Das Monster unterm Bett mal anders erzählt!
Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Kinderbuch, weil Mateo Dineen, von dem ich großer Fan bin, das Cover designed und das Buch illustriert hat. Ich dachte dementsprechend auch, es würde sich um ein Bilderbuch handeln, tatsächlich ist es aber ein Buch zum Vor- uns Selberlesen.

Nina, die Protagonistin im Buch, hat es nicht leicht – in ihrem Alltag begegnen ihr allerlei Situationen, in denen sie sich gerne wehren würde, sich aber nicht traut. Da wäre doch ein großes gefährliches Monster, vor dem alle anderen Angst haben ein toller Begleiter! Als sie den Katalog eines Monsterversands findet, wird ihr Traum Wirklichkeit. Statt dem großen, angsteinflößendem Monster Walter wird ihr aber die kleine, ängstliche Mimi geliefert und somit das komplette Gegenteil von dem, was Nina wollte …
Rüdiger Bertram hat mit „Ninas Monster“ einen Reihenauftakt geschrieben, der sich, auf Grund der einfachen Sprache auch bestens schon zum Vorlesen für Kinder ab fünf oder sechs Jahren eignet und der auch den erwachsenen Vorleser*innen einigen Spaß bringt. Neben kleinen Eastereggs, wie z. B. dass der Monsterversand „Franken & Stein“ heißt, verstecken sich im Buch auch einige Ellenbogenspitzen gegen gesellschaftliche Phänomene, wie z. B. dass Nina das einzige Kind ist, das nicht von ihren Eltern bis vor die Schultüre mit dem Auto gefahren wird.
Besonders gut gefallen hat mir Ninas Oma, die nämlich versucht auf TikTok mit ziemlich schräger Mode erfolgreich zu werden. Damit greift er, auf schön alberne Art und Weise, die Lebenswelt auf, mit der viele Kinder mittlerweile schon früh in Begegnung kommen – nämlich das ihre Bezugspersonen oft keine Zeit haben oder abgelenkt sind, weil sie dieses und jenes noch auf Social Media posten oder anschauen müssen. Gleichzeitig ist diese TikTok-Oma mein größter Kritikpunkt am gesamten Buch:
Die Monster von „Franken & Stein“ sind ziemlich teuer, Ninas Eltern arbeiten in eher unterbezahlten Jobs und Nina selbst versucht sich zwar an Nebenjobs, würde aber niemals schnell genug das Geld für Walter zusammenbekommen. Also greift Ninas Oma mal eben schnell zum Handy, schießt ein Foto von der traurigen Nina und bittet auf ihrem TikTok-Kanal um Spenden für Ninas Monster. Quasi über Nacht kommt so der Betrag zusammen, den Nina für die Bestellung braucht.
Auch das klingt nach einer Idee, die nicht sooo weit von der Lebensrealität entfernt ist, leider wird im Buch aber überhaupt nicht darauf eingegangen, dass Kinderfotos nicht ins Netz gehören und dass diese Methode der Oma ziemlich fragwürdig, wenn nicht sogar fahrlässig ist. Gerade in Zeiten von deepfakes, aber auch schon zuvor, landen solche Bilder schnell auf Seiten, auf denen man definitiv nicht möchte, dass das eigene Enkelkind dort auftaucht. Dass vielen Erwachsenen das egal ist oder sie es, wie auch offensichtlich der Autor und das Lektorat, nicht wissen, rechtfertigt für mich nicht, dass dies im Kinderbuch normalisiert wird.
Wenn man diesen Punkt mit seinem Kind beim Lesen thematisiert und ggf. erklärt, dass auf TikTok nach Geld zu betteln nicht unbedingt der beste Weg ist, ist „Ninas Monster“ ein tolles Buch darüber, dass man gar nicht groß und gefährlich sein muss, um sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren und dass die meisten Monster gar nicht so schlimm sind, wie man denkt.

Wertung: 9/15 dpt
- Autor: Rüdiger Bertram
- Titel: Ninas Monster
- Teil/Band der Reihe: 1/?
- Verlag: Tulipan (PRH)
- Erschienen: 02/26
- Einband: Hardcover
- Seiten: 144
- ISBN: 978-3-86429-676-5
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