Actionreicher Cop-Thriller

P. T. Marsh und seine Partnerin Remy Morgan werden von Chief Pernacek, seit zehn Jahren im Ruhestand, aber interimsweise wieder im Dienst, gebeten, nach dessen Freund Ennis Fultz zu sehen, da dieser gestern erstmals unentschuldigt beim Kartenspiel fehlte. Fultz lebte außerhalb von Mason Falls am Rande der abgelegenen Condesale-Schlucht, denn jetzt liegt er tot in seinem Bett. Sarah Raines, die Gerichtsmedizinerin und seit fünf Monaten die Lebensgefährtin von P. T., findet bei der Obduktion als Todesursache eine Stickstoffvergiftung heraus. Doch wer atmet freiwillig Stickstoff ein? Es muss jemand nachgeholfen und die Sauerstoffflasche, die der an der Lungenerkrankung COPD leidende Fultz benötigte, ausgetauscht haben.
„Na ja, am Arsch der Welt sind wir nicht unbedingt.“
„Aber sehen können wir ihn von hier aus schon.“
P. T. und Remy finden bald erste Verdächtige, denn da gibt es eine betrogene Ex-Frau, den erbenden Sohn sowie geprellte Geschäftsleute und Konkurrenten. Doch immer wenn die Ermittler glauben, kurz vor dem Durchbruch zu stehen, wenden sich die Ereignisse. Währenddessen hat P. T. etliche private Probleme. Seit vier Monaten ist er trocken und leidet noch immer am Verlust seiner Frau Lena und dem gemeinsamen Sohn, die vor siebzehn Monaten bei einem Verkehrsunfall starben, dessen Ursache nach wie vor ungeklärt ist. Jetzt wird Lenas Vater Marvin bei einer Explosion in einem Einkaufscenter lebensgefährlich verletzt und kämpft um sein Leben, derweil seine Beziehung zu Sarah in eine bedrohliche Schieflage gerät.
Nachfolger von „Cold Detective“
„Evil Men“ ist insoweit ein bemerkenswerter deutscher Buchtitel, da der Originaltitel „Evil Men Do“ lautet. Es handelt sich um die Fortsetzung von „Cold Detective“ und der dritte Teil der Serie („A Good Kill“) liegt bereits auf Englisch vor. John McMahon setzt kongenial am ersten Band an, wobei Ich-Erzähler P. T. nun etwas mehr über den Autounfall seiner Frau erfährt. Nicht alles, denn es gibt ja noch besagten dritten Fall.
„Hatte er Feinde?“
„Eine ganze Reihe. Handelsvertreter. Makler. Farmbesitzer. Baufirmen. Nach einer gewissen Zeit war aus seinem Nachnamen ein gebräuchliches Schimpfwort geworden.“
Der Plot ist gut konstruiert, mehrere Verdächtige kommen und gehen und am Ende hängt irgendwie alles zusammen. Der Tod von Fultz, der Anschlag im Einkaufscenter, der Unfall von Lena. Dabei ist die Handlung nicht nur spannend, sondern erneut sehr actionreich. P. T. hält sich nicht immer an die Regeln und kämpft mit seinen Dämonen, was die Beziehung zu Sarah und die Zusammenarbeit mit Remy teils arg belastet. Doch wie soll man abschalten, wenn man immer noch nicht weiß, wer für den Tod der geliebten Frau und des Sohnes verantwortlich war, zumal ein gewisser Selbsthass hinzukommt, da er kurz vor deren Tod einen Anruf von Lena erhielt und diese bat, ihren Vater um Hilfe zu bitten, da er gerade in einem Einsatz sei. Helfen hätte er ihr vermutlich nicht mehr können, aber weiß man es?
„Das Kühlaggregat zischte, und der Kompressor winselte qualvoll bei der Anstrengung, wenigstens ein winziges Fleckchen im Raum zu kühlen. Es war die Sorte Tage, an dem zwei Bäume um einen Hund mit voller Blase kämpfen.“
„Evil Men“ gleicht in vielen Passagen einem Roadmovie gemixt mit einem hardboiled, in dem die Landschaft Georgias eine bildgewaltige Kulisse gibt. Wer Geschichten vom harten Cop mag, kann zugreifen, einen Hang zur Selbstjustiz nimmt man genretypisch in Kauf. Das Verhältnis von Job und privaten Problemen ist gut ausgewogen, zumal letztlich beides ineinandergreift.
- Autor: John McMahon
- Titel: Evil Men
- Originaltitel: Evil Men Do. Aus dem amerikanischen Englisch von Sven-Eric Wehmeyer
- Verlag: Piper
- Umfang: 415 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: November 2022
- ISBN: 978-3-492-31712-2

Wertung: 12/15 dpt







