Arnold Schwarzenegger, Privatdetektiv. Ein Interview mit Wolfgang Pollanz

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Folgende Romanidee: Der junge Arnold Schwarzenegger kommt Ende der 1960er Jahre nach L.A. und will nicht weniger als der berühmteste Österreicher der Welt werden (berühmter als Hitler), wegen eines dummen Unfalls aber zerplatzt der Traum von der Bodybuilding-Karriere, stattdessen wird er Privatdetektiv, kommt durch einen Zufall zu zwei Kilo Chinese White, ganz reinem Heroin, das er in der Film- oder Rockszene von Los Angeles irgendwie an den Mann bringen will und damit der kubanischen und der albanischen Mafia in die Quere kommt. Ursprünglich geplanter Titel des Romans: Arnold Schwarzenegger, Privatdetektiv. Optimaler Bonus, was das literarische Unterfangen betrifft: Der Autor ist ein alter Profi, der Roman ist sein zwanzigstes Buch, deswegen ist nicht nur die Idee gut, sondern es gelingt auch die Umsetzung.
Was fehlt? Nur noch ein publikumsstarker Verlag, der dafür sorgt, dass das Ding überall obenauf liegt, und schon wäre er fertig, der späte Bestsellererfolg des altgedienten Schriftschaffenden Wolfgang Pollanz.
Ganz so toll kam es nicht. Das Buch ist trotzdem 1a.

2017. Große Freude.

Du bist in der gleichen Stadt geboren wie der Terminator. Gibt’s weitere Parallelen?

Ich bin in Graz geboren und in einem kleinen Dorf in der Nähe aufgewachsen; mein Vater war Beamter, der von A.S. auch; ansonsten gibt es keine Parallelen. Und die Wahrheit ist, dass A.S. nicht in Graz geboren wurde, sondern in Thal bei Graz. Aber aus der Entfernung macht das keinen Unterschied. Irgendwo in der Steiermark halt. Und ganz ehrlich gesagt war ich nie ein so großer Fan des Terminators, habe aber schon ein paar Filme gesehen. Ich finde es allerdings faszinierend, dass jemand, der aus einem kleinen Dorf in der Steiermark kommt, als Sohn eines Dorfpolizisten es schafft, nicht nur in den Kennedy-Clan einzuheiraten, sondern auch noch Gouverneur von Kalifornien zu werden. Ganz abgesehen von seiner Prominenz als Filmstar.

Das Buch war bereits als „Arnold Schwarzenegger, Privatdetektiv“ angekündigt, jetzt heißt es „Hasta la vista, baby“ und der Protagonist Arno Weissenegger. Wie kam es zu den späten Bedenken?

Der Name Arnold Schwarzenegger ist eine Marke, das heißt, die Verwendung des Namens in einem Buch könnte zwar irgendwie unter künstlerische Freiheit fallen, aber letztendlich wollten wir nicht unbedingt Bekanntschaft mit Schwarzeneggers Anwälten machen. Und mit Klagen ist der auch sehr schnell, es hat einen Fall in den USA gegeben, da hat jemand Plastikfiguren mit seinem Konterfei und seinem Namen auf den Markt gebracht und wurde verklagt; in Graz musste ein Fußball-Stadion, das nach ihm benannt worden war, den Namen wieder ändern, nachdem es in der Stadt Kritik an seiner Hinrichtungspolitik in seiner Zeit als Gouverneur von Kalifornien gab.

Hitler war auch kein uneingeschränkter Befürworter von Hitler-Produkten. Zwar gab es einen „Adolf-Hitler-Schuh mit patentiertem Druckknopfverschluss“, doch ein Schuhcremefabrikant, der seine Dosen mit einem Bild des Führers bedrucken wollte, erhielt dafür keine Zustimmung. Die Sache mit dem Stadion … Sollte das nicht ursprünglich als Protest gegen Schwarzeneggers Hinrichtungspolitik umbenannt werden? Und dann ist der Schwarzenegger der drohenden Schmach einfach zuvorgekommen?

