House At The End Of The Street – Extended Cut (Spielfilm, DVD/Blu-Ray)

0
0
0

House At The End Of The Street (Film, DVD Cover) © Universum FilmNachdem ihre wackelige Ehe mit einem Rockstar in Chicago in die Brüche gegangen war, zieht die just geschiedene Sarah (Elizabeth Shue, „CSI: Vegas“/ „Zurück in die Zukunft II/III“) mit ihrer Teenager-Tochter Elissa (Jennifer Lawrence, „Silver Linings“) in eine Kleinstadt in Pennsylvania, wo ein günstiges Haus erworben werden konnte. Ein gemeinsamer Neuanfang soll gewagt werden, was bei Elissa nur ein müdes Lächeln hervorruft, denn da ihre Mutter durch ihre Arbeit extrem eingespannt ist, ergibt sich nur selten Zeit, die sie auch gemeinsam verbringen können. So bleibt das Mädchen letztendlich auf sich selbst gestellt. Darin ist sie bereits geübt, und so weiß sie sich, tough, verantwortungsvoll und mutig, wie sie ist, zu behaupten.

Das neue Domizil, welches direkt an einem Wald in einem Naturschutzgebiet liegt, bietet alle Vorzüge, die das Leben lebenswert machen, doch Sarah konnte es sich letztendlich lediglich nur deshalb leisten, weil dort keiner wohnen mochte und es deshalb enorm preiswert war. Denn vor einigen Jahren ereignete sich im Nachbarhaus ein grauenhaftes Familiendrama: Nachdem das durch einen Schaukelunfall geistig behinderte Mädchen Carrie-Ann angeblich seine Eltern bestialisch ermordet hatte, verschwand es auf mysteriöse Weise, und lediglich Ryan (Max Thieriot, „Chloe“/“Jumper“), der Bruder des Mädchens, lebt nun zurückgezogen in diesem Haus. Die Nachbarschaft meidet den jungen Mann, denn sie hält ihn für einen Freak. Ferner hält sich das Gerücht, dass Carrie-Ann weiterhin in der Gegend ihr Unwesen treibt.

Elissa gibt trotz der Skepsis ihrer Mutter nicht viel auf das Gerede der anderen und entwickelt Sympathien zu dem nachdenklichen, traurigen Ryan. Schon bei der ersten Begegnung – sie ist zu Fuß von einer Party auf dem Nachhauseweg, als es unverhofft zu regnen beginnt und er bietet ihr an, sie heimwärts zu fahren – vertraut sie ihm, und eines Tages besucht sie den einsamen Jungen in Mutters Abwesenheit auch in seinem Haus. Denn sie mag ihn und ist neugierig darauf, was für ein Mensch hinter dieser fragilen Fassade steckt. Ryan genießt Elissas Unvoreingenommenheit sehr, weswegen er sich auch Schritt für Schritt öffnet.

Dennoch hütet er ein Geheimnis, das sie nie erfahren darf, und die Dinge geraten völlig außer Kontrolle, als die pubertierenden Jugendlichen aus dem Umfeld während einer Veranstaltung, auf die Elissa auch ihn eingeladen hat, sein Auto demolieren und schließlich ihn attackieren. Elissas Zuneigung zu Ryan bewegt sie dazu, ihm zu helfen, und fortan überschlagen sich die Ereignisse, geschehen Wendungen, die man kaum erwartet hätte, vor allem aber erlangt Angst völlig neue Dimensionen.

Stellt man in puncto Feeling einen Vergleich an, so werden immer wieder Assoziationen zu alten Hitchcock-Klassikern geweckt – nüchterne Bilder ohne visuellen Schnickschnack dominieren und gewinnen gerade dadurch eine immense Intensität, die auf filmemacherischer und inhaltlicher Substanz fußt. Wenngleich in werbewirksamen Sprüchen anderes behauptet wird, verzichtet man auf Innovation und besondere Ansprüche, sondern steckt all seine Mühen in das wahre Handwerk, und dies ist dem gesamten Stab absolut gelungen – von der Kameraführung über die raffinierte Musikeinbindung bis hin zu den Lichtsettings wurde mehr als solide gearbeitet, und die Echtheit und Atmosphäre, die hierdurch entsteht, ist letztendlich das Beeindruckende an „House At The End Of The Street“.

