt.“

Es geschieht ein weiterer Giftmord und Johans Bruder Lorenz gerät unter Verdacht. Kurz vor Johans Tod hatten die Brüder einen heftigen Streit. Als auch Lorenz spurlos verschwindet, muss Elza vor der Polizei fliehen und nur Rupert scheint ihr noch helfen zu können.

Ein Alptraum in jeder Hinsicht

„Wer Verderben sät“ fängt kurios an. Eine Frau begräbt ihren Gatten statt die Polizei zu rufen und ihr Nachbar, der die nächtliche Aktion beobachtet, verständigt diese ebenfalls nicht. Selbst für die österreichische Provinz dürfte ein solches Verhalten recht unwahrscheinlich sein; sehr vorsichtig formuliert. Lässt man diesen Aspekt außen vor und sich stattdessen auf die wahnwitzige Geschichte ein, wird man mit zunehmender Dauer belohnt, denn wenngleich das Verhalten der beiden Hauptfiguren, Elza und Rupert, auch im weiteren Verlauf alles andere als nachvollziehbar erscheint, so entsteht doch eine hohe Sogwirkung. Fans von Fitzeck, Etzold, Strobel und Co. kommen hier durchaus auf ihre Kosten.

Eine unheilvolle Stimmung lag über Brunnleithen. Ein Schatten war auf das Dorf gefallen. Noch konnte es niemand in Worte fassen, doch etwas Böses breitete sich aus. Es drang nicht von draußen herein. Es versteckte sich mitten unter ihnen.

Die Handlung orientiert sich streng an Elza, deren Welt zunehmend dem Wahnsinn anheimfällt. Nicht nur wegen Maria, sondern auch, weil sie selbst immer öfter zu Tabletten greift und dadurch den Bezug zur Realität zu verlieren droht. Woher kommen die mysteriösen Nachrichten auf Papier, später auf dem Handy? Woher weiß der Täter über jeden ihrer Schritte Bescheid? Sollte es einer der ungarischen Gastarbeiter sein, womöglich ihr früherer Geliebter Ödön, der zudem ihr großes Geheimnis kennt?

Elza stammt aus dem kleinen Ort Farkasberek, wo sie bereits verheiratet war und einen Sohn hat. Plötzlich wird sie dort von der ungarischen Polizei gesucht, nachdem es in Farkasberek ebenfalls zu einem Giftmord kam. Packender, düsterer Thriller mit hohem Tempo und viel Action, bei dem sich der Irrsinn Bahn bricht.

  • Autorin: Veronika Bauer
  • Titel: Wer Verderben sät
  • Verlag: Gmeiner
  • Umfang: 384 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: August 2025
  • ISBN: 978-3-8392-0915-8
  • Produktseite

Wertung: 11/15 dpt

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