Oliver Uschmann – Das Gegenteil von oben (Buch)

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Oliver Uschmann - Das Gegenteil von obenDennis, fünfzehn Jahre alt, vaterlos, lebt mit seiner viel beschäftigten aber aufopferungsvollen Mutter in einer Plattenbauwohnung. Er, Konsolenfreak durch und durch, ist höllisch verliebt und zu allem Überfluss sind quer über seinen Lebensweg Stolpersteine verstreut. Sein Leben ist demnach alles andere als einfach und leichtfüßig, und so verliert sich der Teenager, der so ganz anders und eigentlich doch normal ist, im zwanghaften Beobachten des vierzehnstöckigen Nachbarhochhauses – mit seinem Fernglas. Nimmt Einfuss auf das Leben der Mitbewohner. Bekommt ein Verbrechen mit. Was passiert hier eigentlich wirklich? Wo ist der Grat zwischen Realität und Illusion?
„Das Gegenteil von oben“ ist trotz des unverkennbaren Stils des Autors der etwas andere Uschmann-Roman. Nicht, dass die Bücher aus der Hartmut-Reihe oberfächlich sind, doch in seinem Jugendbuch-Debüt taucht er überraschend weit in die Untiefen der Psyche ab, und in Kombination mit der analytisch-beobachtenden Schreibweise, den bildhaften Worten (häufg durch verschiedene Konsolenspiele gekonnt veranschaulicht, kennt man ja…) und einer verblüffenden Intensität schafft es der „Wortguru“ spielend, den Leser in Dennis‘ Haut schlüpfen zu lassen – anders als bei den „Hartmut und ich“-Büchern, bei denen man trotz der Egoperspektive eher der stille Dritte ist, der grinsend dem Geschehen beiwohnt.

Nein, man fühlt und lebt das Leben des pubertierenden Jungen regelrecht mit, und zwar in all seiner Tragik, Unbequemlichkeit, aber auch in seinen sehr komischen Momenten – wobei hier oftmals eine dicke Portion Sarkasmus und Zynismus mitschwingt. Die komischen Momente tauchen in diesem Werk seltener auf, doch wirken sie dann deutlich pointierter, was den 334 Seiten eine angenehme Würze verleiht. Auch wenn der Rezensent die „Hartmut und Ich“-Reihe sehr zu schätzen weiß, so ist er arg gespannt auf das, was Uschmann noch so außerhalb der Reihe publizieren wird – denn „Das Gegenteil von oben“ kann man einfach nur als brillant bezeichnen.

Cover © script5

 

  • Autor: Oliver Uschmann
  • Titel: Das Gegenteil von oben
  • Verlag: script5
  • Erschienen: 2009
  • Seiten: 445
  • Einband: Klappenbroschur
  • ISBN: 978-3-8390-0100-4
  • Sonstige Informationen: Seit 2011 auch als Taschenbuch erhältlich

Wertung: 11/15 dpt

 

(Diese Rezension stammt ursprünglich aus der Zeitschrift noisyNeighbours, bei der der Autor vor booknerds.de aktiv war. Vielen Dank dafür, dass booknerds.de diese veröffentlichen darf. Zum Download des Heftes geht es hier.)

 

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Oliver Uschmann – Das Gegenteil von oben (…

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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