Facettenreicher Roman

Das schwarze Herz
© Gmeiner

1868. Berlin. Das Polizeipräsidium am Molkenmarkt befindet sich im Stadtpalais Grumbkow, wo Kriminalkommissar Gideon Horlitz arbeitet. Im Königreich Preußen ist er eine Legende, die von seinen befreundeten Kollegen, dem Tatortzeichner Julius Bentheim und dem Polizeifotografen Albrecht Krosick, unterstützt wird. Der aktuelle Fall führt das Trio in das Dorf Weißensee, wo der Herzog Rudolf von Gerolstein ermordet aufgefunden wurde. Ein Schuss aus unmittelbarer Nähe entstellte sein gesamtes Gesicht. Der Zimmertresor steht offen, das Motiv scheint somit klar. Doch für Horlitz passt wenig zusammen und so lässt er den geheimnisvollen Hausdiener beschatten. Dabei bemerkt man eines Abends einen Einbrecher auf dem herzoglichen Anwesen, der sich einer Verhaftung nach kurzem Schusswechsel mittels einer Giftkapsel entzieht.

„Geld verderbe den Charakter, sagt man, und lasse das Herz schwarz werden.“

Horlitz findet heraus, dass nicht der Herzog ermordet wurde, sondern dessen Diener. Von Gerolstein fehlt jede Spur und eine genauere Untersuchung seines Anwesens offenbart einen Geheimraum unter der Erde, der als Versammlungsstätte diente. So stoßen die Ermittler auf eine geheimnisvolle Loge, die sich Frères du Coeur Noir, die Loge des schwarzen Herzens, nennt. Eine maßgebliche Rolle scheint dabei der Vicomte Dacascos de Rastignac zu spielen, den Julius Bentheim bereits auf einem Empfang kennenlernte. Unvergessen, der Anblick seines Kutschers, der einem Werwolf verdächtig ähnelte. Weitere Recherchen ergeben, dass die geheime Loge wohl einen Anschlag auf Kaiser Napoleon III. verüben will, woraufhin das Trio nach Paris eilt.

Der vierte Fall aus der Bentheim-und-Krosick-Reihe

Warum es eines Tatortzeichners bedarf, wenn der Polizeifotograf vor Ort ist, sei dahingestellt. Jedenfalls ermitteln die Freunde Julius Bentheim und Albrecht Kosick bereits in ihrem vierten Fall. Sie sind inzwischen Aspiranten für den Polizeidienst. Bentheim ist ein junger Witwer und Liebhaber von Kolportageromanen, Krosick ein verheirateter Schürzenjäger. Ihr Chef Horlitz wiederum ist ein launisch-arroganter Typ, der seine Erkenntnisse auch mal gerne für sich behält und ein Anhänger der logischen Deduktion ist. Dafür, dass er als Legende gilt, unterlaufen ihm – und seinen Helfern – allerdings auffallend viele Fehler.

„Ich habe erst an Dostojewskijs Ehrlichen Dieb gedacht, doch ein anderer Titel ist angebrachter.“ „Der da wäre?“ „Der Idiot.“

Der vorliegende Roman überzeugt nicht nur mit seinen atmosphärischen Schilderungen und den gelungenen Einblicken in das Berlin und Paris der damaligen Zeit. Er bietet auch zahlreiche Querverweise auf literarische Werke und bindet zudem Elemente der Trivialliteratur mit ein. Ein Werwolf, Besuch in einer Nervenheilanstalt, mysteriöse Geheimlogen und düstere Herrenhäuser sind nur einige der bekannten Ingredienzien des Schauerromans.

„Es ist ein Kuriosum. Dafür gibt es eine beträchtliche Vielzahl an Hinweisen. Velid ist ein Anagramm für Devil; die 13 ist unserem Aberglauben nach die Unglückszahl, auch Teufels-Dutzend genannt. Und die 666 ist in der Johannes-Offenbarung die Zahl des Tieres. All diese Schauermärchen, welche die Berliner Gesellschaft derzeit ergötzen, werden von solchen Kleinigkeiten genährt. Ihrem Grafen scheint sehr daran gelegen zu sein, einen Nimbus des Bösen und Groteskem um sich herum aufzubauen.“

Ein Krimi zum Mit raten ist „Das schwarze Herz“ sicher nicht, dafür aber eine kurzweilige Unterhaltung mit teils schaurig-skurrilen Ansätzen. Wer’s mag!

  • Autor: Armin Öhri
  • Titel: Das schwarze Herz
  • Verlag: Gmeiner
  • Umfang: 280 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Februar 2021
  • ISBN: 978-3-8392-2804-3
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite 

Wertung:  11/15 dpt       


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