Der deutsche Krimiautor Michael Kobr schickt in “Sturm über Christiansø“ seinen Kommissar Lennart Ipsen bereits zum vierten Mal auf Ermittlungsreise. Diese führt ihn dieses Mal unter anderem auf die Erbseninsel, nahe der dänischen Urlaubsinsel Bornholm, wo Ipsen seit einem Jahr Leiter der hiesigen Polizeidienststelle ist.

Dieses Mal widmet sich Kobr einem durchaus aktuellen und wichtigen Thema: Umwelt- und Klimaschutz. Vor Bornholm wurde ein riesiger Off-Shore-Windpark gebaut und dieser soll maßgeblich zur dänischen Energiewende beitragen. Gleichzeitig fordern Aktivisten Lösungen für seltene Vögel, welche durch die Rotorblätter der Windräder in ihrem Lebensraum gestört sind, respektive im schlimmsten Fall getötet werden. In Ipsens Brust schlagen zwei Herzen, kann er doch sowohl die Argumente des Energiekonzerns als auch jene der Tierschützer nachvollziehen.
Als markantes Gesicht der Bewegung fungiert Anna Steenberg, Ähnlichkeiten mit Greta Thunberg der reellen Friday-for-Future-Initiative, sind wohl nicht nur zufällig.
Was hat das nun mit dem Kommissar zu tun? Bei einer geplanten Kundgebung taucht die junge Anna nicht auf. Sowohl ihr Freund Pablo, als auch Annas Eltern haben von ihr nichts mehr gehört und vermuten ein Verbrechen. Nach einer Untersuchung ihres Segelbootes liegt dies auch nahe. Als erster Verdächtiger kommt der Chef des Windparks, Ole Bakken, in Frage. Schließlich sind ihm die dauerhaften Störaktionen der Aktivisten ein Dorn im Auge.
Es wäre kein Bornhol-Krimi ohne diverse Nebengeräusche in Ipsens Privatleben. So besucht sein Vater Karl seinen Sohnemann und dieses Mal ist er am Gesundheitstrip, während seine Tochter ihn zur Absolvierung eines Segelkurs genötigt hat. Nach dem letzten großen Fall, wo Lennarts Freundin Maren im Mittelpunkt der Verdächtigungen stand, gönnte sie sich eine “Auszeit”. Diese Ungewissheit belastet ihn unbewusst wohl mehr, als er zugeben mag.
Auf der Erbseninsel erfährt Lennart einiges über die familiären Verbindungen der vermissten Anna und die Besonderheiten der Abgeschiedenheit. Kobr fängt die raue, unbarmherzige Schönheit der dänischen Ostsee-Exklave perfekt ein. Christiansø und seine historische Festungsarchitektur werden unter seiner Feder zu eigenständigen Charakteren. Man riecht das Salz, fröstelt mit den Ermittlern und spürt diese ganz besondere Beklommenheit, die entsteht, wenn man bei Orkanstärke auf engstem Raum eingesperrt ist.
Die Thematik Umweltschutz versus erneuerbare Energie ist brandaktuell und die innerliche Zerrissenheit von Ipsen, wie auch in seinem Umfeld, ist spürbar und sorgt für so manche Diskussionen. Während der Spannungsbogen konstant aufgebaut wird, ist die Lösung des Falls dann gar beiläufig abgehandelt.
Fazit: Mit “Sturm über Christiansø“ beweist Michael Kobr ein weiteres Mal, dass er zu den Großen des atmosphärischen Regionalkrimis gehört. Ein hochspannender Whodunit voller Lokalkolorit mit aktueller Thematik.
- Autor: Michael Kobr
- Titel: Sturm über Christiansø
- Teil/Band der Reihe: Ein Bornholm-Krimi, Band 4
- Verlag: Goldmann
- Erschienen: 06/2026
- Einband: Hardcover
- Seiten: 400
- ISBN: 978-3-442-30239-0
- Sonstige Informationen:
- Produktseite
- Weitere Rezensionen bei booknerds.de:
- Sonne über Gudhjem
- Nebel über Ronne
- Schatten über Somarken

Wertung: 11/15 dpt







