Jagd nach dem Hochmoor-Killer

Oktober 2017. Rund drei Jahre sind es her, da wurde der Vater von Detective Sergeant Kate Linville von der Metropolitan Police London, sprich Scotland Yard, in seinem Haus in Scalby, einem Vorort von Scarborough, ermordet. Danach vermietete Kate das elterliche Haus, welches von den inzwischen verschwundenen Mietern in einem völlig verwahrlosten Zustand zurückgelassen wurde. Nach erfolgter Reinigung und Runderneuerung soll es endlich verkauft werden, für einige Urlaubstage quartiert sich Kate daher in einem nahegelegenen B&B der Familie Goldsby ein, wo sie in ein Horrorszenario gerät.
Deborah Goldsby will einige Einkäufe für die anstehende Klassenfahrt ihrer vierzehnjährigen Tochter erledigen, doch nachdem sie dreißig Minuten später aus dem Supermarkt zurückkehrt, ist Amelie verschwunden. Zudem melden die Nachrichten, dass in den weitläufigen Hochmooren die Leiche von Saskia Morris gefunden wurde. Die ebenfalls vierzehnjährige verschwand im Dezember letzten Jahres.
Während DCI Caleb Hale vom CID Scarborough die Suche nach Amelie leitet, entdeckt Carol James vom Jugendamt, dass die vierzehnjährige Mandy Allard nicht nur seit gut einer Woche unentschuldigt in der Schule fehlt, sondern ebenfalls verschwunden ist. Kate würde Amelies Eltern gern helfen, aber sie arbeitet in London, ist hier nicht zuständig. Zurückhaltung ist angezeigt, zumal sie Hale schon bei der Suche nach dem Mörder ihres Vaters wiederholt in die Quere kam. Doch als vermeintliche Journalistin getarnt darf man ja wohl ein paar Fragen stellen
Zweiter Fall für Kate Linville
Charlotte Link ist die erfolgreichste deutsche (Krimi-)Autorin mit einer Gesamtauflage von über 30.000.000 Exemplaren. In „Die Betrogene“, dem Serienauftakt, ermittelte Kate im Mordfall ihres Vaters, den sie letztlich aufklärte, da sich DCI Hale vorschnell auf eine falsche Spur versteifte. Es überrascht wenig, dass sich im zweiten Fall dieses Schema wiederholt. Hale, halbwegs trockener Alkoholiker, legt sich schnell auf einen Verdächtigen fest, wobei ihm allerdings auch übel mitgespielt wird.
Aber über wie viele Fälle sprechen wir eigentlich? Gibt es nur den einen, von der Presse als „Hochmoor-Killer“ betitelten, Mörder? Saskias Leiche wurde nach rund zehn Monaten gefunden, von Mandy fehlt jede Spur. Dabei lief diese wohl nur von zuhause weg, weil sie es in ihrer gänzlich dysfunktionalen Familie nicht mehr aushielt. Und dann wäre da noch die vierzehnjährige Hannah Caswell zu nennen, die im November 2013 nicht von einem Besuch bei ihrer Großmutter zurückkehrte. Nach sieben Tagen gibt es erstmals gute Nachrichten, denn die verschwundene Amelie ist wieder zurück, nachdem sie in der Nacht von zwei Männern aus einem Hafenbecken vor dem Ertrinken gerettet wurde. Aber dort steht eine Mauer, sie kann nicht versehentlich in das Becken gestürzt sein. Amelie ist nicht ansprechbar, macht keine Angaben zu ihrer Entführung, nur über die Todespanik im Wasser.
Auf weit über sechshundert Seiten präsentiert Charlotte Link eine in jeder Hinsicht wahnsinnige Story, die zahlreiche Wendungen sprich Überraschungen aufzuweisen hat. Lange steht die bereits erwähnte Frage im Raum, um wie viele Fälle es geht? Amelie, Saskia, Mandy, Hannah. Hängen die Fälle zusammen? An Verdächtigen mangelt es jedenfalls ebenso wenig wie an falschen Spuren. Erneut werden die Lebensumstände etlicher Nebenfiguren ausführlich beleuchtet, doch was bei vielen skandinavischen Krimis nicht selten als aufgesetzte Seitenfüllerei daherkommt, funktioniert hier erstaunlich gut. Ja, der Plot hätte auch locker mit zweihundert Seiten weniger erzählt werden können, aber dennoch ist die Geschichte kurzweilig und „in sich rund“.
Viele Erzählperspektiven, zahlreiche Verdächtige, rasante Action und reichlich Emotionen treiben diesen Pageturner voran. Zumal man ja auch wissen möchte, wie die (berufliche) Beziehung zwischen Kate und Hale weitergeht. Apropos Beziehungen: Für solche war Kate bislang nicht bekannt, in London war sie vielmehr die „graue Maus“, die sich bewusst von allen Kollegen zurückhielt. Und umgekehrt. Nun findet tatsächlich ein Privatleben statt.
Kurzum: „Die Suche“ setzt die Serie kongenial fort und ist eine klare Empfehlung. Der bereits sechste Band „Kalte Tage“ erscheint im September 2026.
- Autorin: Charlotte Link
- Titel: Die Suche
- Verlag: Blanvalet
- Umfang: 656 Seiten
- Einband: Hardcover
- Erschienen: Oktober 2018
- ISBN: 978-3-7645-0442-7
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Wertung: 13/15 dpt







