Jon Bassoff – Todestaufe (Buch)

Was geschah vor über dreißig Jahren?

Holt Davidson arbeitet als Feuerwehrmann in Kansas, wo er ein zurückgezogenes Leben führt. Als er von Joyce Brandt, der besten Freundin seiner Mutter Vivian, erfährt, dass diese sich umgebracht hat, fährt er zurück nach Thompsonville, Colorado, um sich von ihr zu verabschieden. Jahrzehnte ist der letzte Kontakt her, doch im elterlichen Haus kehren alte Erinnerungen zurück. Nicht nur das, denn Holt findet in einem Versteck einen Revolver, einen Liebesbrief und ein Foto eines erschossenen Mannes, datiert auf den 12. November 1984. Was hat es damit auf sich? Hat Vivian den fremden Mann erschossen, sich womöglich deswegen umgebracht? Doch warum nach so langer Zeit?

„Wir müssen alle sterben. Das Kino erzählt nicht die Wahrheit. Es gibt nie ein Happy-End. In der ganzen Geschichte der Menschheit gab es noch keins.“

Holt lässt die Vergangenheit keine Ruhe, er will wissen, wie die Geschehnisse zusammenhängen. Bei der Recherche alter Zeitungsartikel erfährt er, dass der ermordete Mann Ruben Ray war, der frühere Geliebte von Vivian. Alles spricht dafür, dass Vivian den Mann erschossen hat. Ist das Motiv bei seiner Schwester Orphelia zu finden, die damals in eine Nervenklinik eingewiesen wurde, weil sie angeblich wahnsinnig wurde?

Familiäre Abgründe, die teils tödlich enden

„Todestaufe“ von Jon Bassoff ist ein Noir, der unter die Haut geht. Zunächst leidet man mit dem Protagonisten, wenngleich dieser kaum zu fassen ist. Holt ist eine Art Neutrum, über den man kaum etwas erfährt, abgesehen davon, dass in seiner Kindheit einiges völlig schief ging. Fünf Jahre war er alt, als Vivian Ruben mit drei Schüssen tötete, was sich im Prolog andeutet und wenig später auch für Holt zur Gewissheit wird, der nun herausfinden will, warum sich die Dinge so entwickelt haben.  

Vivian suchte nach dem Mord Erlösung und Hilfe durch Gott, steigerte sich in einen religiösen Wahn, dem sie auch ihre Kinder unterwerfen wollte. So entsteht eine Verkettung der Ereignisse, die tragischer kaum sein können und die Frage aufwerfen, wer hier dem Wahnsinn verfallen ist? In der Gegenwart des Jahres 2018 stellt Holt Zeitzeugen von damals Fragen, wodurch seine Erinnerung mehr und mehr zurückkehrt. Die mitwirkenden Hauptfiguren sind überschaubar. Vivian und ihre Kinder Orphelia und Holt, Ruben, Joyce und nicht zuletzt Bobby, Vivians Bruder, der damals einige Wochen bei der Familie verbrachte.

Bassoff erzählt seine Geschichte ausdrucksstark und sehr ruhig. Es kommt zu besagtem Mord und weiteren Verbrechen, zudem wird eine weitere moralische Grenze überschritten. Die Ingredienzien eines Krimis sind gegeben, allerdings sollte man den Roman eher als Familiendrama lesen, denn hier liegt das Zentrum des Geschehens. Was ist passiert, wie wirkt es sich auf die Familie aus und wie kommt es zu einer Reihe verheerender Entscheidungen? Die Sogkraft des Romans wird schnell spürbar, man leidet mit Holt und erlebt am Ende eine faustdicke Überraschung. Ein lesenswertes Nachwort von Ulrich Noller rundet den positiven Gesamteindruck ab.   

  • Autor: Jon Bassoff
  • Titel: Todestaufe
  • Originaltitel: Beneath Cruel Waters. Aus dem Amerikanischen von Sven Koch mit einem Nachwort von Ulrich Noller
  • Verlag: Polar
  • Umfang: 328 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: August 2025
  • ISBN: 978-3-910918-28-3
  • Produktseite

Wertung: 12/15 dpt

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