Stephen Baxter – proxima (Buch)

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Stephen Baxter - proxima (Buch)„War, war never changes“ heißt es am Anfang und am Ende des großartigen Endzeit-Rollenspiels „Fallout 4“. Das meint dann auch die menschliche Tendenz, alles wieder schön kaputt zu machen, was man aufgebaut hat. Stephen Baxter eröffnet mit „proxima“ eine Roman-Dilogie ähnlicher Schlagrichtung. Endzeit-Szenarien fliegen uns aktuell haufenweise um die Ohren. Aber ihr Fokus liegt meist auf dem Leben nach der Katastrophe. Baxter, seit über 20 Jahren im SciFi-Genre etabliert, erzählt lieber die Geschichte der Menschheit auf ihrem Weg hin zum Ende. Der bodenständige, stoische Yuri Eden und die Eier-habende Wissenschaftlerin Stef Kalinski sind die gut gewählten Hauptfiguren; ihre Leben sind Teil der Geschichte vom Aufbau einer kleinen Gemeinschaft und von der Selbstauslöschung der Menschheit. Beides nimmt Baxter als Skalierungen gleicher Kämpfe.

Wie angemessen, dass das Ende auf diese Weise kommt. Ein Krieg, den niemand wollte und von dem man glaubte, er ließe sich durch Sentimentalität eindämmen. Ein Krieg, der nicht von einem einzelnen Befehl ausgelöst wurde, sondern von Dummheit, Arroganz und mangelhafter Kommunikation.
KI Erdschein

Ende des 22. Jahrhunderts beginnen die zwei Machtblöcke der Erde damit, ihre Fronten zu verhärten. Die UN hält den „Chinesen“(sic!) Technologien vor und betreibt aggresive Expansionspolitik: Sie nötigt Gefangene dazu, die erste Kolonie unter dem Licht einer fremden Sonne – Proxima Centauri – zu gründen. Die Kolonie ist eine Petrischale verschiedener Gesellschaftsformen. Wer darf sich mit wem fortpflanzen? Wer hat das Kommando? Auch Yuri, ein Nicht-Macht-Mensch, muss und kann sich hier behaupten. Dann verändern ungeahnte Entdeckungen im Sonnensystem und auf Proxima den (Ab-)Lauf der Geschichte. Baxters Vorliebe für wissenschaftliche Details verlangsamen zusammen mit einem saulangen Einstieg das ersten Drittel des Romans. Danach beginnt seine Plot-Mischung aus Zukunftsroman mit Alternativwelt- und Future-History-Elementen die Geschichte zu beschleunigen. Man liest und liest und dabei wird die Frage „Warum Krieg?“ zerpflückt auf den Seziertischen von Sozialisation und Evolution. Baxters Schnitte besitzen Relevanz, weil sein Szenario mehr Fleisch hat als der generische Endzeit-Nippes. Die spielbare Prämisse „War, war never changes“ wird mit „proxima“ zur erzählerischen Suche nach einem allzu menschlichen, ewigen Kriegsgrund.

Fortsetzungen und Abschluss der Reihe ist der Roman „ultima“, der bereits im Heyne Verlag erschienen ist.

Cover © Heyne

  • Autor: Stephen Baxter
  • Titel: proxima
  • Teil/Band der Reihe: 1 von 2
  • Originaltitel: Proxima
  • Übersetzer: Peter Robert
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 09/2014
  • Einband: Taschenbuch, Broschur
  • Seiten: 672
  • ISBN: 978-3-453-31579-2
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

     

Wertung: 11/15 dpt


Über den Autor

Christian Bischopink


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Aktuelle und ewige Lieblingszitate:

»I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser Gate. All those moments will be lost in time like tears in rain. Time to die.«
(Roy Batty, „Blade Runner“)

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Stephen Baxter – proxima (Buch)

von Christian Bischopink Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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