
Schlurfkatzen, das sind Taugenichtse und junge Frauen, die denen, die unter Straßenlaternen stehen, nicht unähnlich sind. So wird es im nationalsozialistischen Wien verbreitet. Was als Herabwürdigung gedacht ist, machen sich Luise und ihre Freunde zur Marke. Denn was die Nazis sagen, ist ihnen egal. Längst rebellieren sie gegen das Hitler-Regime, jedoch im Untergrund. Dort, wo sie unbemerkt zu ihrem geliebten Jazz tanzen können.
Schlurfkatzen behandelt das Thema jugendlichen Widerstands während des Nationalsozialismus in Österreich. Im Fokus steht der Jazz, der zu jener Zeit verboten ist. Gleichzeitig stellt die Graphic Novel die gefährliche und auch triste Lebenssituation der Jugendlichen dar.
Luises Tage beginnen um 5 Uhr. Als Frühstück gibt es für sie und den Großvater eine Scheibe Brot mit Marmelade und Ersatzkaffee aus Zichorie. Danach macht sie sich zu Fuß auf den Weg in die Fabrik, in der sie als Näherin arbeitet. Die Textilproduktion ist mittlerweile komplett auf die Herstellung für die Nazis umgestellt: Es werden Hemden, Jacken, Hosen und militärische Ausrüstungsgegenstände wie Zelten, Taschen und Rucksäcke genäht.
Als Protagonistin dient die fiktionale Luise, die in jener Textilfabrik arbeitet. Jedes Gespräch wird belauscht. Jeder Freund kann sich als Feind entpuppen. Lediglich in den geheimen Jazzclubs findet sie einen Grund, überhaupt noch zu existieren.
Um die fiktionale Luise herum siedeln Barbara Kadletz und Jorghi Poll Persönlichkeiten aus der Realität an. Hierzu zählt Helmut Qualtinger, der zuletzt in Der Name der Rose mitspielte, als auch Vera Auer, die erste europäische Modern Jazz-Musikerin.
Die Illustrationen sind vor dem historischen Hintergrund besonders hervorzuheben. Sie sind nicht nur kunterbunt, was sie von manch anderen Graphic Novels unterscheidet, die sich mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigen. Sie lassen auch überall Blasen und Farbflecke erkennen, was der Geschichte etwas Verträumtes, Unrealistisches gibt. Vor allem die Darstellung der Schlurfkatzen ist gelungen, die anhand ihrer Katzenohren zu erkennen sind.
Erkennen – das ist in dieser Story im Gegensatz zur Realität möglich. Und hier setzt die Kritik zum Buch an. Die Darstellung der Geschichte lässt Raum zum Diskutieren:
Die Nazis, allesamt gesichtslose Kugelköpfe, werden hier zu einfach und zu Slapstick-komikhaft dargestellt. Diese Weise, als auch, wie die Jugendlichen die Nazis besiegen, ignoriert die Gefahr, die durch die Nazis hervorging. Die Darstellung vermittelt: Schaut her, so kriegt man sie. Dass es nicht ganz so einfach war, belegt die Geschichtsschreibung leider allzu oft. Der Verlag begründet diese Wahl damit, dass eine hoffnungsvollere Geschichte entstehen sollte. Da die Realität Millionen von Toten hervorgebracht hat, kann dieser Punkt kritisch betrachtet werden und lädt zur Reflexion ein.
Fazit
Insgesamt ist die Graphic Novel empfehlenswert. Sie erinnert an einen Widerstand, der ganz eigene Beweggründe hatte. Sie beinhaltet wahre Figuren und realistische Gefahren. Selbst der Kritikpunkt der zu einfach dargestellten Nationalsozialisten kann als Gewinn gewertet werden, da die Story hier Raum zum Diskutieren gibt.
- Autor: Barbara Kadletz, Jorghi Poll
- Titel: Schlurfkatzen
- Verlag: Edition Atelier
- Umfang: 56 Seiten
- Einband: Gebundene Ausgabe
- Erschienen: 08. April 2026
- ISBN: 978-3-99065-145-2
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Wertung: 13/15 dpt







