Hubertus Borck – Die gute Tat (Buch)

Temporeicher Mainstreamthriller

© Rowohlt

Martin Suttmann, langjähriger Chef im LKA von Franka Erdmann und Alpay Eloğlu, ist verstorben. Die Beerdigung ist noch nicht ganz beendet, da werden die beiden Ermittler in das Borgholster Schilf gerufen, wo eine weibliche Wasserleiche gefunden wurde. Die Frau lag schon länger in der Elbe und geriet wohl in eine Schiffsschraube, was die Identifizierung vor eine Herausforderung stellt. Auffällig ist jedoch, dass im Hals ein Projektil einer Taserpistole steckt. Drei Frauen im fraglichen Alter werden vermisst. Lilija Girdauskas, Franziska Roicke und Melanie Lilienberg. Auf einem Foto entdecken die Ermittler, dass Girdauskas und Lilienberg sich kannten. Im letzten Jahr saßen sie beim Tag des Ehrenamtes in Berlin nebeneinander.

Die DNA-Analyse ergibt, dass es sich um Girdauskas handelt, während sich im Haus des Ehepaars Roicke ein erschreckendes Bild bietet. Im Badezimmer gibt es zahlreiche Blutspuren, zudem ein Tagebuch, wonach sich Franziska von ihrem Mann seit langer Zeit massiv bedroht fühlte. In Franziskas Auto finden die Ermittler zudem einen Fingernagel von Girdauskas, so dass Ehemann Richard als Hauptverdächtiger festgenommen wird. Doch weitere Leichen werden in der Elbe gefunden, es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

„Ich habe nicht einen Menschen getötet, sondern viele.“

„Was meinst du mit viele? Wie viele waren es, mein Sohn?“

„Es ist doch scheißegal, wie viele es waren, Herr Pfarrer. Vielmehr geht es doch darum, wie viele es noch werden.“

Während Franka und Alpay nicht weiterkommen, wissen die Leser, dass sich die Ursache der Mordserie vor über dreißig Jahren findet. Die Spuren führen zu einer katholischen Kirche, deren damaliger Pfarrer Remigus ein enger Freund von Suttmann war.

Vierter Fall der Erdmann-und-Eloğlu-Reihe

Bereits zum vierten Mal (nach „Das Profil“, „Die Klinik“ und „Die Strafe“) sind die LKA-Ermittler Franka Erdmann und Alpay Eloğlu gefordert und so langsam findet sich Alpay in seiner Rolle immer besser zurecht. Ein Punkt, der gleich mehrfach betont wird. Drei Jahre arbeitet er nun schon mit der 61-jährigen Franka zusammen und darf im vorliegenden Fall erstmals eine Soko leiten. Sich für Suttmanns Nachfolge zu interessieren, kommt Franka selber nicht in den Sinn, denn dies würde ein Ende praktischer Ermittlungsarbeit draußen und stattdessen einen Schreibtischjob bedeuten. Ein allzu ehrgeiziger und unkollegialer Kollege könnte ihre Meinung allerdings noch ändern.

„Die gute Tat“ ist ein klassischer Mainstreamthriller mit allen Zutaten, die das Genre auszeichnet. Tempo- und wendungsreiche Action, wobei Autor Hubertus Borck seine Leser recht früh auf die vermeintliche Auflösung hinweist. Dies ändert sich in der Folge und am Ende gibt es eine durchaus überraschende Lösung, auf die man bis kurz vor dem Finale eher nicht kommen wird.

Was die beiden Protagonisten, über deren Privatleben man erstaunlich wenig bis gar nichts erfährt, womöglich haben sie keins, zunächst nicht wissen, wird dem Leser in Rückblenden erzählt. Im Herbst 1994 gab es von der Kirche einen einwöchigen Ausflug auf die Insel Amrum. Schnell wird klar, dass hier etwas grundliegend schiefging und es wohl zu einem Fall von sexualisierter Übergriffigkeit kam. Missbrauch in der katholischen Kirche? Ist jetzt nicht wirklich ein ganz neues Thema, wird aber durchaus originell vorgetragen.

Der Plot lebt von seinen bereits erwähnten Blindspuren und der Auflösung. Hamburg als Kulisse hätte man dagegen durchaus umfangreicher darstellen können, ebenso – wie erwähnt – die beiden Hauptfiguren. So wirken die Figurenzeichnungen etwas hölzern. Dafür entschädigt Genrefans eine hohe Mord- und eine ungewöhnliche Todesmethode, denn eine Taserpistole in Kombination mit Ertrinken in einem Tank gab es wohl noch nie. Wer Autoren wie beispielsweise Fitzeck, Strobel, Winkelmann oder Jan Beck (um nicht alle zu nennen) mag, kann zugreifen.

  • Autor: Hubertus Borck
  • Titel: Die gute Tat
  • Verlag: Rowohlt
  • Umfang: 384 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Mai 2025
  • ISBN: 978-3-499-01078-1
  • Produktseite

Wertung: 11/15 dpt

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