Wie das damals mit dem Stadion abgelaufen ist, weiß ich jetzt auch nicht mehr so genau. Aber am Ende war es so, dass Schwarzenegger die Verwendung seines Namens verboten hat. Und was Hitler betrifft: Es gab einen Prozess gegen die Autorin Wendy Leigh, weil sie in ihrer unautorisierten Biografie geschrieben hatte, dass Schwarzeneggers Vater in der NSDAP war (was aber unbestritten ist). Und in ihrem Buch kann man auch nachlesen, dass es eine 100-Hours-Uncut Version von „Pumping Iron“, dem Film, der Arnie als Bodybuilder berühmt gemacht hat, gibt, in der er davon spricht, dass er Hitler dafür bewundert, dass der es als kleiner Mann ohne Schulbildung so weit gebracht hat, und dafür, dass er so ein guter Redner war. Ich habe das auch ganz kurz bei einer Szene in meinem Roman eingebaut.

Ursprünglicher Titel

Der Umschlagtext wirbt mit „gekonnt vermittelter Atmosphäre“ des Los Angeles der 70er Jahre. Die Zielgruppe des Buchs besteht vermutlich größtenteils aus Menschen, die mit dem US-Kino der 70er, 80er und 90er Jahre groß geworden sind, also vor allem vertraut sein dürften mit der Atmosphäre der Filme, der Musik, der Bücher. Wie ist es bei dir?

Nachdem ich Jahrgang 1954 bin, habe ich die Siebziger natürlich bewusst erlebt; aber vieles habe ich natürlich recherchieren müssen, was überhaupt der größte Aufwand an der Arbeit für dieses Buch war. Ich wollte so authentisch wie möglich sein, habe mir sogar, vielleicht als extremstes Beispiel, den Bepflanzungsplan von Santa Monica aus den Siebzigern im Internet angeschaut, weil ich wissen wollte, ob bestimmte Bäume zu der Zeit schon an einer bestimmten Stelle standen. Aber ich habe mir auch Zeitschriften aus dem Jahr 1971 besorgt, Kinoprogramme u.s.w.; das mag jetzt vielleicht allzu akribisch gewesen sein, aber es hat mir beim Schreiben sehr geholfen, hat mir das Gefühl gegeben, authentisch zu sein.

Das Buch ist recht reich an Anspielungen, so dass sich der in Arnold-Schwarzenegger-Belangen nicht ganz so umfangreich informierte Mensch dann und wann fragt, was es mit der ein oder anderen Stelle wohl genau auf sich hat. Zum Beispiel kratzt Arno einen Frank-Zappa-for-President-Aufkleber von seiner Stoßstange ab, weil der „ihm aus irgendeinem Grund, den er selbst nicht wusste, kein Glück bringen würde“. Oder: Der Hercules-Film, in dem einer seiner ehemaligen Bodybuilding-Kollegen zu sehen ist, der trägt den Titel „Hercules in Houston“. Warum Houston, gibt es dafür einen Grund?

Es gibt natürlich jede Menge Anspielungen auf Filme, so heißt – nur als kleines Beispiel – ein Polizist des LAPD Ivan Danko; das ist eigentlich eine Figur aus dem Film „Red Heat“, die von Schwarzenegger gespielt wurde. Aber es gibt noch sehr viele andere Anspielungen und Verweise, zum Beispiel auf zwei Bücher des amerikanischen Autors Thomas Pynchon, nämlich „The Crying of Lot 49“ und „Inherent Vice“. Aber all diese Zitate versteht natürlich nur jemand, der auch mit den Büchern dieses großartigen Autors vertraut ist. Aber es ist wie immer bei solchen Dingen: Man kann es verstehen, muss es aber nicht und kann die Geschichte trotzdem gut finden. Die „Hercules in Houston“-Sache ist eine Anspielung auf Schwarzeneggers ersten Film „Hercules in New York“, der so grottenschlecht war, dass er heute Kult ist. Und wir haben ja alles geändert im Roman, Weissenegger kommt nicht aus Thal, sondern aus Bergh bei Graz, seine Freundin heißt nicht Barbara Outland (die hat sogar ein Buch über ihre Zeit mit Arnold geschrieben, das für mich eine wichtige Quelle war), sondern Tamara, er war nicht Mr.Universe, sondern Mr.Muscle, und der Film, den es zu der Zeit, in dem das Buch spielt, schon gegeben hat, heißt jetzt „Hercules in Houston“ – klingt wegen der Alliteration sogar besser so, oder?

Verwendeter Titel

Ja, klingt super. Der Schwarzenegger-Hercules wurde damals nachsynchronisiert, erfreulicherweise ist der Film später dann noch mit der Originaltonspur erschienen. Sollte man sich unbedingt immer mal wieder anschauen. Und der Hinweis auf Zappa?

