Parker Bilal – Die dunklen Straßen von Kairo (Buch)

Ein Fußballstar verschwindet vor beeindruckender Kulisse

Ende 1981. Ägypten befindet sich im Aufruhr, denn Staatspräsident Anwar as-Sadat wurde ermordet. Mitten in Kairo gerät die Engländerin Liz Markham, Tochter von Lord Markham, in eine Menschenmenge, kurz darauf ist ihre vierjährige Tochter Alice verschwunden.

Kairo. 1998. Die Anschläge von Luxor im Vorjahr haben Ägypten erschüttert, doch dieses Jahr ist das ruhigste seit dem Beginn islamistischer Gewalttaten. Dennoch sorgt bald das Verschwinden des berühmtesten Fußballspielers für Aufsehen. Adil Romario stürmt für Hanafi Dreem Teem, welches dem namengebenden Superreichen Saad Hanafi gehört. Doch der erfolgreiche Unternehmer hat eine dunkle Vergangenheit, denn sein Startkapital erlangte er einst als brutaler Gangster.

„Und jetzt gehört Hanafi das ganze Land hier in der Gegend, und wir alle lieben ihn. Das Dumme an einer Lüge ist, dass sie anfängt, der Wahrheit zu ähneln, wenn man sie nur oft genug wiederholt.“

Nun bittet Hanafi den Privatdetektiv Makana um Hilfe. Dieser floh vor sieben Jahren aus dem Sudan, wo er als Kriminalkommissar tätig war. Ein Putsch brachte eine Militärregierung und islamistische Ideologen an die Macht, darunter auch seinen engsten Mitarbeiter Mek Nimr, der ihm fortan nach dem Leben trachtete. Es blieb Makana nach langem Zögern nur die Flucht, bei der seine Frau und Tochter starben. In Kairo lebt er auf einem schäbigen Hausboot, kommt so gerade über die Runden. Warum sollte einer der reichsten Männer des Landes ausgerechnet ihn anheuern? Offiziell will man kein Aufsehen erregen, doch schon bald bringt ein übereifriger Journalist das Thema auf die Titelseite.

Zunächst freut sich Makana über den Geldregen, den der Auftrag mit sich bringt und gönnt sich ein leckeres Essen. Dabei wird er auf eine Frau aufmerksam, die sich an einem anderen Tisch recht auffällig verhält. Es ist Liz Markham, die jedes Jahr nach Ägypten reist, um nach ihrer Tochter zu suchen. Am nächsten Tag bittet ihn Inspektor Wasim Okasha in ein billiges Hotelzimmer, wo der Leichnam der gefolterten Frau gefunden wird. Seine Visitenkarte führte Okasha zu Makana, der Liz seine Hilfe angeboten hatte.

Familiäre und andere Abgründe

Derweil bleibt der Fußballspieler verschwunden. Wie kann das sein, jeder im Land kennt sein Gesicht. Von Spielmanipulationen ist die Rede und davon, dass Adil gar kein großes Talent war, sondern lediglich von der Fürsprache seines Mentors Hanafi profitierte. Makana ermittelt und stößt auf ein Wespennest, welches aus Macht und Wirtschaftsinteressen, aber auch aus alten, unbezahlten Rechnungen besteht.

„Es hieß, dort hätte Gott Thoth die Schrift erfunden, eine seinerzeit höchst umstrittene Neuerung. Thoths Gegner waren der Ansicht, die Schrift ermögliche es den Menschen, ein Wissen über Dinge vorzutäuschen, von denen sie in Wahrheit nichts verstanden.“

Wie schon der Titel andeutet, handelt es sich bei dem bereits im Jahr 2012 erschienenen Krimi, der weiterhin problemlos erhältlich ist, um einen düsteren Roman in der Tradition eines Privat-Eye. Ein privater Ermittler, der sich in einen Fall hineinziehen lässt, ordentlich Prügel kassiert und stets seinem Gewissen folgt. Dies wurde Makana beziehungsweise seiner Familie schon im Sudan zum Verhängnis, wo er streng nach Polizeilehrbuch arbeiten wollte. Die neuen Machthaber hatten andere, streng-islamische Pläne. Jetzt treffen in Kairo alte Widersacher aufeinander, es geht um starke, teils persönliche Befindlichkeiten, wirtschaftliche Großprojekte und familiäre Verwicklungen, die ebenfalls recht düster sind.

Der Leser wird hierbei nicht nur in ein fremdes Land mit eigenen Regeln und Gesetzen entführt, sondern muss zudem aufmerksam bleiben. Speziell im letzten Drittel, wenn sich vor allem die Aufklärung der Fälle „Alice“ und Adil“ nähert, wird es teils turbulent. Actionreich und für Makana gefährlich sowieso, denn er erkennt erst spät, wem er trauen kann und wem nicht. Kleiner Spoiler; in erster Linie nur sich selber.

„Sie hassen uns alle. Weil wir lesen und schreiben können und sie durchschauen. Weil wir uns entschieden haben, nicht so zu leben, als hätten wir noch das siebte Jahrhundert.“

Parker Bilal ist ein britisch-sudanesischer Autor namens Jamal Mahjoub, der mit „Die dunklen Straßen von Kairo“ einen spannenden und wendungsreichen Kriminalroman vorgelegt hat. Die politischen Turbulenzen in Ägypten wie im Sudan bis hin zum Dschihad schweben allgegenwärtig im Hintergrund.

  • Autor: Parker Bilal
  • Titel: Die dunklen Straßen von Kairo
  • Originaltitel: The Golden Scales. Aus dem Englischen von Karolina Fell
  • Verlag: Rowohlt
  • Umfang: 444 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Januar 2012
  • ISBN:  978-3-499-25765-0
  • Produktseite

Wertung: 11/15 dpt

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