In diesem eher ruhig anlaufenden Horrorthriller, bei dem man anfangs noch denken mag, es wurde sich hier mit dem Genre vertan, sind die Schreck- und Schockmomente zudem, obgleich man gelegentlich schon weiß, dass gleich etwas passieren wird, dann doch wieder mit einem solch cleveren Timing platziert, dass man, obwohl halbwegs vorbereitet, erschrickt – man geht geistig in Deckung, lugt hinter ihr hervor und wird dann doch kalt erwischt.

Doch auch schauspielerisch kann die Produktion glänzen, denn die aufstrebende und immer gefragtere  Jennifer Lawrence beweist hier einmal mehr ihre beeindruckende Wandlungsfähigkeit. Doch besonders der noch recht wenig bekannte Jungschauspieler Max Thieriot setzt mit seiner fast beängstigend realistischen Schauspielkunst ein dickes Ausrufezeichen.

Der Zuschauer wird Stück für Stück durch sein eigenes geistiges Labyrinth geschickt und immer wieder dazu verleitet, sich zu verlaufen, und das zieht sich fast bis zum Ende des Films: Nie weiß man so recht, wem man nun trauen kann. Es ist zwar nicht gravierend kritikwürdig, aber gerade im letzten Viertel des Streifens kann man sich so langsam seinen Reim machen  und seine Schlüsse ziehen, und zum Ende hin hätte die Auflösung noch ein paar zusätzliche Minuten vertragen können – da wäre durchaus noch mehr Potential ausspielbar gewesen.

Zusammenfassend kann „House At The End Of The Street“ demnach als eine Produktion eingestuft werden, die im obersten Qualitätsviertel spielt – denn ihre Wirkung verfehlt sie nicht. Und das ganz ohne Spezialeffekte oder künstlich erzeugte Panik. In der Ruhe liegt das Bedrohliche, welches durch den Schreckmoment zur (filmischen) Realität wird.

3D Packshots © 2013 Universum Film

 

  • Titel: House At The End Of The Street – Extended Cut
  • Originaltitel: House At The End Of The Street – Extended Cut
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2012
  • Genre:
    Horror
    Drama
  • Erschienen: 28.06.2013
  • Label: Universum Film
  • Spielzeit:
    98 Minuten auf 1 DVD
    102
    Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Jennifer Lawrence
    Max Thieriot
    Gil Bellows
    Elisabeth Shue
    Nolan Gerard Funk
    James Thomas
    Jonathan Malen
    Allie MacDonald
    Jon McLaren
    Eva Link
    Krista Bridges
  • Regie: Mark Tonderai
  • Drehbuch: David Loucka
  • Story: Jonathan Mostow
  • Kamera: Miroslaw Baszak
  • Produktion:
    Jonathan Mostow
    Aaron Ryder
    Peter Block
  • Produktionsdesign: Lisa Soper
  • Schnitt:
    Karen Porter
    Steven Mirkovich
  • Kostüme: Jennifer Stroud
  • Musik: Theo Green
  • Extras:
    Making Of
    Musikvideo: Jennifer Lawrence – „Fall In Love“
    Featurette „Journey Into Terror“
    Featurette „House At The End Of The Street“
    Cast Featurette
    Diverse Trailer
  • Technische Details (DVD)
    Sprachen
    :
    D, GB
    Untertitel:
    D für Hörgeschädigte, GB für Hörgeschädigte
    Video:
    2.40:1 (16:9 anamorph)
    Audio:
    DD 5.1
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Sprachen: D, GB
    Untertitel:
    D für Hörgeschädigte, GB für Hörgeschädigte
    Video:
    2.40:1 (1080p/24)
    Audio:
    DD 5.1
    FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Website zum Film
    Erwerbsmöglichkeiten und Info

 

Wertung: 11/15 dpt

 

Print Friendly, PDF & Email
0
0

Über den Autor

Chris Popp

0
0

Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
∇ mehr über Chris Popp/Kontakt

Print Friendly, PDF & Email
0
0

Schreibe einen Kommentar

Kommentiere als Erste(r)!

Benachrichtigung, wenn:
avatar

House At The End Of The Street – Extended …

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
0