Der kommt mehrmals vor, wenn auch nicht namentlich. Es gibt zum Beispiel im Buch eine Anwaltskanzlei namens Collins, Estrada & Underwood, das sind eigentlich drei Musiker der Mothers of Invention, der damaligen Band von Zappa, und am Ende ist ein ganzes Kapitel gebaut nach dem Song „Camarillo Brillo“. Zappa und auch Thomas Pynchon haben übrigens genau zu der Zeit auch in Los Angeles gelebt, das heißt, sie hätten einander sogar über den Weg laufen können. Das war ursprünglich von mir auch so geplant, ich wollte das berühmte Zusammentreffen von Pynchon mit dem Beach Boy Brian Wilson in die Geschichte reinbringen, bei dem der große Autor und der große Musiker in gegenseitiger Verehrung einander vor Respekt bloß angeschwiegen haben, aber es hat sich dann im Laufe des Schreibprozesses anders ergeben.

Und warum spielt das Buch ausgerechnet an vier Tagen im Februar 1971?

Es sind die vier Tage vor dem sogenannten San Fernando-Valley-Erdbeben, das auch im Leben des echten Schwarzenegger eine wichtige Rolle gespielt hat. Er hat danach gemeinsam mit seinem Bodybuilder-Kumpel Franco Columbu eine Baufirma gegründet und mit Immobilien seine erste Million verdient. Das wissen die wenigsten; der Typ war schon sehr clever. Und Hinweise, dass es am Ende ein Erdbeben gibt, findet man im Laufe der Handlung ständig.

A propos echter Schwarzenegger. Da gibt es diese krasse Stelle in deiner Geschichte, wo Weissenegger den Brief von daheim öffnet und im Umschlag statt den üblichen väterlichen Schmähungen die letzten beiden eigenen Briefe findet; die Schreibfehler sind rot angestrichen, darüber hinaus kein Kommentar. Die Szene ist so schlimm, dass sie der wahren Biographie entstammen muss? In deinem Buch beschließt Weissenegger, wenn sein Vater einmal stirbt, nicht zur Beerdigung zu kommen. Im Mai 1971 starb Schwarzeneggers Bruder bei einem Autounfall, im Jahr darauf sein Vater an einem Schlaganfall. Den Beerdigungen ist er beiden ferngeblieben.

Ja, die Briefe mit den rot angestrichenen Stellen, die der Vater retour geschickt hat, gab es wirklich. Bin mir jetzt aber nicht sicher, wo genau ich das nachgelesen habe, möglicherweise in Schwarzeneggers Autobiographie „Total Recall“ oder in „Arnold: The Early Years“ von Wendy Leigh. Es war auch so, dass Schwarzenegger eine Abneigung gegen Musik hatte, weil der Vater so ein guter Musiker war. In meinem Roman wird er zum Hippie, der auf Rockmusik steht, er kifft wie der Böse und ist Demokrat.

1971. Kurz vor dem San Fernando-Valley-Erdbeben.

Im Vorspann des Buches heißt es „Die Figuren dieses Romans sind völlig fiktiv. Die hier geschilderten Vorgänge haben, wenn überhaupt, auf diese Weise nur in einem Paralleluniversum stattgefunden“.

 

Ja, ich glaube fest an die Theorie der Multiversen. Es gibt in der Quantenphysik Vorgänge, bei denen man nicht entscheiden kann, ob sie stattgefunden haben oder nicht. Das berühmte Theorem von Schrödingers Katze erklärt das anschaulich. Der Physiker Hugh Everett hat in einem Aufsatz im September 1970 dann die Lösung vorgeschlagen, dass beide Ereignisse gleichzeitig stattfinden; daraus ergibt sich die Theorie, dass unendlich viele parallele Multiversen existieren. Also z.B. eines, in dem der Protagonist reich und berühmt ist, ein anderes, in dem er sich als private eye durch L.A. und Santa Monica kämpfen muss. Hugh Everett war übrigens der Vater von Mark Everett von der Band „Eels“. Weissenegger trifft im Restaurant „Zucky’s“ zwei Kommilitonen von Tamara, nämlich Mark und Elizabeth, so hieß die Tochter von Hugh Everett, und da wird auch kurz über diese Multiversen-Geschichte besprochen.

Welche Verlage haben das Buch abgelehnt?

