Der dreizehnte Sarg

DCI Mark Lapslie – Keine Geschmacksache

Der dreizehnte Sarg
© Knaur

Mit Detective Chief Inspector Mark Lapslie von der Essex Constabulary hat Nigel McCrery einen außergewöhnlichen Ermittler erschaffen, denn Lapslie leidet an Synästhesie. Dies bedeutet in seinem Fall, dass er Geräusche oder Stimmen anderer Menschen als Geschmack wahrnimmt. In der Vergangenheit suchte er daher privat zunehmend nach Einsamkeit, trennte sich von Frau und Kindern, doch vor einiger Zeit trat die zwanzig Jahre jüngere Ärztin Charlotte in sein Leben. Aufgrund der Dienstpläne und Einsatzzeiten sieht man sich selten und so genießen die beiden ein Segelwochenende auf der Isle of Wight. Dieses wird jedoch gestört, Lapslie von seinem Sergeant Emma Bradbury zu einem alten Atomschutzbunker gerufen, in dem die Leiche eines Obdachlosen gefunden wurde. Dieser starb zweifellos an den Folgen seines alkoholgetränkten Lebens, jedoch ist es eine angrenzende Kammer neben dem Fundort des Toten, die die eigentliche Aufmerksamkeit der Polizei weckt. Dort stehen zwölft Särge, neun davon geschlossen, drei offen. Neun zerstörte Puppen befinden sich in den geschlossenen Särgen, vor den geöffneten Särgen stehen drei Puppen: Eine Frau mit Hochzeitskleid, dazu ein Major und ein Lehrer.

„Sie ist von einem Heckenschützen erschossen worden …“ „Von einem Heckenschützen? Wo sind wir hier, im Irak?“

Am nächsten Tag wird die junge Leslie Cooke unmittelbar nach ihrer Trauung vor der St. Mary’s Church in Fichingfield erschossen. Offenbar aus sehr großer Entfernung durch einen Präzisionsschuss mitten ins Herz. Lapslie eilt zurück zum Bunker, wo er eine Überraschung erlebt. Die Puppe mit dem Hochzeitskleid liegt nun in ihrem Sarg; an der Stelle wo Leslie getroffen wurde, befindet sich Blut. Die anderen beiden Puppen sind verschwunden. Lapslie und sein Team müssen sich beeilen, wollen sie den Major und den Lehrer retten, doch dazu müssten sie erstmal wissen, was es mit den anderen Puppen auf sich hat, um den möglichen Zusammenhang zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt ahnen die Ermittler noch nicht, dass es eine dreizehnte Puppe gibt.

Teil vier der unterhaltsamen Mark-Lapslie-Reihe

Wenn DCI Mark Lapslie andere Stimmen hört, dann kommt es nicht selten zu irritierenden Geschmacksauswüchsen. So erkennt er schon am Geschmack von Benzin oder Erdbeere in seinem Mund, wer ihn gerade anspricht. Nicht selten bringt ihn dies kurzerhand aus dem Konzept, gleichwohl ist er der beste Ermittler in Essex, sehr zum Leidwesen von Chief Superintendent Alan Rouse, mit dem Lapslie einst gemeinsam auf Streife ging. Lange her. Seitdem machte Rouse Karriere, Lapslie löste Fälle. So verwundert es nicht, dass Rouse in Lapslie einen möglichen Kontrahenten wittert und schiebt diesem konsequenterweise nur die schwersten Fälle zu. Sollte er scheitern, könnte man es auf die Synästhesie schieben und Lapslie womöglich aus dem Verkehr ziehen.

„Wo hat er das Gewehr her, und was das betrifft, auch die Munition? Wir sind ja hier nicht in den USA, wo man einfach in den Supermarkt gehen und sich eine Knarre kaufen kann, und Munition im Sonderangebot gleich noch dazu.“

Doch der vorliegende, vierte Fall der lesenswerten Reihe („Kaltes Gift“, „Schwarzes Schaf“ und „Grau wie der Tod“ hießen die Vorgänger) erfordert von den Ermittlern vollen Einsatz. Anhand der Puppen gilt es herauszufinden, wer die bisherigen Toten waren und warum diese nicht Polizei bekannt sind. Nach und nach stellt sich heraus, dass die meisten durch „Unfälle“ verstarben, von denen der Leser zu Beginn eines jeden Kapitels in Rückblenden erfährt. Lapslie ist ein sympathischer Ermittler, der zwar einen überhöhten Ehrgeiz hat, sich dabei gleichwohl ein hohes Maß an Menschlichkeit bewahrt hat. An seiner Seite agiert die unverzichtbare Emma Bradbury, die ihm den Rücken freihält. Sie sorgt dafür, dass die Kollegen vom Flur in ihre Büros gehen, wenn Lapslie auf der Wache erscheint und dass bei Besprechungen keine unnötigen Fragen gestellt werden. Wer weiß, welche Geschmackskapriolen dies bei Lapslie auslösen würde. Die weiteren Nebenfiguren sind aus den Vorgängern weitgehend bekannt.

„Der dreizehnte Sarg“ ist für Freunde englischer Krimis gutes Lesefutter, wenngleich die Lösung – wie so oft – ein bisschen plötzlich, will sagen unvorhersehbar, daherkommt. Fortsetzung folgt!

  • Autor: Nigel McCrery
  • Titel: Der dreizehnte Sarg
  • Originaltitel: The Thirteenth Coffin. Aus dem Englischen von Marie-Luise Bezzenberger
  • Verlag: Knaur
  • Umfang: 317 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: November 2019
  • ISBN: 978-3-426-50985-2
  • Produktseite  


Wertung: 12/15 dpt


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