Natürlich habe ich es bei mehreren Verlagen und auch Literaturagenturen versucht, bin dann beim Wiener Milena-Verlag gelandet. Die sind im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr engagiert. Ich habe mein ganzes Leben lang in kleinen Verlagen veröffentlicht und daran wird sich voraussichtlich nichts mehr ändern.

Klar, der Milena-Verlag ist top. Prestigeverlag. Was ist dein Lieblingsbuch von Milena?

Mein Lieblingsbuch von Milena ist eindeutig „Wenn das der Führer wüsste“ von Otto Basil. Es wurde 1966 erstveröffentlicht und Milena hat das Buch dankenswerterweise wieder aufgelegt. In dem Buch hat Hitler den Krieg gewonnen. Es gibt ja mehrere Bücher mit dieser Thematik, zum Beispiel „The Man in the High Castle“ von Philip K. Dick, das ja auch zu einer Fernsehserie gemacht wurde. Basils Buch ist aber eine wirklich gelungene Satire auf das Dritte Reich, die den Irrsinn des Nationalsozialismus aufzeigt.

Wird das Buch übersetzt?

Das wird sich weisen; wäre schon cool. Am besten in alle wichtigen Weltsprachen.

Wurde Arnold Schwarzenegger erfolgreich ein Exemplar zugespielt?

Nein, aber ich kenne Leute, die ihn sehr gut persönlich kennen. Irgendwer hat mir mal erzählt, dass Schwarzenegger ständig umgeben ist von Leuten, die irgendetwas von ihm wollen. Wenn er auf das Buch aufmerksam würde… keine Ahnung, was dann passieren könnte.

Wird das Buch verfilmt?

Na unbedingt. Oder noch besser sollte man eine Serie aus dem Stoff machen. Arno Weissenegger aka Arnold S. irrt auf der Suche nach Jobs als Privatdetektiv durch L.A. Das gäbe schon was her.

Wird der alte resp. junge Arnie dank Motion Capturing als CGI-Animation in der Hauptrolle zu sehen sein? Zum ersten Mal zum Einsatz kam die CGI-Technik übrigens 1990 in „Total Recall“. Wo wir jetzt spätestens seit der Wiederauferstehung Peter Cushings als Großmoff Tarkin wissen, dass wir uns auch auf Sprechrollen verstorbener (oder für die Rolle einfach zu alter) Schauspieler freuen dürfen, was meinst du, wie viele Filme werden posthum mit Arnold Schwarzenegger erscheinen?

Dazu kann ich jetzt gar nichts sagen. Mir wäre es auch egal, wenn ich posthum berühmt werden würde. Da hätten bloß meine Erben was davon.

Du bist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Plattenlabel-Betreiber. Wie kommt man zu einem solch bizarren Hobby?

Na ganz so bizarr ist das nicht. Auf pumpkinrecords haben wir bislang an die 100 Releases von österreichischen Bands und Musikern. Dieser Tage erscheint erstmals ein Album eines kalifornischen Musikers, der dann durch Europa tourt. Musik und Literatur waren für mich immer das allerwichtigste, ich lebe in einem Haus, das voll ist von Schallplatten und Büchern. Und ein paar davon habe ich selbst geschrieben und auch ein paar Platten aufgenommen. Zuletzt in einem Projekt, das „Songs from The Isolierband“ heißt. Meine Lieblingsband auf pumpkin ist momentan „Tiger family“ aus Graz. Slow Motion Americana, ganz groß. Wer mehr wissen will, findet alles auf www.pollanz.com und auf www.kuerbis.at; dort gibt es auch einen Link zur edition kürbis, einem kleinen Verlag, den ich auch noch betreibe.

Link zum Buch

Fotos © Wolfgang Pollanz
„Arnold…“-Cover © Wolfgang Pollanz
„Hasta la vista, Baby!“-Cover © Milena Verlag
Twitterbild © privat

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Über den Autor

Roland van Oystern

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Rolands Nerd-Schreibtisch

Manchmal mag der Mensch gern was aufschreiben, und wenn es bloß ein paar Zeilen über etwas sind, das vor ihm ein anderer aufgeschrieben hat. Mal besteht mein Antrieb diesbezüglich darin, wirklich etwas loswerden zu wollen. Mal ist es schlicht so, dass ich mir zu künden vorgenommen habe. Mag es – gleich wie – im besten Fall zum Nutzen eines Dritten oder gar Vierten geschehen. Geben und nehmen und geben.

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von Roland van Oystern Artikel-Lesezeit: ca. 9 min
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